Pläne für Online-Shop Googles Musik-Traum droht zu platzen

Google möchte Musik verkaufen, die Kunden online speichern und von überall aus abspielen können. Doch die Verhandlungen mit den Musiklabels stehen vor dem Aus.

Das passende Smartphone-Betriebssytem besitzt Google mit Android schon, nun sollte im nächsten Schritt eigentlich auch ein iTunes-Konkurrent folgen. Doch der MP3-Shop "Google Music" droht zu scheitern.

Google-Hauptquartier in Mountain View, Kalifornien: Von der Musikindustrie "angewidert".

(Foto: Bloomberg)

Der Musikdienst soll es Nutzern ermöglichen, MP3s zu kaufen und diese dann online zu speichern, um sie von verschiedenen Endgeräten über das Web abrufen zu können. Auch Apple plant Gerüchten zufolge, iTunes um eine Speicher- und Streaming-Funktion zu erweitern - muss aber deshalb genau wie Google neue Lizenzierungsbedingungen mit der Musikindustrie aushandeln.

Wie verschiedene US-Medien berichten, wächst im Google-Hauptquartier in Mountain View, Kalifornien, die Frustration über diese Gespräche. Die Verhandlungen seien "am Ende", zitiert das IT-Blog All Things Digitaleine mit der Angelegenheit vertraute Quelle. Wayne Rosso, ein Veteran im digitalen Musikvertrieb, schreibt in seinem Blog sogar davon, dass Google "angewidert" von den Labels sei.

Offenbar geht es um den Preis, den Google für einen solchen Speicherdienst verlangen möchte: Warner Music Group fordert demnach, dass der Konzern von seinen Kunden 30 Dollar pro Jahr für den Online-Musiktresor verlangt. Google hingegen will laut Rosso den Nutzern das Speichern der ersten 500 Songs kostenlos anbieten.

Amazon sorgt für Zugzwang

Erst vor wenigen Wochen hatte der Online-Händler Amazon einen Online-Speicher für Musik und Filme vorgestellt: Bis zu fünf Gigabyte an Dateien können Kunden kostenlos auf den Amazon-Servern lagern, bei Amazon gekaufte Musik wandert sogar automatisch in die Wolke.

Amazon hatte für das Angebot keine neuen Lizenzbedingungen mit der Musikindustrie vereinbart, weshalb Google dies offenbar zum Anlass nimmt, in den Verhandlungen die Preise zu drücken. Alternativ, so heißt es in den Berichten, will der Suchkonzern komplett auf den Musik-Verkauf verzichten und schlicht einen Online-Speicher anbieten.

Allerdings dürfte sich die Attraktivität eines solchen Dienstes in Grenzen halten. Möglicherweise hat Google deshalb die Gerüchte über ein Aus des Musikspeicher gezielt gestreut, um die Labels zu Konzessionen zu bringen.

Auch Spotify blockiert

Dabei dürfte vor allem die Warner Music Group der Adressat sein: Die Firma will stark auf cloudbasierte Streamingdienste setzen, weshalb die nun auszuhandelnden Konditionen von großer Bedeutung sind und das Label noch keine Einigung mit Google erzielt hat.

Es ist nicht das erste Mal, dass Warner neue Digitaldienste blockiert: Bereits seit einiger Zeit verhandelt der Musikstreaming-Service Spotify vergeblich mit Warner, um auch in den USA an den Start gehen zu können. Bislang vergebens, da das Musiklabel offenbar hohe finanzielle Forderungen erhoben hat.