Privatsphäre:Verhältnis der Tech-Eliten zur Privatsphäre ist verlogen

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Wir hoffen alle, dass Gawker nicht die Zukunft des mutigen, investigativen Journalismus ist, auf die wir alle warten. Es lebt von Klatsch und dealt mit schmutzigen Einzelheiten aus dem Privatleben von Celebrities, Bossen und Politikern. Die Beziehung von Gawker zum Silicon Valley ist aber komplexer, denn wenn es um das Verhalten der Chefs von dort geht, ist das Persönliche immer auch politisch. Gawker hat Berichte aus der Tech-Industrie gebracht, die so abscheulich wie wichtig waren. Sie sehen bei Leuten wie Thiel so genau hin wie sonst niemand mehr.

Was haben die Leser von Gawker über die Jahre erfahren? Google-Chef Eric Schmidt sagt, wenn wir etwas zu verbergen haben, sollten wir es vielleicht ganz einfach nicht tun. Er selbst allerdings lebt in einem Luxus-Wohnhaus ohne Doorman, so dass niemand ihn kommen und gehen sieht.

Privatssphäre als Luxusgut

Mark Zuckerberg von Facebook wünscht, dass wir Offenheit und radikale Transparenz leben, er selbst kauft seine Nachbarhäuser, um so viel Privatheit zu haben wie möglich. Brian Chesky von Airbnb sagt gerne, er sei ein typischer Airbnb-Vermieter - nun ja, vielleicht etwas zu typisch: Zeitweise vermietete er sein Haus, ohne dafür die Genehmigung zu haben.

Die Mächtigen des Silicon Valley hassen jede Einmischung in ihr Privatleben. Würden sie für irgendeine andere Branche arbeiten, wären ihre Sorgen verständlich. Aber sie arbeiten für eine, die uns davon überzeugen will, dass Privatheit nichts zählt. Warum sollte ihre Heuchelei nicht publik gemacht werden?

Recht auf Vergessen untergräbt das Geschäftsmodell

Wenn die Tech-Eliten sich so um ihr Privatleben sorgen, können sie ja Initiativen wie das Recht auf Vergessen unterstützen. Kann Peter Thiel, der ironischerweise zu den Finanziers des Oslo Freedom Forums gehört, einem jährlichen Treffen von Dissidenten aus der ganzen Welt, nicht dazu beitragen, dass kompromittierender Content, der aus dem Kontext genommen und durch das Netz weltweit verbreitet wird, leichter in den Griff zu bekommen ist?

Das wird nicht passieren. Das Recht auf Vergessen untergräbt schließlich das Geschäftsmodell, auf dem die steuerfreien Reichtümer des Silicon Valley gründen: so viel Daten auszubeuten, wie verfügbar sind. Doch wenn jemand wie Gawker intime Details enthüllt und damit auch noch Geld verdient, soll es plötzlich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sein. Außerdem: Ist das nicht der Job von Facebook?

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