Anonymer Hacker "Hell" vor Gericht Das Phantom namens Hölle

Der Aktivist Alexej Nawalny brachte den Prozess ins Rollen.

(Foto: Pavel Golovkin/AP)
  • Der berüchtige Hacker "Hell", bislang nur unter diesem Pseudonym bekannt, soll der in Moskau geborene Sergej M. sein.
  • Die Staatsanwaltschaft Bonn wirft ihm Datendiebstahl, Urkundenfälschung und Beleidigung vor. Die Verhandlung findet vor dem Amtsgericht Bonn statt.
  • Sergej M. streitet ab, der anomyme Hacker "Hell" zu sein.
Von Julian Hans, Moskau

Ein Phantom ist "Hell" schon lange nicht mehr. Über Jahre haben russische Blogger Indizien gesammelt, die belegen sollen, dass sich hinter dem Pseudonym des berüchtigten Hackers der in Moskau geborene Sergej M., 41, verbirgt. Seit Beginn der 2000er-Jahre hat Hell Blogs Kreml-kritischer Prominenter gekapert, E-Mails von Oppositionellen veröffentlicht und sich in Interviews mit Kreml-nahen Medien seiner Taten gerühmt.

Opfer waren unter anderem der Journalist Andrej Malgin, der Schriftsteller Boris Akunin und der Anti-Korruptions-Aktivist Alexej Nawalny. Nun soll ein deutsches Gericht in der Fehde zwischen Kritikern des Kreml und einem seiner anonymen Internet-Krieger ein Urteil fällen. Die Staatsanwaltschaft Bonn wirft Sergej M. Datendiebstahl, Urkundenfälschung und Beleidigung vor. An diesem Mittwoch wird die Verhandlung vor dem Amtsgericht Bonn fortgesetzt. Es drohen bis zu drei Jahre Haft.

Kistenweise Computer

Sergej M. kam in den Neunzigerjahren nach Deutschland und lebte erst in Bayern, bevor er jene Wohnung in Bonn bezog, in der die Polizei kistenweise Computer, Festplatten und CDs beschlagnahmte. Darauf fanden sich zahlreiche Bildschirmfotos von Hells eigenem Blog, ein Dokument mit dem Titel "Hells Evangelium" sowie große Mengen an Daten aus den Postfächern von Alexej Nawalny und seiner Frau Julia. Sergej M. streitet ab, Hell zu sein. Der anonyme Hacker habe ihm lediglich die Daten übergeben, damit er sich auf den Prozess vorbereiten könne. Sein Internet-Anbieter hat indes festgestellt, dass Attacken von M.s Computer in Bonn ausgingen.

Nawalny vermutet, dass Hell mit dem russischen Geheimdienst zusammenarbeitet. Dafür spricht, dass die E-Mails des Oppositionellen gerade in dem Moment veröffentlicht wurden, als Fahnder seine Computer beschlagnahmt hatten. Nawalny war es auch, der den Prozess ins Rollen brachte. Er ließ belastende Dokumente übersetzen und nahm sich einen Anwalt, der ihn in Bonn als Nebenkläger vertritt.

Dass er nicht selbst vor Gericht erscheinen kann, liegt auch an Hell: Aus den gestohlenen E-Mails konstruierte die russische Justiz seinerzeit einen Betrugsprozess gegen Nawalny. Der endete mit einer Bewährungsstrafe - das genügt, damit Nawalny weder für ein politisches Amt kandidieren noch das Land verlassen darf.