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Proteste in Berlin:Appelbaum, der Star

Wie ein Star wird dagegen der US-amerikanische Internetaktivist Jacob Appelbaum empfangen. Die Masse jubelt, trillert, klatscht als er auf die Bühne tritt. Appelbaum unterstützt Wikileaks und führte ein Interview mit Snowden. Jetzt stört er auch für kurze Zeit die beinahe kuschelige Atmosphäre der Kundgebung, die mit Bratwurstgeruch, Bandauftritten und Luftballons wie ein Volksfest wirkt. Und schmettert seinen Zuhörern Sätze wie diese entgegen: "Meine Regierung hat eure angelogen, damit sie euch anlügen kann."

Er habe am am Vortag im Europäischen Parlament gesagt, er fühle sich mit dem Status eines Geduldeten in Deutschland sicherer als als US-Bürger. Gleichzeitig fordert er die Demonstranten auf, Regierungsgebäude zu besetzen und Merkel verdammt nochmal aus der Regierung zu werfen. Eine Forderung, die durchaus Konsens bei vielen Demonstranten zu sein scheint. Denn neben den Konterfeis von Snowden ist auch die Kanzlerin auf diversen Plakaten zu sehen - als Hampelmann zum Beispiel.

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Internet

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Weg mit Merkel - für Menschen wie Thomas Stefani, der seinen richtigen Namen nicht nennen will, ist das allein jedoch nicht die Lösung, wie er sagt. Er ist IT-Techniker und weiß also, was möglich ist; ihm war immer klar, dass Daten auch in Deutschland nicht zu hundert Prozent sicher sind. "Doch dass die Überwachung so weitreichend ist, hätte ich nicht gedacht", sagt er.

Stefani ist zum zweiten Mal in diesem Jahr auf einer solchen Demo. "Meine Privatheit ist mir wichtig." Er versuche seine Mails zu verschlüsseln, doch es gebe noch wenige, die das ebenfalls könnten. Was die Kommunikation auf diesem Wege schwer mache. "Allein Merkel abzuwählen, wird die Probleme nicht lösen", sagt er. Was dann? "Tja, das weiß ich auch nicht", sagt er. Die Kundgebung ist beendet und Stefani reiht sich ein in den Zug der Demonstranten. Als vorletzte dürfen sich die Piraten einreihen - hinter den Grünen und vor der Jugendorganisation der FDP.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, es seien lediglich 4800 Demonstrationsteilnehmer anwesend gewesen - diese Zahl beruhte auf Angaben der Polizei, ist jedoch offenbar nicht ganz korrekt. Wir haben die entsprechende Passage geändert.