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Science-Fiction-Filme:Das muss erst noch erfunden werden

Der Transporterraum der Star-Trek-Serie war nur eine Notlösung: Um teure Spezialeffekte zu umgehen, die bei Landungen auf fremden Planeten notwendig wären, hat der Autor Gene Roddenberry das Beamen erfunden.

(Foto: Paramount)

Futuristische Röntgengeräte und Origami-Tablets für Star Trek zu entwerfen müsste ein Traumjob sein. Chris Carlozzi hat ihn. Aber auch er muss sich an Regeln halten.

Faszinierend. Das ist die einzig zulässige Beschreibung für dieses Gerät, das Leonard McCoy im Film "Star Trek Beyond" verwendet, um ein Mitglied der Enterprise-Besatzung zu untersuchen: Es sieht aus wie ein überdimensionaler USB-Stick, der auseinandergezogen werden kann und dadurch einen Bildschirm offenbart, auf dem der Arzt sämtliche Gesundheitsdaten seines Patienten sehen kann, wenn er das Ding nur auf ein Körperteil richtet. "Wie cool wäre es, wenn es so eine tragbare Röntgenmaschine heute schon gäbe?", fragt Chris Carlozzi. Er ist Produktdesigner bei Hewlett Packard Enterprises (HPE) und hat dieses futuristische Diagnoseinstrument erfunden.

Was im Film noch zu sehen ist: eine vollautomatische Quarantäne-Station oder ein Tablet, das sich wie eine Origami-Figur in verschiedene Formen falten lässt und eine Vision sein soll, wie sich die Menschen in ferner Zukunft über Neuigkeiten in der Galaxis informieren werden. Das torpedoartige Geschoss allerdings, das von einem Raumschiff aus auf einen Planeten abgefeuert wird und diesen mit Computern und anderen Geräten versorgt, hat es wie sieben andere Entwicklungen von Carlozzi nicht in den Film geschafft.

"Die Gadgets orientieren sich an der Gegenwart, damit sie glaubhaft wirken."

Das Star-Trek-Universum gilt seit jeher als geeigneter Ort für futuristische, bisweilen utopische Geräte: Es gibt den Transporter, der Menschen und Gegenstände innerhalb kurzer Zeit von einem Ort zum anderen beamt, weswegen Captain Kirk in beinahe jeder Folge sagen darf: "Beam me up, Scottie!" Oder den Tricorder, mit dem die Besatzung auf einem fremden Planeten feststellen kann, ob es dort Lebewesen gibt. Und natürlich den Replikator, mit dem sich etwa Lebensmittel erzeugen lassen.

Science-Fiction-Filme

Hoverboard und Gefühlskanone - Gadgets der Zukunft

"Die Gadgets orientieren sich an der Gegenwart, damit sie für den Zuschauer glaubhaft wirken", sagt Carlozzi. Es gibt heute schon Maschinen, die die ersten Röntgengeräte aussehen lassen wie Relikte aus längst vergangener Zeit - über Augmented Reality kann man bereits jetzt auf einem Tablet die Funktionen einer Maschine überprüfen: "Ausgehend davon haben wir uns überlegt, welches Gerät sich der Schiffsarzt der Enterprise in 250 Jahren wünschen würde: Es ist handlicher, es ist akkurater und hat mehr Funktionen als alles, was es heute gibt. Wichtig ist natürlich auch das Design: Es soll möglichst futuristisch sein und aussehen wie etwas, das es in der Gegenwart noch nicht gibt."

Geräte für die Zukunft entwerfen, ohne die technologischen Restriktionen der Gegenwart oder gar die Gesetze der Physik berücksichtigen zu müssen, das klingt wie ein Traumjob. "Ein paar Schwierigkeiten und Einschränkungen gibt es dann doch: Die meisten Gadgets sind nur zwei Sekunden lang zu sehen", sagt Carlozzi: "Es ist deshalb wichtig, dass sich dem Zuschauer sofort und ohne Erklärungen erschließt, was das sein soll und warum es cool wäre, so ein Gerät zu besitzen."

Natürlich ist dieses Star-Trek-Universum nicht nur ein Ort für faszinierende Geräte, sondern vor allem in den neueren Kinofilmen auch einer für gar nicht mal so dezente Produktplatzierungen. Zu sehen sind Biermarken, Handyhersteller und Bekleidungsfirmen, Regisseur J. J. Abrams nennt das ein "notwendiges Übel" der Filmindustrie. Bei HPE arbeiten sie gerade an einer Technologie, die sie selbstbewusst "The Machine" nennen und die mindestens so revolutionär sein soll wie Warp-Antrieb und Universalübersetzer.

Es lohnt natürlich, die möglichen Ausläufer dieser Erfindung in einem Science-Fiction-Film anzukündigen und pünktlich zum Filmstart zahlreiche Werbefilme zu senden. Es sind faszinierende Geräte, die im neuen Film gezeigt werden. Wer jedoch bemerkt, dass sich die Erfinder gar nicht mal so sehr an den Funktionalitäten ergötzen als vielmehr daran, dass auch stets das HPE-Logo zu sehen sein wird, der stellt ernüchtert fest: Bei den Gadgets der Zukunft geht es dann doch meistens nur um den Werbeeffekt in der Gegenwart - und das ist dann nicht mehr so arg faszinierend.

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