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Vorwürfe gegen Porno-Webseite:Visa und Mastercard drehen Pornhub den Hahn zu

Logo der Porno-Plattform "Pornhub"

Die Plattform Pornhub steht unter Druck.

(Foto: ETHAN MILLER/AFP)

Pornhub lösche Videos nicht konsequent, die den Missbrauch Minderjähriger zeigen, berichtete die "New York Times". Der Druck auf das Unternehmen wächst, seine Krisenstrategie verpufft.

Von Jannis Brühl

Ein Artikel in der New York Times hat Konsequenzen für Pornhub, eine der größten Porno-Plattformen des Internets. Mastercard und Visa haben nun angekündigt, dass ihre Kreditkarten nicht mehr für Zahlungen auf der Webseite verwendet werden können.

In dem Artikel hatte Pulitzer-Preisträger Nicolas Kristof über Frauen berichtet, die als Minderjährige nackt oder beim Sex gefilmt worden waren. Ihre Videos würden bis heute auf der Plattform kursieren und sie weiter traumatisieren. Zudem hatte Kristof Fälle von Videos zusammengetragen, in denen mutmaßlich Minderjährige oder schlafende Frauen missbraucht werden. Daraufhin hatten die Kreditkartenunternehmen angekündigt, die Vorwürfe aus dem Artikel zu prüfen. Nun erklärte Mastercard: "Unsere Untersuchungen der vergangenen Tage haben ergeben, dass auf ihrer Seite unsere Standards verletzt werden, die illegale Inhalte verbieten." Man habe die Banken, die zwischen Kreditkartenfirmen und Webseiten vermitteln, angewiesen, den Einsatz von Mastercard-Karten zu blockieren. Visa erklärte, man wolle "illegale Aktivität" im eigenen Kundennetzwerk "ausmerzen". Die dritte große Kreditkartenfirma, American Express, verbietet schon seit langem den Einsatz ihrer Karten für Porno-Webseiten.

Auf Plattformen wie Pornhub können Nutzer selbst Videos hochladen. Die Menge der eingestellten Filme führt allerdings dazu, dass die Betreiber oft daran scheitern, illegale und unerwünschte Inhalte herauszufiltern. Pornhub argumentiert nun, Sexarbeiterinnen, die Legales auf der Plattform zeigen, würden nun weniger Geld bekommen: "Diese Nachrichten sind niederschmetternd für die Hunderttausenden Models, deren Lebensunterhalt von unserer Plattform abhängt."

Das Unternehmen hatte Kristofs Vorwürfe schon am Wochenende als "unverantwortlich und offenkundig unwahr" zurückgewiesen. Am Mittwoch hatte die Plattform dennoch weitreichende Änderungen angekündigt, sie werden auch auf der Startseite verkündet. Nur noch Nutzer, die sich verifiziert haben, sollen Dateien hochladen können. Zudem hat Pornhub die Download-Funktion abgeschafft. Sie führte dazu, dass Nutzer problematische Videos herunter- und dann wieder hochluden, auch wenn das Original schon gelöscht war.

Dass das Problem illegaler Porno-Videos und "Rachepornos", die zumeist Frauen bloßstellen sollen, über Pornoplattformen wie Pornhub hinausgeht, merkte die Anwältin Carrie Goldberg auf Twitter an. Sie vertritt Opfer solcher Videos und erklärte: "Für jeden Fall eines Missbrauchsvideos auf Pornhub habe ich 50 Missbrauchsvideos, auch von Kindesmissbrauch, die auf Instagram und Facebook verbreitet werden." Durch die Vernetzung ihrer Nutzer gäben diese Plattformen Menschen zudem die Möglichkeit, die Opfer aus den Videos aufzuspüren und persönlich zu belästigen.

© SZ/mxm
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