Angespielt: Playstation Classic Bildfehler zerstören Pixel-Nostalgie

Die Playstation Classic soll Gamern die Möglichkeit geben, in der Nostalgie der Neunzigerjahre zu schwelgen. Doch Sonys Nachbildung hat einige Probleme.

(Foto: Sony Interactive Entertainment)

Sony hat die erste Playstation von 1994 geschrumpft und neu aufgelegt. Allerdings fehlen dem enthaltenen Spielepaket viele Klassiker.

Von Caspar von Au

Niedlich sieht sie aus, die kleine graue Box mit den drei Knöpfen. Die "Playstation Classic" passt in eine Hand, sonst ähnelt sie dem deutlich größeren Original - der ersten Playstation von 1994. Entwickler Sony hat das Gehäuse detailgetreu nachgebaut, im Innern treiben natürlich moderne Komponenten die Retro-Konsole an.

Vor knapp 25 Jahren war die Playstation eine Revolution. Die Konsole markiert den Start der 3D-Ära im Gaming. Spiele wie "Tomb Raider", "Resident Evil" und "Gran Turismo", deren Fortsetzungen zwei Jahrzehnte später noch auf den nachfolgenden Konsolen-Generationen erscheinen, wurden durch die Playstation geprägt und prägten ihrerseits viele Spieler und Spiele. Die Folge: Viele heute erwachsene Gamer blicken nostalgisch zurück, Retro-Gaming liegt schon seit Jahren im Trend. Der japanische Spieleentwickler Nintendo hatte mit seinen Neuauflagen der noch älteren Konsolen NES und SNES in den vergangenen beiden Jahren große Erfolge. Für Sony ist es also als ein logischer Schritt, die Kult-Konsole in einer überholten Form neu aufzulegen.

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Aber die Nachbildung der Kult-Konsole steht seit dem Marktstart in der Kritik. Ähnlich wie Nintendo liefert auch Sony ein Paket von 20 Spielen mit. Das auf dem Gehäuse angedeutete CD-Laufwerk dient nur der Zierde, die Computerspiele sind auf einer kleinen Festplatte gespeichert. Es muss also niemand seine alten Spiele vom Dachboden holen und entstauben. Mehr Spiele wird es erst einmal nicht geben. Zu dem Paket gehören absolute Klassiker wie das erwähnte "Resident Evil", "Grand Theft Auto" und "Final Fantasy 7". Außerdem stehen einige weniger bekannte Spiele zur Verfügung, zum Beispiel das Snowboard-Spiel "Cool Boarders 2" oder das Rätselspiel "Intelligent Qube".

Liebe zum Detail beim Gehäuse, Mängel bei Technik

Neben der Retro-Grafik der Spiele hat Sony versucht, viele Funktionen möglichst an die originale Playstation anzulehnen. Die Classic-Version ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet: Die beiden mitgelieferten Controller kennen weder die Vibrationsfunktion noch haben sie einen Steuerknüppel. Das macht die Steuerung in einigen Spielen aus heutiger Sicht ziemlich fummelig. Seine Spielstände speichert der Spieler auf virtuellen Speicherkarten und in umfangreicheren Titeln, zum Beispiel "Final Fantasy", bittet die Konsole zwischendurch um einen virtuellen CD-Wechsel. Ein Gag der Entwickler: Nach einem Druck auf den "Open"-Knopf am Gehäuse verschwindet die Nachricht.

Trotzdem hat die Playstation Classic einige Mängel. Am wenigsten stört noch, dass zum Lieferumfang zwar ein USB-Kabel gehört, der Netzwerkadapter aber fehlt, um die Konsole an den Strom anzuschließen. Bei der Auswahl der Spiele hat Sony auf einige der wichtigsten Klassiker verzichtet: "Tomb Raider", "Gran Turismo" oder "Crash Bandicoot", eines der ersten Jump-'n'-Run-Spiele in 3D überhaupt, gehören nicht zu den 20 vorinstallierten Spielen. Sony plant nicht, die Konsole in Zukunft upzudaten, einen Internetanschluss hat die Classic auch keinen. Bei vielen Fans und Fachzeitschriften kommt die Konsole deshalb nicht besonders gut an.

Unterschiedliche Versionen führen zu Rucklern

Noch mehr als das Fehlen von Spielen wird kritisiert, dass viele der Spiele ruckelten oder die Grafik noch schlechter dargestellt werde als auf der ursprünglichen Playstation. Um die alten Games heute spielbar zu machen, nutzt die Playstation Classic einen Open-Source-Emulator, doch offenbar hat Sony bei der Umsetzung geschludert.

Wie das Techportal Golem berichtet, kommt es im Rennspiel "Ridge Racer Type 4" zu Aussetzern beim Sound und die Bildrate stottert. Große Diskussionen unter Gamern löste zudem aus, dass die Spiele in unterschiedlichen Formaten auf der Playstation Classic installiert sind - neun in PAL und elf in NTSC. Die beiden Formate nutzen unterschiedliche Bildraten, dadurch werden neun der Spiele langsamer dargestellt. Im Test machte sich das am ehesten in "Grand Theft Auto" und in "Tekken 3" bemerkbar. Gelegenheitsspieler, die sich die Retro-Konsole der Nostalgie wegen gekauft haben, werden die Unterschiede ohne einen direkten Vergleich sonst nicht bemerken.

Für die Computerexperten unter den Fans gibt es aber auch eine gute Nachricht: Weil die Software Open-Source ist, lässt sie sich vergleichsweise einfach manipulieren. Golem erklärt im Video, wie Spieler mit einer Tastatur in die Einstellungen gelangen, um dort die Grafik anzupassen. Bastler haben es mittlerweile auch geschafft, das von Sony ignorierte "Crash Bandicoot" auf der Playstation Classic zu installieren. Beides ist von den Entwicklern nicht vorgesehen. Aber möglicherweise braucht es einfach andere Hardware, um die Playstation-Klassiker zu Hause ruckelfrei spielen zu können. Wie ein Youtube-Video beweisen soll, läuft das Playstation-Spiel "Ridge Racer Type 4" auf der Nintendo-Nachbildung SNES Classic deutlich flüssiger als auf dem Gerät von Sony.

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