Smartphone-Technologie Die Zukunft ist faltbar

  • Als erster großer Smartphone-Hersteller hat Samsung einen Prototypen für ein faltbares Telefon-Display vorgestellt.
  • Das präsentierte Modell lässt allerdings noch wenig Rückschlüsse auf das endgültige Design zu, das im Februar 2019 auf dem MWC in Barcelona vorgestellt werden könnte.
  • Google unterstützt die App-Entwicklung für das Falthandy.
Von Max Muth

Samsungs Top-Manager Justin Denison hatte am Mittwoch in San Francisco eine undankbare Aufgabe: Er musste auf der Entwicklerkonferenz des Konzerns eine technologische Revolution ausrufen, ohne sie wirklich zeigen zu können. Diese Revolution soll das faltbare Telefon sein.

Am Tag zuvor hatte Samsung seine Branche und viele Technik-Fans in moderate Aufregung versetzt. Der Konzern gestaltete sein Facebook-Profilbild derart um, dass der "Galaxy" Schriftzug sich dreidimensional nach innen faltete. Ein nicht besonders dezenter Hinweis auf anstehenden Neuigkeiten zum faltbaren Mobilgerät.

Ein Falthandy gab es schon einmal: StarTac oder RAZR hießen zum Beispiel die Modelle des Herstellers Motorola, die in den späten 90ern und frühen 2000ern den Mobilfunkmarkt mitprägten. Allerdings trennte damals ein Scharnier Tastatur und Display voneinander. Das Display wurde auf die Tastatur geklappt. Doch physische Tastaturen sind von gestern, heutzutage besteht die Vorderseite eines Smartphones komplett aus Bildschirm: Statt zwei physisch getrennte Teile zusammenzuklappen, muss ein Klappgerät heute als Ganzes faltbar sein. Das ist die Herausforderung, vor der Samsung und andere Hersteller stehen, die das Smartphone von heute flexibel machen wollen.

Vom Klappen zum Falten

Die technischen Schwierigkeiten für Display-Hersteller sind beträchtlich: Das bevorzugte Glas für die Abdeckung des Bildschirms fällt wegen mangelnder Biegsamkeit aus. Zudem muss das Material viele Tausend Faltungen überstehen, ohne dass sich die Qualität verschlechtert. Samsung hat das Problem bei seinem "Infinity Flex" Display mit einem neu entwickelten Polymer-Verbundmaterial gelöst, auch der Klebstoff, der OLED und Polymer zusammenhält, musste laut Samsung erst erfunden werden.

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Groß waren dementsprechend am Mittwoch auch die Erwartungen des Tech-Publikums. Die bei der Konferenz vorgestellten Infos dürften allerdings nur Wenige zu Begeisterungsstürmen verleitet haben: Ja, Samsung wird ein faltbares Telefon produzieren (keine Neuigkeit), die Technologie ist laut Samsung bald marktreif (kaum eine Neuigkeit) und das neu entwickelte Display hat keine Glasabdeckung mehr (keine Überraschung). Die entscheidende Frage aber lautet: Wie praktisch ist so ein Smartphone?

Google will App-Entwicklung unterstützen

Das Gerät bekamen die anwesenden Gäste zwar kurz zu sehen, allerdings wurde dafür der Raum komplett abgedunkelt. Der Prototyp war offenbar komplett in ein schmuckloses Gehäuse eingefasst, um der Konkurrenz keine Hinweise zum endgültigen Design zu geben. So sah man nur einen Mann, der einen erleuchteten Bildschirm aufklappte, der sich dadurch in der Fläche verdoppelte und dennoch weiterhin funktionierte. Der Effekt war verblüffend - aber setzt sich das durch?

Die wichtigste Neuigkeit zum faltbaren Samsung-Telefon überbrachte denn auch ein Überraschungsgast. Nach Samsung-Manager Denison betrat Googles Android-UX-Chef Glen Murphy die Bühne. Er verkündete, dass Google die Entwicklung des für das Telefon notwendigen Betriebssystems vollumfänglich unterstützen werde. Demnächst wollen Samsung und Google interessierten App-Entwicklern einen Emulator zur Verfügung stellen, der die Displayaufteilung des neuen Gerätes simuliert.

Quadratisch: praktisch gut?

Für Entwickler ist die Aufgabe alles andere als trivial. Sie müssen Apps bauen, die ihre Oberfläche bei einer spontanen Bildschirmflächenverdopplung nicht nur anpassen, sondern dem Nutzer dadurch auch zusätzliche sinnvolle Möglichkeiten bieten. Knifflig ist das auch deshalb, weil ein ausgeklapptes Smartphone-Display sich in ein annähernd quadratisches Tablet verwandelt - ein bisher ungewöhnliches Format. Zum Lesen mag das angenehm sein, Videos etwa vergrößern sich dadurch aber kaum.

Ob Samsung mit seiner Neuheit den Smartphone-Markt aufmischen wird und dem ewigen Konkurrenten Apple durch einen technologischen Quantensprung gefährlich werden kann, wird deshalb auch vom Einfallsreichtum der Entwickler abhängen. Bis zur Marktreife eines Samsung-Faltprodukts wird es laut Denison noch ein paar Monate dauern, eine Produktpräsentation könnte es auf dem Mobile World Congress in Barcelona geben.

Das erste Falt-Smartphone der neuen Generation zum Anfassen wird dann wohl schon seit einiger Zeit auf dem Markt sein, zumindest auf dem chinesischen. Vor ein paar Tagen präsentierte der chinesische Hersteller Royole ein Falt-Telefon, von dem die ersten Modelle bereits im Dezember ausgeliefert werden sollen. Auch Huawei, LG, Microsoft und Apple haben in den vergangenen Jahren Patente beantragt, die auf die Entwicklung faltbarer Geräte hindeuten.

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