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Pläne für Tablet-Computer:Google: Attacke auf Apple und das iPad

iPad gegen gPad: Der US-Provider Verizon hat angekündigt, mit Google an einem iPad-Rivalen zu basteln. Beginnt nun die Tablet-Schlacht der Giganten?

Johannes Kuhn

Eigentlich könnte Apple-Chef Steve Jobs sich zufrieden zurücklehnen: Seit dem Verkaufsstart Anfang April hat sich das iPad alleine in den USA eine Million Mal verkauft, das Unternehmen hat inzwischen so viel flüssiges Kapital zur Verfügung, dass es sich einen Teil der Konkurrenz schlicht per Akquise vom Leib halten könnte.

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Google-Tabletdemo mit Chrome OS: Unter starkem Druck

(Foto: Screenshot: YouTube.com)

Und dennoch dürfte es für Jobs keine gute Woche gewesen sein: Zuerst veröffentlichte das Marktforschungsunternehmen NPD-Group eine Studie über den Smartphone-Markt, wonach sich Handys mit Googles Android-Betriebssystem in den USA inzwischen besser als iPhones verkaufen.

Doch damit nicht genug: Nun hat Lowell McAdam, Chef des zweitgrößten US-Telekomanbieters Verizon, mit einer einzigen Bemerkung die Befürchtung der Apple-Verantwortlichen bestätigt: Google drängt auch auf den Markt für Tablet-Computer, wo sich Apple gerade mit dem iPad einnistet.

Ausgerechnet Verizon

"Wir arbeiten gemeinsam an Tablets", sagte McAdam dem Wall Street Journal in einem Interview, "Wir sehen uns all die Dinge an, die Google im Keller hat, damit wir einen Tablet-Computer zu einer großartigen Erfahrung machen können."

Wie eine Sprecherin der Nachrichtenagentur Bloomberg bestätigte, soll es sich um einen Flachcomputer mit Android-Betriebssystem handeln. Wie weit die Pläne bereits gediehen sind und wer das Gerät letztlich produzieren wird, ist noch nicht bekannt. Für die kommenden Tage versprach Verizon weitere Details. Google wollte sich nicht äußern, gab aber an, dass jeder Entwickler und Hersteller die Android-Plattform für seine mobilen Endgeräte nutzen könne.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Verizon die Nachricht verkündete. In den vergangenen Wochen waren immer wieder Gerüchte aufgetaucht, wonach Apple die nächste Version des iPhones auch in einer Verizon-Version anbieten wird. Damit würde das Unternehmen die Exklusivbindung an den Verizon-Rivalen AT&T aufgeben, der das iPhone in den USA seit 2007 vertreibt und auch beim mobilfunktauglichen iPad als Exklusivpartner fungiert.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Google unter Druck steht.

Google unter großem Druck

Sollte eine solche Vereinbarung zwischen Apple und Verizon bereits unterschrieben sein, wäre dies ein Affront gegen Jobs. Falls die Apple-Produkte weiter nur mit einem AT&T-Vertrag verkauft werden, dürfte damit die Konstellation in den nächsten Jahre Apple und AT&T gegen Verizon und Google lauten. Verizon hatte bereits in den vergangenen Monaten ständig neue Smartphones mit Android-Betriebssystem in seinen Bestand aufgenommen.

Google steht nach dem jüngsten Apple-Verkaufserfolg unter großem Druck, mit seinen mobilen Betriebssystemen möglichst schnell auf ernstzunehmenden iPad-Konkurrenzmodellen vertreten zu sein, um im Bereich der Tablet-Werbung nicht den Anschluss zu verlieren. Die Aktien des Unternehmens haben seit Jahresbeginn fast 20 Prozent ihres Wertes verloren.

Eine Kooperation mit Verizon wäre wahrscheinlich nur der prestigeträchtige Beginn einer Tablet-Offensive, um anderen Herstellern das Android-Betriebssytem schmackhaft zu machen. Sie würde auch eine Abkehr von der Strategie bedeuten, beim Verkauf von Endgeräten unabhängiger von den Providern werden zu wollen.

Viel hängt vom Verkaufsstart ab

Das mit großem Tamtam angekündigte Netbook-Betriebssystem ChromeOS scheint allerdings offenbar bislang nicht dafür geeignet, diese Offensive zu unterstützen. Noch vor kurzem hatte das Unternehmen in einem Internet-Video demonstriert, wie die Bedienung eines ChromeOS-Tablets funktionieren würde.

Wie gefährlich Google Apple wirklich werden kann, dürfte auch davon abhängen, wie lange das angekündigte Tablet bis zur Marktreife braucht. Das IT-Blog Gizmodo weist darauf hin, dass Google auf dem Mobilfunkmarkt bislang nicht immer mit kurzen Entwicklungszyklen glänzte.

Zumindest in Redmond, Washington, dürften allerdings ob der Verizon-Ankündigung die Alarmglocken schrillen: Microsoft hatte noch Anfang des Jahres einen wahren Tablet-Regen angekündigt, musste aber jüngst Pläne für ein eigenes Gerät begraben und mit dem Ausstieg von Hewlett-Packard den Verlust eines wichtigen Kooperationspartners verkraften. Mit dem Google-Einstieg in den Tablet-Markt wird die Luft für Microsoft nun noch dünner.

© sueddeutsche.de/joku/holz
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