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Playstation 5:Der Traum vom absoluten Hörerlebnis

Mark Cerny, leitender Entwickler bei Sony, präsentiert technische Details zur Playstation 5.

(Foto: Screenshot / Youtube)
  • Sony hat in einem Livestream technische Details zur Playstation 5 verraten. Sie soll Ende 2020 auf den Markt kommen.
  • Neben mehr Rechenleistung und einem schnelleren Solid-State-Drive (SSD) soll die Spielkonsole vor allem durch ihr 3D-Audiokonzept überzeugen.
  • Das Unternehmen zeigt in der Videopräsentation aber weder das Gerät noch Gameplay auf der neuen Konsole.

Wie bei nahezu allem derzeit spielt das Coronavirus auch in Sonys erster öffentlicher Präsentation zur Playstation 5 eine tragende Rolle. Eigentlich wollte das Unternehmen diese Woche auf der Game Developers Conference in San Francisco über die kommende Spielkonsole reden. Wegen der Pandemie wurde die Veranstaltung abgesagt, daher findet der Vortrag von Sonys leitendem Entwickler für die Playstation 5, Mark Cerny, nur online statt.

Und obwohl Social Distancing das Gebot der Stunde ist, hat es sich der Konzern augenscheinlich nicht nehmen lassen, echte Menschen zu der Präsentation einzuladen. Ob es sich bei den fünf schattenhaften Schultern und Hinterköpfen um Journalisten, Sony-Mitarbeiter oder doch nur eine Animation handelt, ist unklar. Auffällig ist zumindest, dass sich keiner der Köpfe während des gesamten 52-minütigen Videos auch nur eine kurze Unaufmerksamkeit erlaubt. Dabei macht Cerny es dem durchschnittlichen Playstation-Spieler alles andere als leicht, seinen Ausführungen zu folgen.

Cerny redet darüber, wie die Verteilung von Daten auf eine Festplatte den Rechenprozess verlangsame. Es geht darum, wie Teile des Arbeitsspeichers der Playstation 4 ungenutzt bleiben, während die nächsten 30 Sekunden des Spiels berechnet werden. Und er rechnet vor, dass die 36 Compute Units (CUs) in der Playstation 5 gemessen an der Anzahl von Transistoren etwa so leistungsfähig seien wie 58 CUs in der Playstation 4. Tatsächlich stecken 18 CUs in der PS4 (36 in der PS4 Pro). Übersetzt soll das heißen, dass die PS5 ein Vielfaches der Grafikleistung der Vorgängerkonsole abrufen kann. Wie viel genau, hängt von weiteren Faktoren ab.

Keine Ladebildschirme mehr

Insgesamt, sagt der Entwickler, komme der Grafikchip der Playstation 5 auf eine Rechenleistung von 10,3 Teraflops. Die Maßeinheit beziffert, wie viele Billionen Befehle der Chip pro Sekunde ausführen kann. Sie wird häufig benutzt, um die Rechenleistung der Spielkonsolen untereinander zu vergleichen. Demnach wäre die neue Xbox Series X etwas schneller, laut Microsoft erbringt sie rund 12 Teraflops. Die Playstation 4 kommt auf 1,8 Teraflops.

Wie bereits vorab von Sony bestätigt, steckt in der Playstation 5 ein Solid-State-Drive (SSD). Das hätten sich viele Spieleentwickler gewünscht, sagt Cerny. Dank der SSD soll die Spielkonsole nur 0,27 Sekunden benötigen, um 2 Gigabyte Daten zu laden. Zum Vergleich: Die Festplatte der PS4 braucht rund 20 Sekunden für die Hälfte. "Es wird keine Ladebildschirme mehr geben. Die Schnellreise in Spielen wie Spider-Man wird so schnell, dass wir den Übergang künstlich verlangsamen müssen", sagt Cerny. Die SSD sei ein "Game Changer", für Spieler und für Spieleentwickler.

Realistische Texturen, Spiegelungen und Schatten

Die Playstation 5 soll 825 Gigabyte Speicherplatz bieten. Zusätzlich können Kunden den Speicher erweitern, wenn er nicht ausreicht. Welche SSDs mit der Konsole kompatibel seien, müsse Sony erst noch testen, sagt Cerny. Das werde allerdings erst nach dem geplanten Verkaufsstart Ende 2020 passieren.

Die neue Playstation wird rückwärtskompatibel mit den Spielen der PS4 sein. Eine neue Technologie, genannt "Geometry Engine", soll Oberflächenstrukturen in Spielen künftig noch realistischer erscheinen lassen. Einen ähnlichen Effekt soll das sogenannte Ray-Tracing haben. Dadurch kann der Grafikchip den Einfall von Lichtstrahlen in Echtzeit berechnen und so Spiegelungen und Schatten wirklichkeitsnäher darstellen.

Immer wieder während seines Vortrags kommt Entwickler Cerny oberlehrerhaft rüber. Die Spieleentwickler müssten natürlich weder die Geometry Engine noch Ray-Tracing unbedingt beim Programmieren berücksichtigen. "Aber sie stellen eine Chance für Entwickler dar", sagt er und lächelt so, dass das eher wie eine Drohung klingt. Wer nicht mitzieht, verliert.

Die Soundeinstellungen sollen individualisierbar sein

Den letzten Teil seiner Präsentation widmet er der Vision, die Sony mit der Playstation 5 verfolge. Sein Ziel und das des Entwicklerteams sei es gewesen, Gaming eine neue Tiefe zu geben. So seien sie auf das Konzept gekommen, das Sony als "Tempest 3D Audiotech" bezeichnet. Cerny zufolge sollen die Spiele auf der Playstation 5 für alle Spieler großartig klingen - egal, ob sie den Klang über Kopfhörer, eine Soundbar oder die Lautsprecher des Fernsehgeräts abspielen. Außerdem soll jedes Geräusch klingen, als stünde der Spieler inmitten des Computerspiels.

Um diese blumigen Versprechen zu erläutern, stehen Cerny keine Zahlen von CUs oder Teraflops zur Verfügung. Stattdessen bedient er sich am Jargon der Akustik: HRTF - die Abkürzung steht für "Head-Related Transfer Function" und beschreibt stark vereinfacht, dass jeder Mensch aufgrund seiner Ohr-, Kopf- und Rumpfform Geräusche unterschiedlich wahrnimmt. Mit der Hilfe von 22 Lautsprechern kann Sony im Labor Ohren und Gehörgänge eines Spielers ausmessen und verspricht, so die optimalen Soundeinstellungen für denjenigen zu finden.

Weil das in der Praxis für Millionen Spieler weltweit unmöglich reproduzierbar ist, soll es anfangs fünf HRTF-Profile für die neue Playstation geben, zwischen denen man wählen kann. In Zukunft, sagt Cerny, hoffe er aber, dass sich die PS5 zum Beispiel dank Videos oder Fotos der Ohren und Machine Learning auf jedes Gehör individuell einstellen kann. Sollte sich dieser Traum vom absoluten Hörerlebnis durchsetzen, könnte das auch für andere Branchen der Unterhaltungsindustrie interessant sein.

© SZ.de/bix/jab
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