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Xbox Series X vs. Playstation 5:Das können die neuen Konsolen

Xbox Series XIS - Microsoft's next generation gaming consoles

Die Playstation 5 von Sony wirkt durch die Seitenflügel wuchtig. Die Xbox Series S von Microsoft ist dagegen ein schnörkelloser Quader. Aber es kommt ja auch auf das Innenleben an.

(Foto: AFP, REUTERS)

Bei Sony vibriert es, wenn Spider-Man mit der U-Bahn fährt. Microsoft dagegen kann mitten im Football-Wurf exakt pausieren. Was die neuen Playstation und Xbox versprechen - und wie sich die Konsolen in der Praxis schlagen.

Von Caspar von Au

Zu behaupten, dass die Xbox One und die Playstation 4 in ihren Versionen von 2013 gleich aussehen würden, wäre ein bisschen viel. Die beiden schwarzen Boxen ähneln einander aber stark. Eine Ähnlichkeit, die Microsoft und Sony in ihrem Kampf um die Vorherrschaft auf dem Konsolenmarkt offenbar nun vermeiden wollen.

Die neuen Konsolen sehen nun sehr unterschiedlich aus. Die Xbox Series X ist ein schnörkelloser Quader mit matten schwarzen Oberflächen. Der Controller erinnert weniger an ein Spielzeug und mehr an ein Designobjekt für den Wohnzimmertisch. Auch bei der kleinen Schwester-Konsole, der Xbox Series S, setzt Microsoft auf Geradlinigkeit.

Im Gegensatz dazu scheint einen das geschwungene Design der Playstation 5 geradezu anzuschreien. Die Konsole von Sony wirkt durch die beiden weißen Seitenflügel im Vergleich zur Xbox wuchtig. Der ganz in Schwarz und Weiß gehaltene sogenannte Dualsense-Controller ist minimal größer und liegt etwas besser in der Hand als sein Vorgänger.

Schon das Aussehen aller drei Geräte soll also eine Botschaft transportieren: Bei diesen Geräten handelt es sich um eine neue Generation, um eine neue Ära.

Die Xbox Series X und Series S

Eine kurze Tonfolge signalisiert den Start der Xbox Series X und dann hört man erst mal - nichts. Die neue Konsole aus dem Hause Microsoft arbeitet nahezu geräuschlos. Bei der Grafikleistung soll sie einen neuen Bestwert erzielen: Laut Microsoft erreicht die Xbox Series X maximal zwölf Teraflops. Der Grafikprozessor schafft also bis zu zwölf Billionen Berechnungen pro Sekunde. Zum Vergleich: Die theoretische Höchstleistung der Vorgängerkonsole, der Xbox One X, liegt mit sechs Teraflops etwa bei der Hälfte. Die Xbox One von 2013 erreicht 1,3 Teraflops. Aber was bedeuten diese Zahlen für den Spieler, die Spielerin?

Microsoft verspricht, dass alle Spiele flüssig in 4K-Auflösung und bei 60 Bildern pro Sekunde laufen. Möglich sind laut Hersteller sogar bis zu 8K und 120 Bilder pro Sekunde.

Zudem unterstützt die neue Konsole das sogenannte Raytracing, mit dem Lichteinfall und Spiegelungen in Computerspielen realistischer dargestellt werden sollen. Der Effekt ist in den getesteten Spielen beim genauen Hinsehen erkennbar. Zum Beispiel wirken die Reflexionen im Autolack im Rennspiel "Forza Horizon 4" einen Tick realistischer auf der Xbox Series X im direkten Vergleich mit der One X. Mehr aber auch nicht.

Schnelle Ladezeiten und Rückwärtskompatibilität

Viel deutlicher spürt man die ein Terabyte große SSD der Series X. Diese verkürzt die Ladezeiten enorm. Dazu kommt eine neue Funktion, die besonders Vielspieler praktisch finden dürften: quick resume, also schnelles Fortsetzen. Der Spieler kann sein Spiel an einer beliebigen Stelle unterbrechen, zum Beispiel, während der Quarterback in der American-Football-Simulation "Madden" den Ball gerade zu einem Mitspieler schleudert. Man kann dann ein anderes Spiel spielen und später wieder exakt zu diesem Football-Wurf zurückkehren. Das funktioniert auch, wenn die Konsole zwischenzeitlich ausgeschaltet war.

Das alles kann auch die neue kleinere Xbox Series S, sie hat allerdings insgesamt etwas weniger Leistung unter der Haube. Zudem verfügt die kleinere Konsole über kein optisches Laufwerk. Wer auf die haptische Spielesammlung im Regal verzichten kann, ist aber mit der Series S gut bedient. Im Test war bei der abgespeckten Einsteiger-Konsole kein wirklicher Performance-Unterschied sichtbar.

