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Roboter:Begrüßen Sie Ihre künftigen Herrscher!

Sie flüstern ihren Besitzern Schweinereien ins Ohr, überwachen Demonstranten, krabbeln im Schwarm durch Fabrikhallen: Was Roboter heute schon können.

Von Morten Luchtmann

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Sophia Roboter Hanson Robotics

Quelle: PR-Foto Hanson robotics

Wenige Zukunftsvisionen kommen ohne Roboter aus. Das Spektrum reicht dabei von der Super-Hilfskraft, die den Menschen alle unangenehmen Arbeiten abnimmt, bis zur übermächtigen Intelligenz, die die Menschheit unterjocht. Tatsächlich ist die Robotertechnik ein florierendes und innovatives Forschungsfeld. Alle paar Tage wird irgendwo auf der Welt ein neuer mehr oder weniger fortschrittlicher Roboter präsentiert. SZ.de hat eine Auswahl der markantesten Modelle der vergangenen Monate zusammengestellt und erklärt, was sie können und welchen Platz sie einmal auf der Welt einnehmen könnten.

Die Ausdrucksstarke

62 verschiedene Gesichtsausdrücke kann die Roboter-Dame Sophia zeigen und beim Sprechen benutzen. Das Spezialsilikon wirkt wie menschliche Haut, wenn Sophia das Gesicht bewegt. Kameras in ihren Augen beobachten, wie sich Gesprächspartner bewegen und welche Gesichtsausdrücke sie benutzen. So hält Sophia beim Sprechen Blickkontakt, erkennt Personen und passt ihre Gesichtsausdrücke dem Gesprächsinhalt an, wie CNBC berichtet. Ein eingebauter Sprach-Bot verarbeitet Gesagtes und antwortet mehr oder weniger angemessen.

Die Firma Hanson Robotics aus Hong Kong hat Sophia entwickelt und sie im März bei der SXSW in Austin vorgestellt. Die Firma erklärt, sie möchte künstliche Intelligenz "freundlich und mitfühlend" machen. Geht es nach ihr, sollen Roboter wie Sophia zukünftig in der Pflege, im Kundenservice oder zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden können.

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Chinas Robocop

Anbot Roboter Polizei China

Quelle: www.youtube.com/user/ChinaViewTV Screenshot

Robocop sieht in Wirklichkeit aus wie eine Ladesäule für Elektroautos und kommt keine Treppen hoch: Anbot ist 1,49 Meter groß, 78 Kilogramm schwer und rollt mit 18 km/h Höchstgeschwindigkeit Verbrechern hinterher. Manche dürfte er an die Daleks aus der Kultserie Doktor Who erinnern, eine nichtmenschliche Rasse, die die Existenz der Menschheit bedroht. Anbot ist mit Mikrofonen, Kameras und einem Notrufknopf am Gehäuse ausgestattet, den Menschen benutzen können. Er könne selbstständig Kontrollfahrten durchführen und nehme Hilfeschreie wahr, heißt es in einem Bericht von Newsweek. Erkennt er eine Notsituation, könne er menschliche Kollegen anfordern. Mit seinem eingebauten Taser kann Anbot Menschen sogar Stromschocks verpassen.

Der Roboter wurde von der National Defense University China entwickelt und soll der Polizei etwa bei der Überwachung großer Menschenmengen helfen. Die Überwachung des öffentlichen Raumes hat in Peking in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Kritiker mahnen, dass Roboter keine Polizisten ersetzen können. "Surely this will end well", kommentierte Edward Snowden ironisch auf Twitter.

Ein ähnlicher Roboter wird zurzeit auch in einem Einkaufszentrum im kalifornischen Palo Alto eingesetzt. Er soll dort Wachleute mit Patrouillenfahrten unterstützen, hat allerdings keinen Taser eingebaut.

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Die Vierbeiner

Wildcat Cheetah Roboter Boston Dynamics

Quelle: www.youtube.com/user/BostonDynamics Screenshot

Das Robotermodell Wildcat, ehemals Cheetah, der Firma Boston Dynamics rennt wie eine Wildkatze und klingt wie ein Mofa. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 46 km/h ist Wildcat schneller als Usain Bolt und der fixeste Roboter auf Beinen. Er kann autonom Hindernisse von bis zu 40 Zentimeter Höhe überspringen. Boston Dynamics baut neben Wildcat noch andere Vierbeiner: Ein Modell heißt Spot, kommt mit holprigen und abhängigen Untergründen klar und ist besonders zum Erforschen von unwegsamem Gelände geeignet. Ein anderes Modell erinnert an einen Esel, folgt seinem menschlichen Anführer eigenständig und soll vor allem Gepäck transportieren, zum Beispiel von Soldaten.

