Playbrush Mit dieser App lernen Kinder Zähneputzen

Nur aufpassen, dass das Smartphone nicht ins Waschbecken fällt! Die Playbrush-Zahnbürste samt zugehöriger App.

(Foto: Playbrush / PR)

Kleine Kinder hassen Zähneputzen. Doch der Österreicher Paul Varga hatte eine Idee: Einen Aufsatz für die Bürste und ein Handy-Spiel mit Zahnfee.

Von Björn Finke, London

Auf die Idee brachte ihn sein kleines Patenkind Louis. Der putzt sich nicht gern die Zähne. Also ließen die Eltern den Dreijährigen beim Zähneputzen Videos auf ihrem Tabletrechner schauen. Mit bescheidenem Erfolg: Louis verfolgte gebannt die Filme, aber die Bürste hing still im Mund. Patenonkel Paul Varga überlegte sich, dass Louis sicher besser putzen würde, wenn er für seine Bemühungen belohnt würde - in einem Spiel auf dem Tablet. "Ich habe dann mit anderen Eltern und mit Zahnärzten gesprochen und festgestellt, dass diese Unlust zum Putzen ein häufiges Problem bei Kindern ist", sagt der 28-jährige Wiener.

Zusammen mit zwei Bekannten gründete er darum 2014 eine Firma und entwickelte ein Spiel für Tabletrechner oder Handys, das über die Zahnbürste der Kinder gesteuert wird. Playbrush heißt das Unternehmen, genau wie sein einziges Produkt. Das ist ein Aufsatz für den Griff von Kinder-Zahnbürsten. Die Bewegungssensoren im Aufsatz sind drahtlos mit dem Handy oder Tablet verbunden. Nur wenn die Kinder wirklich putzen, und zwar jeweils 30 Sekunden links oben und unten sowie rechts oben und unten, kommen sie weiter in den drei Spielen, die Playbrush bislang anbietet. Da kämpft etwa eine Zahnfee mit punkig pinkfarbenem Haar gegen kleine grüne Monster. Die nähern sich unerbittlich, aber solange die Zahnbürste an der richtigen Stelle schrubbt, kann die Fee die Eindringlinge mit ihrem Laserstrahl grillen.

Bewegungsdaten in Abenteuer verwandeln

Firmenchef Varga absolvierte an einer Londoner Universität einen Master in Unternehmensgründung und lernte dort einen seiner Mitstreiter kennen. Darum ist Playbrushs Zentrale in der Hauptstadt, in von der Universität gestellten Räumen für Start-ups. Ein zweites, kleineres Büro befindet sich in Wien, wo der dritte Gründer lebt. Auch die Plastikaufsätze werden in Österreich produziert, von einem Auftragsfertiger. Inzwischen hat Playbrush 14 Beschäftigte, über Investoren und Kredite kamen 1,7 Millionen Euro herein.

Im November wurden die ersten Playbrushs verkauft, bis jetzt hat Varga 10 000 abgesetzt. Ein Meilenstein war, dass Tchibo die Aufsätze im Juni für einen Monat ins Sortiment nahm. "Dadurch haben wir Anfragen von anderen Händlern bekommen", sagt Varga, der vor seinem Gründer-Master Biotechnologie in Wien studiert hat. "Wir verhandeln gerade mit Vertriebspartnern in Deutschland und Großbritannien." Bei Tchibo kostete der Aufsatz zunächst 40 Euro, dann 30 Euro, doch Varga sagt, dass der Preis weiter sinken werde, wenn erst die Stückzahlen steigen. Die Technik hinter den Aufsätzen sei nichts Besonderes; das Können und die Erfahrung des Entwicklerteams steckten in den Spielen, welche die Bewegungsdaten in spannende Abenteuer verwandeln.

An London schätzt Varga die Internationalität - es sei einfacher als in Wien, Kontakte zu Vertriebspartnern aus der ganzen Welt zu knüpfen. Außerdem gebe es viele gute Programmierer: "Und anders als in Österreich entscheiden sich in London Top-Absolventen der Hochschulen auch mal dafür, bei einem Start-up anzufangen."

Doch der Sieg des Brexit-Lagers im Referendum war eine Enttäuschung. Varga gehörte zu den Initiatoren der Kampagne "Hug a Brit", Umarme einen Briten. EU-Ausländer in Großbritannien sollten Einheimischen zeigen, wie sehr eine Scheidung den Rest Europas schmerzen würde. Fotos dieser Liebesbekundungen wurden dann ins Internet gestellt. Es hat am Ende nichts geholfen. Für Playbrush habe das Resultat zunächst keine Folgen, sagt Varga. Schließlich bleibt das Land ja noch über Jahre in der EU. "Aber trotzdem ist diese Unsicherheit über die zukünftigen Bedingungen unangenehm", sagt der Gründer.

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