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RFID-Aufkleber als "Schnüffelchips":Funketiketten aber können noch mehr

Projekte wie SmarTI treiben die längst praktizierte Produktion mit Just-in-time-Lieferung weiter. Rohstoffe und Zubehörteile werden nicht aufwendig und teuer gelagert, sondern so bestellt, dass sie geliefert werden, wenn sie etwa am Fließband gebraucht werden. Die Funketiketten aber können noch mehr. Versehen mit einem Temperatursensor sind sie in der Lage zu protokollieren, ob etwa Kühlgut auf dem Transportweg angetaut ist.

Immer mehr digitale Spuren der Verbraucher

Im Supermarkt finden sich RFID-Aufkleber noch kaum, zum einen wegen Datenschutzbedenken, zum anderen, weil es die geringen Margen der Händler noch nicht erlauben, sie flächendeckend einzusetzen. Auch das könnte sich schon bald ändern, wenn die Verfahren serienreif werden, auf billige Kunststofffolien elektronische Schaltkreise zu drucken.

Dann könnte das Einkaufen so ähnlich vonstatten gehen wie in dem Modellsupermarkt, den das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) zusammen mit der Handelskette Globus im saarländischen St. Wendel betreibt: Der heimische Kühlschrank führt eine Liste, der Einkaufswagen im Supermarkt zeigt sie auf seinem Bildschirm an und führt zu den entsprechenden Regalen. Die Kasse erfasst in einem Rutsch die Waren und bucht den fälligen Betrag vom Konto ab.

Ob sich solche Systeme aber jemals durchsetzen werden, steht dahin. Denn hinter all den verheißungsvollen Vorteilen lauert stets auch eine reale Gefahr: die Erfassung von immer mehr digitalen Spuren der Verbraucher. Hat der zum Beispiel einmal mit seiner Bankkarte bezahlt, ließe sich eine Verbindung zwischen dem Chip im Pulli und der realen Person herstellen und diese über Lesegeräte verfolgen.

© SZ vom 18.01.2012/kiha