"Science+Fiction"-Messe in Düsseldorf Unter der Haut geht der Chip garantiert nicht mehr verloren

Sven Becker arbeitet eigentlich für ein Softwareunternehmen, zu dessen Kundenkreis viele Fitnessstudios gehören. "Die wissen oft nicht, ob sie ihren Kunden als Einlasskarte einen Münzchip oder Schlüsselanhänger oder etwas ganz anderes geben sollen." Die Grübelei nahm der 25-Jährige zum Anlass, um ein Start-Up zu gründen: "I am Robot", das er in Düsseldorf vorstellt.

Die Firma verkauft NFC-Chips. NFC steht für Near Field Communication. Sobald der Träger so eines Chips in der Nähe eines NFC-lesefähigen Geräts kommt, kann dieses die Daten auf dem Chip lesen. Zum Beispiel auch einige Einlassschranken von Fitnessstudios. Hält der Implantierte seine Hand kurz an das Lesegerät, öffnet sich die Tür. Und der Chip geht garantiert nicht mehr verloren.

Ein anderer Aussteller ist Patrick Kramer, Geschäftsführer von Digiwell, was sich von "digital wellness" ableitet. Seit Anfang diesen Jahres verkauft Kramer im Netz 500 smarte Produkte wie Mützen mit integrierten Kopfhörern, Bluetooth-Handschuhe oder Chip-Implantate. "Wer sagt denn, dass Technik nicht auch unter die Haut gehen darf?", fragt Kramer, ganz Verkäufer.

Wer keine Lust hat, sich für ein bisschen Selbstoptimierung gleich aufschneiden zu lassen, dem hat Kramer auch Fitness-Armbänder oder Smartwatches mitgebracht. Die sind mittlerweile Alltag, das physische Verschmelzen von Mensch und Maschine irritiert viele Menschen allerdings doch noch.

"Nur ein Piercing mit Funktionalität"

Die selbst ernannten Cyborgs wollen nicht als Spinner abgetan werden. Das treibt auch Enno Park um, den Vorsitzenden des deutschen Cyborg-Vereins. Nach einer Masern-Infektion war er taub, heute kann er durch sein Implantat wieder hören. "Wir leben in einer Zeit der wahr werdenden Science Fiction", sagt der Blogger. Noch stehe die Bewegung am Anfang: "Verglichen mit der Entwicklung der Autos sind wir gerade bei der ersten Benzinkutsche." Was wäre in diesem Bild ein Ferrari? "Wenn wir mit unserem Nervensystem Dinge kontrollieren können."

Noch hapert es aber an der Sicherheit einiger Produkte. Die größere Hürde sei aber die gesellschaftliche Skepsis. "Dabei ist ein Implantat im Grunde genommen nur ein Piercing mit Funktionalität", sagt Park. Viel schmerzvoller sei der Eingriff auch nicht. Er dürfte immerhin wissen, wovon er spricht. Auf der Messe ließ Park sich einen Chip spritzen. Ganz spontan, wie er sagt.

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