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Privatsphäre:Facebook berechnet, wie wertvoll eine Freundschaft ist

Zusätzlich sucht Facebook nach Mitgliedern, die ähnliche Nutzungs- und Profildaten aufweisen. Etwa wie oft sie Facebook in einem bestimmten Zeitraum genutzt, wie viele Freundesanfragen sie verschickt und erhalten, wie viele Posts sie abgesetzt haben. Das Netzwerk zieht auch Freunde von Freunden hinzu und bezieht einander gleichende Angaben mit ein, etwa die besuchte Schule. Aber Facebook kann auch Logindaten verwenden, die "am selben Ort ungefähr zur selben Zeit" generiert werden, wie es in dem vier Jahre alten Patent heißt. Aber es gilt: Nur weil das Unternehmen die Möglichkeit aufgeführt hat, muss sie nicht in der Praxis umgesetzt worden sein.

Aus all den Kontakten und freiwillig hochgeladenen E-Mail-Daten, mit denen man Freunde auf Facebook schneller finden kann, erstellt das Unternehmen dem Patent zufolge eine Kandidatenliste für die Vorschläge. Mithilfe von Nutzungsdaten, etwa wie oft sich ein Nutzer einloggt, wird schließlich berechnet, welchen Wert eine neue Freundschaft für Facebook hätte. Je mehr Zeit Nutzer und Freundschafts-Kandidaten voraussichtlich auf Facebook verbringen würden, wenn sie Freunde würden, desto besser. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie Freunde werden, wird berechnet. Abschließend wird eine Rangfolge erstellt und den Nutzern angezeigt.

Keine Daten aus Whatsapp

Seit Facebook das Patent eingereicht hat, konnte das Unternehmen weitere Datenquellen erschließen. So kaufte es 2014 den Messenger Whatsapp für mehr als 20 Milliarden Dollar. Seit kurzem überträgt Whatsapp Nutzungsdaten und Telefonnummern an das soziale Netzwerk. Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar hat die Praxis für die Daten deutscher Nutzer kurz darauf untersagt.

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Das Unternehmen hält sich angeblich daran. "Generell ist über die Telefonnummer zwischen Whatsapp und der Facebook-App ein Datenabgleich möglich", sagt Dr. Moritz Karg, Referent des Datenschutzbeauftragten. "Aber Facebook hat uns mitgeteilt, dass sie zurzeit keine Daten austauschen."

Egal ob bewusst hochgeladen oder unbewusst generiert: Facebook nutzt anscheinend nahezu alle anfallenden Daten, um Nutzer mit Menschen zu verbinden, die ihnen zumindest den Daten nach ähneln. Von der Nutzungsdauer in der vergangenen Woche bis hin zu Kontakten im Handy-Adressbuch. Facebook belässt es zudem nicht bei den einmalig hochgeladenen Daten: Neue Telefonkontakte oder Aktualisierungen werden automatisch synchronisiert.

So verhindern Sie die Aktualisierung neuer Kontakte

Die Synchronisation lässt sich ausschalten: Android-Nutzer tippen dafür oben rechts in der App auf das Menü, das durch drei Balken dargestellt wird. Weiter unten können sie die "App-Einstellungen" auswählen und anschließend "Kontakte fortlaufend hochladen" deaktivieren. iPhone-Nutzer gehen ähnlich vor. Sie wählen das Balkenmenü aus und tippen erst auf "Einstellungen", dann auf "Kontoeinstellungen" und schließlich auf "Allgemeines". Unter "Kontakte hochladen" lässt sich die Funktion abschalten.

Auf einer Unterseite von Facebook können Nutzer ihre hochgeladenen Daten aus dem Adressbuch kontrollieren und gegebenenfalls löschen. Zudem lassen sich Kontaktdaten löschen, die Nutzer über den Facebook-Messenger hochgeladen haben.

Das ganze Modul im Newsfeed können Desktop-Nutzer ausblenden, indem sie auf den Pfeil oben rechts klicken und "Beitrag verbergen" wählen. Menschen, die man auf keinen Fall sehen möchte - Ex-Freund oder Chefin könnten geeignete Kandidaten sein -, lassen sich gezielt herausfiltern. Dazu klickt man im Bild der Betroffenen das "X" oben rechts an.

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