Prisma Endlich künstlerisch wertvolle Handy-Fotos

Das SZ-Hochhaus mit Roy-Lichtenstein-Filter.

(Foto: Prisma App)

Hunderte Apps versprechen, Fotos mit Filtern schöner zu machen. Keiner gelingt das so gut wie Prisma. Doch Kritiker sprechen von einem "Privatsphäre-Albtraum".

Wer in den vergangenen zwei Wochen soziale Netzwerke genutzt hat, kennt Prisma. Wenn schon nicht den Namen der App, dann doch zumindest die Fotos, die mit Prisma bearbeitet wurden. Tausende Nutzer haben plötzlich Profilbilder, die aussehen wie Kunstwerke oder teilen Urlaubsfotos im Stile von van Gogh oder Kandinsky.

Auf den ersten Blick ist Prisma vollkommen überflüssig - es gibt Hunderte Apps, die versprechen, banale Bilder mit speziellen Filtern interessanter zu machen. Doch bei Prisma wird dieses Versprechen tatsächlich eingelöst, die Ergebnisse sind faszinierend. Ohne Vorkenntnisse und mit minimalem Aufwand werden aus Handy-Schnappschüssen ästhetische Bilder. Bislang brauchte es dafür professionelle Software und jede Menge Photoshop-Tutorials.

Prisma - Das SZ-Hochhaus in der Prisma-App

Roy Lichtenstein, Kanagawa oder doch lieber Mondrian: Wenn in den sozialen Netzwerken plötzlich Bilder kursieren, die an große Kunst erinnern, liegt das an einer neuen App.

Jedes Bild muss in die Cloud hochgeladen werden

Was Prisma von anderen Apps unterscheidet, ist künstliche Intelligenz. Anstatt einfach nur einen statischen Filter über das Foto zu legen, zeichnet oder malt ein Algorithmus das Bild komplett neu. Ähnlich wie Googles Deep Dream kommen dabei neuronale Netzwerke zum Einsatz. Obwohl in modernen Smartphones mittlerweile jede Menge Rechenleistung steckt, würden sie für diese aufwändige Neuberechnung lange brauchen. Deshalb lädt die App jedes Foto auf die Server des Anbieters, wo es von Hochleistungsrechnern in der Cloud bearbeitet wird.

Das bringt zwei Probleme mit sich. Das erste ist vergleichsweise trivial und lässt sich recht einfach umgehen: Da jedes Bild in die Cloud wandert, zehrt das am mobilen Datenvolumen. Insbesondere im Ausland kann das schnell teuer werden. Wer ganze Fotoalben mit Prisma-Bildern füllen will, sollte also vorher Ausschau nach einem Wlan-Netz halten.

Das zweite Problem lässt sich überhaupt nicht umgehen und erfordert vor allem eines: Vertrauen. Prisma behält sich in seinen Datenschutzbestimmungen vor, Nutzerdaten mit Drittanbietern zu teilen, darunter auch Werbeunternehmen, die daraufhin zielgerichtete Anzeigen schalten könnten. Wer Fotos bei Prisma hochlädt, bleibt zwar weiter Urheber und Eigentümer der Bilder (sofern er sie selbst gemacht hat), tritt allerdings weitreichende Nutzungsrechte ab und überträgt Prisma eine weltweite Lizenz, diese Bilder zu vermarkten.

Hinter Prisma steckt Mail.ru

Das ist kein "Privatsphäre-Albtraum", den manche Medien konstruieren. Tatsächlich findet sich dieser Satz wortgleich auch in den AGB von Instagram und anderer sozialer Netzwerke. Dass es keine gute Idee ist, solchen Plattformen private und womöglich intime Fotos anzuvertrauen, sollte ohnehin klar sein. Das gilt für Mark Zuckerberg und seine Facebook Inc. (zu der Instagram gehört), und das gilt auch für die Unternehmen hinter Prisma.

Der Entwickler heißt Alexey Moiseenkov, zuvor arbeitete er bei der russischen Internet-Holding Mail.ru, zu der auch das Netzwerk VK und ICQ gehören. Dieses Unternehmen ist auch einer der Investoren bei Prisma. Moiseenkov sagte dem Tech-Portal Techcrunch, dass die Original-Fotos nicht gespeichert würden; die Dateien lägen in einem Format vor, dass nicht ausgelesen werden könne - und selbst diese Dateien würden nach "einiger Zeit" wieder gelöscht und nur vorsichtshalber zwischengespeichert, falls die Datenübertragung aufgrund schlechter Verbindungsqualität scheitere. Überprüfen lassen sich diese Informationen allerdings nicht.

Momentan nur für iOS, eine Android-Version soll folgen

Momentan können lediglich Apple-Nutzer Fotos mit Prisma-Filtern versehen. Die iOS-Version gibt es seit Mitte Juni und rangiert in vielen osteuropäischen Ländern auf Platz eins der iTunes-Charts. Eine Android-Variante werde im Laufe des Juli folgen, kündigte Moiseenkov an. In Zukunft soll es auch möglich sein, Videos mit Kunstfiltern anzureichern.

Die App ist kostenlos, gesponserte Filter sollen Einnahmen generieren. Zumindest bei Snapchat klappt das hervorragend. Hoffentlich ein gutes Omen für Moiseenkov - und ein gutes Zeichen für die Nutzer, die sich sorgen, dass zusätzlich ihre Daten zu Geld gemacht werden.

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