Seite von prosyrischen Hackern gekapert Harvard-Homepage wird zur Propaganda-Front

Statt Kursplänen und Uni-Personal erscheint plötzlich Syriens Machthaber Baschar al-Assad auf der Homepage der Elite-Universität Harvard: Prosyrische Hacker rächen sich offenbar für Angriffe des Anonymous-Kollektivs.

Wer am Donnerstagmorgen die Homepage der US-Eliteuniversität Harvard ansteuerte, dürfte nicht schlecht gestaunt haben: Nicht Kurspläne oder prominente Dozenten waren dort zu sehen - Syriens Machthaber Baschar al-Assad prangte nebst einer syrischen Flagge auf der Startseite. Neben ihm zu lesen die Botschaft "Die syrische elektronische Armee war hier". Dies berichtet die BBC.

Gekaperte Harvard-Seite: Vergeltung für Anonymous-Angriffe.

(Foto: Screenshot)

Ein "erfahrenes Individuum oder eine Gruppe" soll nach Angaben der Universitätsleitung hinter der Veränderung der Seite stecken. Bei der Hacker-Attacke hinterließen die Eindringlinge noch weitere Botschaften, so bezichtigten sie die USA, eine "Politik des Tötens" zu unterstützen. Dies ist eine Anspielung auf die gegenwärtige Rebellion gegen al-Assad, die dieser Augenzeugenberichten zufolge äußerst brutal niederschlägt.

In gebrochenem Englisch, so heißt es im BBC-Bericht weiter, drohten die Angreifer auch indirekt mit einem Angriff auf die USA über Menschen, die als "mobile Bomben" eingesetzt werden könnten, sollte der "Krieg gegen Syrien" weiter unterstützt werden.

Die Attacke dürfte die digitale Vergeltung für eine Aktion des losen Hacker-Kollektivs Anonymous sein. Dies hatte im August die Seite des syrischen Verteidigungsministeriums gekapert und dort das Militär dse Landes dazu aufgerufen, sich von al-Bassad abzuwenden.

Harvard gibt an, in jüngster Zeit häufiger Ziel von Angriffen zu werden, in der Regel jedoch ausreichend geschützt zu sein. Nachdem die Universität die Seite einige Stunden vom Netz nahm, ist sie inzwischen wieder erreichbar.

Vorbild Iran

Syrien war bislang nicht durch eine aktive regierungstreue Hacker-Organisation aufgefallen. Im Nachbarland Iran ist dies anders: Die "Iranian Cyber Army" wurde durch erfolgreiche Attacken auf Portale wie Twitter bekannt.

Der IT-Sicherheitsfirma Seculert zufolge könnten die Hacker ein Botnetz mit mehr als 20 Millionen Rechnern kontrollieren, über die koordinierte Cyber-Attacken ausgeführt werden könnten.