Privatsphäre Erneut versteckte Kamera in Airbnb gefunden

Airbnb gilt als eines der erfolgreichsten Startups weltweit und ist an der Börse knapp 35 Milliarden Dollar wert.

(Foto: dpa)
  • Eine neuseeländische Familie wurde bei einem Irland-Besuch über eine versteckte Kamera in ihrem Airbnb ausspioniert.
  • Es ist nicht das erste Mal, dass Fälle von heimlicher Überwachung in einem Airbnb-Appartement bekannt werden.
  • Die Firma hat zwar Regeln, die dies verbieten, reagiert aber nur zögerlich.
Von Christian Simon

Das ungewöhnlichste Foto ihrer 14-monatigen Europareise schoss die neuseeländische Familie Barker vermutlich in Cork, Irland. Denn die Kamera, die sie dafür benutzten, war nicht ihre eigene, sondern eine versteckte, die ihr Airbnb-Gastgeber installiert hatte. Familienvater Andrew Barker arbeitet im IT-Bereich und scannte das Wlan des Appartements, erzählte die Familie dem Fernsehsender CNN. Dabei fand er eine Kamera im Live-Streaming-Betrieb. "Es war ein Schock, ein schreckliches Gefühl", erzählte seine Frau Nealie dem Fernsehsender. Immerhin hatten die Barkers schnell wieder genug Humor, um die Kamera für ein Familienfoto zu nutzen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Airbnb-Vermieter versuchen, ihre Gäste zu bespitzeln. 2016 fand eine deutsche Touristin in Kalifornien eine Kamera in ihrer Airbnb-Unterkunft, versteckt in einem Schrank. Anfang 2015 entdeckte eine Reisegruppe in ihrem Appartement im kanadischen Montreal drei Kameras, unter anderem in einem der Schlafzimmer. Und erst vor wenigen Monaten traf es einen Informatikprofessor aus Pennsylvania.

"Airbnb schien die Ernsthaftigkeit der Situation nicht zu begreifen"

Die deutsche Touristin verklagte Airbnb und einigte sich später außergerichtlich mit der Firma. Seit September 2014 hat die Plattform in den offiziellen Nutzungsbedingungen auch einen Passus, der Vermieter verpflichtet, auf Kameras hinzuweisen. In Schlaf- oder Badezimmern sind sie demnach vollständig verboten.

Trotzdem gibt es immer wieder Fälle von heimlicher Überwachung - und sie haben alle eine Gemeinsamkeit: Die Betroffenen klagen über eine unzureichende Reaktion von Seiten des Unternehmens. "Airbnb schien die Ernsthaftigkeit der Situation nicht zu begreifen, sie behandelten uns wie eine normale Stornierung", berichtete Nealie Barker.

Der spionierende Gastgeber wurde kurzzeitig auf der Plattform gesperrt, dann "rehabilitiert" und erst dauerhaft verbannt, als neuseeländische Medien den Fall aufgriffen. In einem Statement sagte Airbnb später CNN, der anfängliche Umgang mit dem Problem habe nicht den eigenen hohen Standards entsprochen. Dasselbe Statement ging fast wortgleich im Januar an das Wirtschaftsmagazin Fast Company, das über den Fall des Inofrmatikprofessors berichtet hatte.

Im Fall der deutschen Touristin sagte ein Airbnb-Sprecher der Süddeutschen Zeitung 2016, dass "über 65 Millionen Gäste positive, vertrauenswürdige Erfahrungen mit Airbnb" gemacht hätten. Die angebliche Spanner-Kamera sei ein "unglaublich seltener Fall". Und tatsächlich laufen jedes Jahr Zehntausende Vermietungen über die Plattform, ohne dass es Beanstandungen gibt.

Für Laien sind Kameras im Netzwerk schwer zu erkennen

Nichtsdestotrotz werden immer wieder Fälle bekannt und die Aufregung ist groß, wenn Kameras gefunden werden. Wie viele dagegen unentdeckt bleiben, ist fraglich. Schon 2015 veröffentlichte der Künstler Julian Oliver ein Programm, das im lokalen Netzwerk nach Kameras sucht - und diese automatisch aus dem Netzwerk katapultiert. Explizit, um damit Airbnb-Gäste zu schützen. Das Programm ist für Laien nicht einfach anzuwenden, und es ist unklar, ob es mit modernen Webcams überhaupt noch funktionieren würde. Wer also nicht nach der Ankunft im Urlaubsort das eigene Wlan auf Spuren von versteckten Kameras untersuchen kann oder will, ist darauf angewiesen, dass Airbnb seine eigenen Regeln umsetzt und Verstöße konsequent ahndet.

Die Barkers haben ihr Vertrauen in die Firma jedenfalls nicht verloren. Sie seien jetzt zwar deutlich vorsichtiger und würden allen Reisenden empfehlen, sich über das Aufspüren von Kameras zu informieren, sagten sie CNN. Doch zum Zeitpunkt des Fernsehberichts ist die Familie bereits nach Budapest weitergereist. Gefragt nach ihrer Unterkunft, antwortet Nealie Barker: "Wir übernachten in einem Airbnb".

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