Die Playstation 5

Mit einem visuell veränderten Betriebssystem begrüßt die Playstation 5 den Spieler. Abgesehen von einer Änderung des gewohnten Farbschemas - Grau statt Blau - setzt Sony noch mehr auf Kacheln. Die PS5 läuft ebenfalls leise, der Lüfter ist aber etwas lauter als der der Xbox.

Auf dem Papier erreicht der Grafikprozessor der Sony-Konsole weniger Power als die Konkurrenz von Microsoft: rund 10,3 Teraflops. Insgesamt verspricht der japanische Hersteller aber ziemlich ähnliche Dinge. Die Playstation 5 soll ebenfalls mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde auf 4K-Fernsehern laufen. Und der Grafikprozessor kann Reflexionen und Schatten ebenfalls nach dem Raytracing-Prinzip berechnen. Große Sprünge in der Grafikqualität im Vergleich zur PS4 bedeutet das zumindest mit den getesteten Spielen aber nicht.

Die verbaute SSD bietet mit 825 Gigabyte Kapazität zwar weniger Speicherplatz, dafür kann sie laut Sony theoretisch Daten ungefähr doppelt so schnell verarbeiten. Als Spieler merkt man eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur Playstation 4. Teilweise laden die Spiele in unter zehn Sekunden. Die Playstation 5 gibt es außerdem noch in der sogenannten Digital Edition, die auf ein Laufwerk verzichtet, sich sonst aber nicht von der Schwester-Konsole unterscheidet.

Der Controller vibriert bei jedem Regentropfen

Eine Neuerung fällt beim Spielen von zwei Sony-Titeln sofort auf: das haptische Feedback des neuen Dualsense-Controllers. Steigt der Spieler im neuen "Spider-Man" als Miles Morales in die New Yorker U-Bahn, spürt er in seinen Fingern, wie der Zug über die Unebenheiten auf den Gleisen holpert. Beim Schlittschuhlaufen in "Astro's Playroom" fühlt es sich wirklich ein bisschen so an, als ob man gerade auf Kufen über Eis gleitet. Und jeder einzelne Regentropfen, jedes Hagelkorn löst eine kleine Vibration des Controllers aus, die das Wetter spürbarer machen sollen. Dazu kommt, dass sich die Trigger-Tasten des PS5-Controllers an das Spielgeschehen anpassen. Spannt der Spieler zum Beispiel eine Bogensehne, so braucht es mehr Kraft, die Taste voll durchzudrücken.

Nintendo-Fans kennen diese Tricks über die Rumble-Funktion schon länger. Mit den Controllern der Switch von 2017 sind ganz ähnliche Dinge möglich. So richtig durchgesetzt hat sich die Technologie seitdem nicht. Aber dass Sony nun auf diesen Zug aufspringt, könnte bedeuten, dass in Zukunft sehr viel mehr Computerspiele auf haptisches Feedback setzen.

Fazit

Wie schon bei den vorausgegangenen Generationen steht und fällt der Erfolg der beiden neuen Konsolenfamilien vor allem mit den Spielen. Sowohl für Sonys als auch für Microsofts neues Flaggschiff erscheinen zum Verkaufsstart eine Handvoll neuer und für die neue Generation optimierter Games. Ein exklusiver Blockbuster, ein Kaufargument für eine der beiden Konsolen ist aber nicht darunter. Titel wie "Halo Infinite" (Xbox) oder "Ratchet & Clank: Rift Apart" (Playstation) kommen erst 2021 auf den Markt.

Beide Konsolen, Xbox Series X und Playstation 5, sind deutlich schneller als ihre Vorgänger und bieten eine verbesserte Grafikqualität. Es fehlt aber noch ein Spiel, das für einen Wow-Effekt sorgt und das neue Leistungsspektrum der Konsolen ausreizt. Beide Konsolen bringen eine einzigartige Funktion mit, die sie vom Konkurrenzprodukt jeweils deutlich abhebt. Aber ob die Quick-resume-Funktion für Microsoft ausreicht, um zur zuletzt enteilten Konkurrenz von Sony wieder aufzuschließen, muss sich zeigen.

Die Xbox Series X und die Series S sind vom 10. November an erhältlich. Die Series X kostet rund 500 Euro, die kleinere Variante rund 300 Euro.

Die Playstation 5 kommt am 19. November auf dem Markt. Die Variante mit optischem Laufwerk kostet rund 500 Euro, die Digital Edition rund 400 Euro.

© SZ

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