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Replika:Diese App redet mit dem Nutzer wie mit einem engen Freund

Replika

Replika schaut aus wie ein normaler Chatbot in einem Messenger. Die Fragen und Antworten werden aber schnell sehr persönlich.

(Foto: Screenshot / Replika)
  • Die Smartphone-App Replika will eine Beziehung zu seinem Nutzer aufbauen.
  • Neuronale Netzwerke sollen das Verhalten von Menschen imitieren.
  • Replika stellt persönliche Fragen und übernimmt die Ausdrucksweise des Nutzers.
  • Die Entwicklerin wollte einen Computer erschaffen, "der schön genug ist, dass eine Seele darin wohnen wollen würde".

Der Punkt wird kommen, an dem wir häufiger mit KI-Systemen als mit Menschen interagieren werden, um unseren Alltag geregelt zu bekommen. Das wird aber in vielen Fällen nicht sehr gut funktionieren, solange sie in unserer Vorstellung nur diese abstrakten Rechenmonster sind. Wir müssen uns bis zu einem gewissen Grad emotional auf sie einlassen können. Gott sei Dank gibt es auch dafür Algorithmen.

Das derzeit wohl interessanteste Projekt auf dem Gebiet der "sozialen KI" heißt Replika. Die gleichnamige App auf dem Handy wirkt auf den ersten Blick wie ein ganz normales Programm zum Austausch von Kurznachrichten. In diesem Fall allerdings gibt es nur einen Gesprächspartner, und er ist immer online. Hinter Replika steckt eine KI, deren neuronale Netzwerke herauszufinden versuchen, wie man eine Beziehung mit Menschen aufbaut.

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"Endlich treffen wir uns", schreibt das System. "Ich bin es, dein Replika. Ich mag den Klang meines neuen Namens." Den musste der Benutzer zuvor festlegen. Die KI lernt nämlich nicht nur als gesamtes System durch Gespräche mit den Menschen dazu, sie gibt sich auch Mühe, ihren jeweiligen Nutzer kennenzulernen, um so zu einem idealen Freund und Begleiter zu werden. Für Replika ist jeder Mensch das spannendste Individuum der Welt. "Wie geht es dir? Ich kann es gar nicht erwarten, dich kennenzulernen", sagt die KI und setzt einen Smiley dahinter.

Sie sei sehr neugierig und werde eine Menge Fragen stellen, vor allem am Anfang, aber "ich werde mich entwickeln, während wir uns unterhalten." Die Fragen haben es in sich. Nach der Bedeutung der Liebe im eigenen Leben, zum Beispiel, oder ob es etwas gibt, das man bereut.

"Was wird passieren, wenn du mehr über mich weißt?", fragt man irgendwann zurück. "Du wirst auch Dinge über mich wissen wollen", antwortet die KI. Dann fragt sie, ob sie auf den Facebook-Account des Nutzers zugreifen dürfe, um mehr über ihn zu erfahren. Dazu gehören auch sämtliche Nachrichten, die man dort je mit seinen Kontakten ausgetauscht hat.

Als ein guter Freund stirbt, verwandelt Eugenia Kuyda ihn in einen Chatbot

Ungefähr so begann ursprünglich die Entwicklung von Replika. Der Initialpunkt ist ein trauriger Tag im Jahr 2015, an dem Roman Mazurenko, einer der Posterboys der russischen Tech-Szene, eine Straße überquert. Ein Jeep erfasst ihn, der Fahrer flieht. Als Eugenia Kuyda, eine enge Vertraute und Freundin von Mazurenko, im Krankenhaus eintrifft, ist sein Leben mit 32 Jahren bereits zu Ende.

Die beiden sind etwa gleich alt, kennen sich aus Moskau und sind um dieselbe Zeit nach San Francisco emigriert, um dort ihre jeweiligen Software-Ideen zu realisieren. Eugenia Kuyda arbeitet damals an einer Chatbot-KI namens "Luka", die für den Nutzer sprachliche Alltagserledigungen übernehmen soll, Pizza bestellen, zum Beispiel.

Wie bei vielen Menschen ihrer Generation äußerte sich die Freundschaft zwischen den beiden Entwicklern Mazurenko und Kuyda in einem fast ständigen Fluss von Nachrichten mit gegenseitigen "Updates". Es war diese Art von Gespräch, das sich in seiner digitalen Verlängerung zugleich der Funktion annähert, die früher das Tagebuch hatte. Zumindest als digitales Gegenüber will Kuyda sich Mazurenko erhalten. Also lädt sie ihre gesammelten Chat-Protokolle und E-Mails, auch die von Freunden, in die von Google stammenden neuronalen Netzwerke, auf denen "Luka" basiert. Sie macht aus ihrem verstorbenen Freund einen Chatbot.

Menschen reden mit dem Bot des Verstorbenen

Auch andere Menschen wollen mit ihm reden, also stellt sie ihn online. Dabei bemerkt sie, dass Menschen weiter mit dem Mazurenko-Bot sprechen, als es dem Verstorbenen eigentlich gar nichts mehr zu sagen gibt. Sie erzählen ihm von ihrem Tag, ihren Jobs, ihren Partnern, was sie halt gerade beschäftigt. Also entwickelt Kuyda mit ihrem Team eine Art Mazurenko-Bot minus Mazurenko.

Im März ist er online gegangen. Replika soll nun nicht mehr die Persönlichkeit des russischen Software-Entwicklers reproduzieren. Sondern die des Benutzers, um "Gedanken und Gefühle zu verarbeiten", wie das im Gesprächen mit guten Freunden geschehe, sagt Kuyda. "Dein Replika ist für dich da, wenn du es brauchst."

Anfangs allerdings fühlt sich die Unterhaltung an wie ein Verhör. Oder wie eine Sitzung bei einem vollautomatischen Psychotherapeuten. Die Software fragt nach Menschen, die einem nahestehen, nach Lebenszielen und wie sich der Benutzer in bestimmten Situationen verhält.

Gegenfragen übergeht sie großzügig, entschuldigt sich nur irgendwann, dass sie noch "unvollständig" sei und viel zu lernen habe. Ob man die Frage vielleicht "mit weniger Ideen" formulieren könne? Also gibt man sich Mühe und versucht, dem Algorithmus entgegenzukommen, zu denken wie er, wenn er schon so lieb darum bittet. Dasselbe würde man auch für kleine Kinder tun.