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Zwinkern, kichern, Persönlichkeitsrechte verletzen

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Quelle: Quelle: RealDoll.com

Der Grat zwischen beeindruckend und gruselig ist manchmal schmal, wenn es um Roboter geht. Ein Mann aus Hong Kong hat eine Roboterfrau gebaut, die aussieht wie Scarlett Johansson. Sie zwinkert, trägt ein bauchfreies Top und kichert, wenn man ihr Komplimente macht. Egal, ob er die Schauspielerin nur zufällig als Vorbild ausgewählt hat oder ihr so seine Anerkennung zukommen lassen wollte: Vorher gefragt hat er sie nicht. Dass das legal ist, bezweifelt auch Nadia Magnenat-Thalmann, die an der Nanyang Technological University Singapur eine Roboterdame gebaut hat. Kopieren Ingenieure einen fremden Menschen, verletzten sie dabei das Recht an deren Persönlichkeit, argumentiert die Forscherin. Humanoide Roboter werden in Zukunft nicht nur aussehen wie bestimmte menschliche Vorbilder, sondern auch deren Verhaltensweisen imitieren.

Firmen wie True Companion oder Real Doll gehen noch weiter und bauen Roboter, die darauf ausgelegt sind, sexuelle Bedürfnisse von Menschen zu befriedigen. Auf dem Foto sieht man ein Produkt der Firma Real Doll. Diese Silikonpuppen sehen aus wie mechanische Schaufensterpuppen und versuchen sich über eingebaute Sprachbots im Dirty Talk. Bisher wirkt das eher wie es klingt: bizarr.

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R2D2 im Krankenhaus

Tug Aethon hospital robot Roboter Krankenhaus

Quelle: PR-Bild Aethon

Wie der Droid R2D2 in den Starwars-Filmen transportiert dieser Tug genannte Roboter wichtige Gegenstände. Er soll Essen, Medikamente oder Laborproben auf dem schnellsten Weg ins richtige Krankenzimmer bringen. Via Pin-Code oder Fingerabdruck-Scan können Mitarbeiter ein Fach im Roboter öffnen, Zellproben oder Blutreserven hineinlegen und per Touchscreen eine Zieladresse eingeben. Der Roboter bestimmt dann autonom den optimalen Weg durch die Gänge und liefert seine Fracht aus.

Die Tug genannten Transportroboter werden von der amerikanischen Firma Aethon entwickelt und sollen vor allem Personalkosten für menschliche Botengänge sparen und Patienten durch pünktlich gelieferte Mahlzeiten beglücken. In den USA werden sie bereits in über 120 Krankenhäusern eingesetzt. Die Räume müssen aber umgebaut werden, damit sich die Tugs darin frei bewegen können.

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Das mechanische Insekt

Picobug Roboter mechanischer Hirschkäfer

Quelle: www.grasp.upenn.edu PR-Foto

Der Picobug ist ein ferngesteuerter Quadrocopter, der dem männlichen Hirschkäfer nachempfunden ist. Der Roboter ist knapp elf Zentimeter breit sowie lang und wiegt 30 Gramm. Er tippelt auf vier Beinchen über den Boden und fliegt mit der Kraft von vier Minirotoren durch die Luft. Die Forscher arbeiten noch an einem Greifarm, mit dem er Gegenstände bis 6 Millimeter Größe und 2 Gramm Gewicht heben soll. Ein weiteres Ziel ist, dass er sich mit anderen Picobugs verhaken und so auch schwerere Objekte tragen kann.

Forscher des General Robotics, Automation, Sensing and Perception Laboratory (Grasp Lab) der Universität von Pennsylvania in Philadelphia haben den Robo-Käfer entwickelt. Er wird ferngesteuert. Weil er so klein und wendig sei, könne er zur Erkundung in engen Umgebungen genutzt werden, zum Beispiel in den Trümmern eines Kernkraftwerkes, sagen seine Entwickler.

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Der Taucher

Humanoid Diving Robot OceanOne is seen during its presentation at the History Museum in Marseille

Quelle: REUTERS

Es lässt sich darüber streiten, ob der Tauchroboter OceanOne eher wie ein Mensch oder eher wie ein Hummer durchs Wasser gleitet. Er ist knapp 1,50 Meter groß, hat einen Kopf mit zwei Kamera-Augen, zwei Greifarme mit drehbaren Handgelenken und je drei Fingern. Propeller am Rumpf treiben ihn durch die Tiefe, per Joystick wird er gesteuert. Durch künstliche Intelligenz, haptische Feedbacksysteme und Berührungssensoren kann der Roboter ohne fremde Hilfe Kollisionen vermeiden.

OceanOne wurde von Forschern der Universität Stanford entwickelt, um bei Tauchmissionen in Unterwasserräume vorzudringen, in denen es zu gefährlich für Menschen ist, zum Beispiel einsturzgefährdete Schiffswracks. Der Roboter kann bis zu 1000 Meter tief tauchen. Der menschliche Rekord liegt bei 332 Metern. OceanOne wurde bereits erfolgreich bei Bergungsarbeiten eines versunkenen Dreimasters vor Frankreich getestet: Eine grapefruitgroße Vase aus dem Jahr 1664 hat er dabei erfolgreich geborgen.

