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Schalke 04:Selbst die Nordkurve ist "zum Teil mit Begeisterung" dabei

Schalke E-Sport

Die Athleten von Schalke schauen während des Spiels konzentriert auf ihre Bildschirme. Damit die Zuschauer auch etwas mitkriegen, wird das Geschehen auf riesige Leinwände übertragen.

(Foto: Riot Games)

Auch die andere Seite spricht unverhohlen über die wirtschaftlichen Aspekte in Entscheidung für einzelne Teams. Man habe sich Besitzer und Investoren genau angeschaut, sagt Liga-Chef Schnell. Schließlich werden die zehn Teams künftig ein Mitspracherecht haben: "Wir wollen sichergehen, dass wir dieselbe Vision haben." Schalke ist das einzige Team mit traditionell-sportlichem Hintergrund im Feld der zehn Liga-Teilnehmer, die Riot Games am Dienstag bekannt gegeben hat. Teil der neuen LEC wird auch das E-Sport-Urgestein "SK Gaming" aus Köln sein, Partner ist die Telekom. Hinter dem Team "Rogue" stehen der international bekannte DJ Steve Aoki und die Band Imagine Dragons. Musik und Computerspiele - "das verbindet für uns zwei Bereiche", sagt Schnell. Das zeigt, wohin es gehen könnte: E-Sport soll noch weiter weg aus der Nerd-Ecke, alle Lebensbereiche durchdringen, wachsen. Die Liga selbst gehört letztlich dem chinesischen Internetriesen Tencent, Besitzer von Riot Games und Anteilseigner bei weiteren Spielefirmen mit E-Sport-Titeln. Es ist völlig klar: In der boomenden Branche geht es vorrangig ums Geld.

Lässt sich das den Schalker Ultras verkaufen, den Malochern, die bei den Heimspielen jede zweite Woche in der Nordkurve stehen? Kein Problem, glaubt Jobst, mittlerweile seien selbst hartgesottene Fußballfans zum Teil "mit Begeisterung" dabei. Er spricht von Synergien in beide Richtungen, Fußball und E-Sport sollen künftig noch enger verknüpft werden. Vor allem geht es natürlich darum, die Generation Internet über das Gaming für den FC Schalke 04 zu gewinnen. Bei den PR-Terminen der Fußballmannschaft durch China waren in den vergangenen drei Jahren auch die E-Sport-Stars mit dabei. "Die chinesischen Fans erkennen die Gamer eher als die Fußballprofis", sagt Jobst.

Auch in Zukunft keine Ego-Shooter

In der Gelsenkirchener Fußgängerzone werden die Schalker Fans den Profi-Gamern allerdings kaum über den Weg laufen. Denn das LoL-Team, Spieler, Trainer und der restliche Stab, wohnt und trainiert genau wie alle übrigen Teams der europäischen Liga in Berlin. Dort tragen sie alle regulären Spieltage in einem Studio in Berlin-Adlershof aus, zwei pro Woche. Anders wäre der Aufwand schlicht zu groß. Aber das muss nicht ewig so bleiben: In der chinesischen Liga des Computerspiels bauen gerade einige Teams eigene E-Sport-Arenen. "Wir haben noch keinen konkreten Plan dafür in Europa", sagt Schnell, "aber wir finden das sehr spannend." Auch Jobst hätte sein Team irgendwann gerne in Gelsenkirchen.

So aber befindet sich das Trainingszentrum der Schalker in einem mehrstöckigen Wohnhaus in Berlin-Charlottenburg. An der Tür hängt ein Schild "In diesem Haus wohnen Familien mit Kindern", auf einer Klingel steht "S04". Innen eine geräumige Altbauwohnung mit Parkett: Hier gibt es eine Küche, ein Büro, ein Zimmer für Fitness und Yoga (auch E-Sport ist anstrengend). Das Herzstück des Trainingszentrums ist bisher noch etwas schmucklos: nur fünf PCs stehen an der Wand aufgereiht. "Bis zum Saisonbeginn soll das hier noch umgebaut werden", sagt Tim Reichert, Chef der Schalker Gaming-Abteilung. "Außerdem wollen wir die Tagesabläufe der Spieler optimieren." Feste Essenszeiten, Atemübungen zwischen den Spielen, regelmäßige gemeinsame sportliche Aktivitäten erhöhen die Fitness und den Zusammenhalt im Team. E-Sport ist längst nicht mehr nur Zocken, es geht schließlich um jede Menge Geld.

In Zukunft soll Schalkes E-Sport-Abteilung noch weiter wachsen. Als nächstes planen sie in Schalke, Spieler für ein noch unbekanntes Mobile-Game anzuwerben. Aber es gibt auch Grenzen: "Wir planen nicht, in einen Ego-Shooter zu investieren", sagt Jobst. Man distanziere sich von "Ballerspielen und Kriegsspielen". Denn: "Wichtig ist, dass ein Titel zu den Werten passt, die wir seit Jahrzehnten auf Schalke leben."

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