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Playstation-Spiel "Bloodborne":Wer ist hier das Biest?

Nichts für einen entspannten Feierabend: Das Horror-Rollenspiel "Bloodborne" ist eines der schwierigsten Spiele, die es derzeit gibt. Der Spieler kämpft darin gegen Wahnsinnige, Werwölfe und Monster. Aber was, wenn er selbst der eigentlich Verrückte ist?

Von Matthias Huber

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Quelle: Sony/PR

Angespielt, nicht durchgespielt: Unsere Games-Kurzkritik "Screenshot" beantwortet Fragen zu den neuesten Computer- und Videospielen auf allen gängigen Plattformen. Und gibt einen ersten Eindruck, worauf Sie sich bei einem neuen Spiel freuen können - und wann Sie lieber noch skeptisch sein sollten.

Worum geht es in Bloodborne?

Werwölfe sind noch mit die harmlosesten Kreaturen, die im Dorf Yharnam ihr Unwesen treiben. Eine Seuche hat von den Bewohnern Besitz ergriffen, eine Seuche, die die Patienten allmählich in Bestien verwandelt oder in den Wahnsinn treibt. Auch die Figur des Spielers, ein namenloser Jäger, ist mit dem Blut der Bewohner Yharnams infiziert worden. Er begibt sich auf die Suche nach dem Ursprung der rätselhaften Krankheit. Doch je mehr Monster und Gräueltaten der Spieler zu Gesicht bekommt, umso mehr verschwimmen auch vor seinen Augen Realität und Halluzination. Haben sich die Dorfbewohner wirklich in einen Haufen mordlustiger Bestien verwandelt? Oder ist es in Wahrheit der Spieler, der seinen Augen nicht mehr trauen kann?

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Was sieht vielversprechend aus?

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Quelle: Sony/PR

Demon's Souls und Dark Souls sind berüchtigt dafür, zu den schwierigsten Spielen zu gehören, die auf der vergangenen Konsolengeneration erschienen sind. Das Action-Rollenspiel Bloodborne setzt diese Tradition jetzt fort - und versucht, mit ein paar, zwar subtilen, aber einschneidenden Änderungen diesen Anspruch noch zu untermauern. So unbarmherzig die Vorgänger auch waren: Steckte man seinen Ritter in eine schwere Rüstung und gab ihm einen kräftigen Schild in die Hand, ließen sich damit einige der ansonsten tödlichen Gefahren der düsteren Spielwelten noch leidlich entschärfen. Die Folge war oftmals ein ängstliches Vorantasten im Schneckentempo, bei dem der Spieler hinter sein Schild gebückt herumschlich.

Diese Zeit ist vorbei: Bloodborne belohnt aggressive und flotte Spieler - und hat die Schilde kurzerhand abgeschafft. Wer Kämpfe unbeschadet überstehen will, muss sich auf seine Reflexe verlassen und den tonnenschweren Äxten, die von mechanischen Riesen geschwungen werden, rechtzeitig ausweichen. Und wenn doch mal ein Hieb trifft (und der Held danach noch stehen kann), dann verlockt das sogenannte "Regain"-System des Spiels dazu, einen schnellen Gegenangriff zu riskieren. Innerhalb weniger Sekunden kann sich so der Spieler verlorene Lebensenergie von seinen Gegnern zurückholen. Wenn er nicht vor lauter Hektik den nächsten Fehler begeht.

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Warum sollte man trotzdem skeptisch sein?

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Quelle: Sony/PR

Bloodborne ist nicht unbedingt das, was man sich als entspannende Feierabendunterhaltung vorstellt. Neben dem knackigen Schwierigkeitsgrad und der gruseligen Atmosphäre hat From Software traditionell auch wenig Interesse daran, den Spieler über seine Möglichkeiten aufzuklären. Die Entwickler scheinen es als Teil der Herausforderung zu verstehen, den Spieler ohne Anleitung in sein Verderben rennen zu lassen. Nicht nur in dieser Hinsicht ist Bloodborne mindestens so unbarmherzig wie seine Vorgänger. Fehler, Unachtsamkeit und Ungeduld bestraft das Spiel gnadenlos. Das kann gerade dann frustrierend werden, wenn man sich zum wiederholten Male mit ein paar wahnsinnig gewordenen Dorfbewohnern anlegt, die den Weg zum nächsten Boss versperren - und man wegen der sich allmählich einstellenden Routine beginnt, seine Gegner zu unterschätzen.

Wer aber bereit ist, dem Spiel seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu schenken und auch mal ein klingelndes Telefon zu ignorieren (eine Pause-Funktion gibt es nicht), wird dafür mit einem besonders intensiven Spielerlebnis belohnt. Und dem Glücksgefühl, das sich einstellt, wenn man eine schier übermenschliche Aufgabe nach dutzenden Fehlversuchen doch noch bewältigt hat.

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Woran erinnert Bloodborne?

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Quelle: Sony/PR

Der Vergleich mit den Vorgängern Dark Souls und Demon's Souls liegt auf der Hand. Für Bloodborne haben sich die Entwickler aber von ihren düster-melancholischen Fantasy-Welten verabschiedet. An Stelle soziopathischer Ritter und korrupter Drachen sind es jetzt wahnsinnige Dorfbewohner, rasende Tiermenschen und tentakelbewehrte Ungeheuer, die dem Spieler das Digitalleben zur Hölle machen. Statt Ritterrüstung und Helm trägt der modebewusste Monsterjäger den Ledermantel und Dreispitz aus "Pakt der Wölfe", während er aus seiner Donnerbüchse Quecksilberkugeln verschießt. Und der Stockdegen, der sich auf Knopfdruck in eine dornengespickte Peitsche verwandeln lässt, macht den namenlosen Helden aus Bloodborne zum legitimen Nachfahren des Belmont-Clans aus der "Castlevania"-Spielreihe.

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Was passiert, wenn man das Spiel zum ersten Mal startet?

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Quelle: Sony/PR

Sehr vertrauenserweckend ist der Mann im Rollstuhl ja nicht, der gerade die Bluttransfusion anschließt. Ebensowenig die "Klinik", ein heruntergekommenes und stockfinsteres Gebäude, in der die Spielfigur in der ersten Szene von Bloodborne aufwacht. "Was auch immer passiert", sagt der Bärtige, während er die Spritze ansetzt, "es wird dir vielleicht nur wie ein böser Traum vorkommen." Der verschwommene Blick des Spielers richtet sich auf eine Blutpfütze in der Zimmerecke. Eine Klaue ragt daraus hervor, greift nach dem Rand der Pfütze. Die blutüberströmten Überreste eines wolfsähnlichen Wesens ziehen sich daraus hervor, greifen nach dem Wehrlosen auf der Krankenhausliege. Ein Jaulen, und die ganze höllische Kreatur geht in Flammen auf. Dafür kriechen jetzt Dutzende graue Geistwesen auf den Schlafenden zu.

Wenig später, nach dem Erwachen, trifft der Spieler im Krankenhaus auf einen gewaltigen Wolf, der sich auf ihn stürzt. Eine Waffe besitzt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht, kann sich höchstens mit Fausthieben zur Wehr setzen, aber die Kreatur scheint sie kaum zu spüren. Das Biest nimmt Anlauf, springt, der Druck auf die Ausweichtaste kommt Sekundenbruchteile zu spät. "Du bist gestorben", steht in großen roten Buchstaben auf dem Bildschirm. Und dann erwacht die Spielfigur neben den Grabsteinen einer surrealen Traumwelt.

Bloodborne (USK ab 16) ist am 25. März für die Playstation 4 erschienen.

© SZ.de/dd

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