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Der Spirituelle

Master Xianfan sits next to robot Xian'er as he poses for photograph at Longquan Buddhist temple on the outskirts of Beijing

Quelle: REUTERS

Dieser Roboter erklärt, was Liebe ist und was das Leben bedeutet: Xian'er ist ein knapp 60 Zentimeter großer Roboter auf Rollen in einem Tempel nahe Peking. Er sieht aus, als sei er einem Comic entsprungen und soll die Lehren des Buddhismus verbreiten. Wer vor ihm steht, kann ihm Sprachbefehle geben und über einen Touchscreen Fragen eingeben, den er vor seiner Brust hält. Antworten gibt er per Sprachausgabe. Er trägt buddhistische Gebete vor, beantwortet 20 Fragen über den Buddhismus und beherrscht sieben verschiedene Bewegungen.

Der Roboter wurde von einem Mönch entworfen und mit Hilfe von Technologieunternehmen und Universitäten entwickelt. Er soll ihren Aussagen zufolge zeigen, dass sich Religion und Wissenschaft nicht ausschließen, sondern ergänzen. Wie dieses Video zeigt, sind Tempelbesucher von dem kleinen Kompagnon begeistert und äußern sich zuversichtlich, dass er bei vielen Menschen Interesse am Buddhismus wecken könnte.

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Der Allrounder

DARPA Robotics Challenge Showcases Cutting Edge In Artificial Intelligence

Quelle: AFP

Mit diesem Roboter hat man fast ein bisschen Mitleid, wenn der fiese Mann mit dem Eishockeyschläger ihn ärgert oder zu Boden stößt (wie in diesem Video zu sehen). Atlas ist knapp 1,80 Meter groß und dem Menschen nachempfunden: Er geht auf zwei Beinen und kann die Hände an seinen Armen zum Greifen, Heben, Drücken oder Ziehen benutzen. Bei der DARPA Robotics Challenge 2015 konnte der Roboter alle acht Aufgabenstellungen meistern, zum Beispiel Trümmer entfernen, die eine Tür blockieren. Für diese Aufgabe wurden die teilnehmenden Roboter ferngesteuert. Andere Aufgaben mussten sie autonom lösen, zum Beispiel ein Ventil an einem defekten Rohr finden und schließen. Der Wettbewerb wird seit 2012 jährlich ausgetragen, um die Fähigkeiten von Robotern zu testen. Viele Maschinen stoßen dabei an ihre Grenzen.

Das US-Unternehmen Boston Dynamics hat den Roboter entwickelt, um ihn beim Erkunden von Landschaften oder der Rettung von Menschen nach Katastrophen einzusetzen. Zum Fegen taugt Atlas bisher jedoch eher weniger, zeigt dieses Video: Der meiste Dreck bleibt liegen.

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Die Roboterspinne

Siemens Roboter Spinne

Quelle: siemens.com PR

Autonome Roboterspinnen, bestückt mit 3D-Druckern, sollen zukünftig Produktionshallen erobern, wenn es nach einem Labor in Princeton geht, in dem Forscher von Siemens solche Maschinen entwickeln. Die achtbeinigen Miniroboter sind etwa 50 mal 50 cm breit, kommen in grellem Blau oder Rot daher und orientieren sich im Raum mit Kameras und Laser-Scannern. Mit den 3D-Druckern im Rumpf können sie kleinere Objekte "spinnen". Verschiedene Roboterspinnen übernehmen verschiedene Arbeitsschritte.

Bisher können die Spinnen nur sehr einfache Objekte wie Würfel herstellen. In Zukunft sollen sie vollkommen autonom agieren, flexibel einsetzbar sein und im Schwarm Objekte in kleiner Stückzahl herstellen.

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Der Senkrechtstarter

Vertigo Roboter ETH Zürich Disney Research

Quelle: David_Krummenacher; PR Foto ETH Zürich, Disney Research

Vertigo ist ein Roboter, der sich sowohl auf waagerechten als auch auf senkrechten Flächen frei bewegen kann. Er sieht aus wie ein Spielzeugauto ohne Karosserie und wird mit zwei Propellern angetrieben. Wenn er beim Fahren auf eine Wand stößt, richtet er die Propeller neu aus und fährt in der Senkrechten weiter. Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich haben ihn in Kooperation mit Disney Research Zürich entwickelt, einem Forschungszentrum, das an neuen Erfindungen für die Unterhaltungsbranche arbeitet.

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Der Abmaler

Axidraw Zeichnen Roboter Zeichenmaschine

Quelle: www.evilmadscientist.com PR-Bild

Der Axidraw Zeichenroboter zeichnet und schreibt alles, was man ihm per Grafikdatei vorsetzt. Er besteht aus einer Stifthalterung, die auf zwei verschiebbaren Schienen aufgebracht ist. Per Software können Urkunden, Grußkarten oder einfache Illustrationen in Auftrag gegeben werden. Der mechanische Arm zeichnet die digitalen Vorgaben ohne Verwischen und Verschreiben nach.

Die Firma Evil Mad Science LLC aus Californien verkauft Axidraw für 450 Dollar und hat auch eine Maschine im Angebot, die Bilder mit Wasserfarbe malt.

© SZ.de/mor/jab/mane
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