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Patentstreit Apple vs. Samsung:Erstschlag im Handy-Krieg

"Ich werde Android zerstören, weil es ein gestohlenes Produkt ist": Der Krieg, mit dem Steve Jobs Samsung drohte, ist voll entbrannt. Nun gibt ein Gerichtsurteil Apple recht. Samsung habe in Sachen Mobiltelefon hemmungslos beim Konkurrenten abgekupfert. Allerdings wird der Triumph für Apple nur von kurzer Dauer sein.

Steve Jobs ist der Welt als Schöpfer in Erinnerung. Doch der Apple-Gründer konnte auch Zerstörer sein - unbarmherzig, selbstgerecht, blind vor Wut. Er lag fast schon auf dem Sterbebett, als er seinem Biografen Walter Isaacson sagte: "Wenn nötig, werde ich meinen letzten Atemzug und den letzten Cent in Apples 40 Milliarden Dollar schweren Bankrücklagen darauf verwenden, um dieses Unrecht aus der Welt zu schaffen. Ich werde Android zerstören, weil es ein gestohlenes Produkt ist. Dafür bin ich bereit, einen thermonuklearen Krieg auszulösen."

Jobs ist tot, im vergangenen Oktober erlag er einem Krebsleiden. Doch der Krieg, mit dem er drohte, ist voll entbrannt. Apple kämpft gegen Android, das kostenlose Handy-Betriebssystem von Google, und die Technologie-Hersteller, die es nutzen. Allen voran: Samsung. Der koreanische Mischkonzern zählt zu den wenigen der Branche, dessen Geräte es in Sachen Design und Bedienkomfort mit Apples iPhones aufnehmen können.

Nach dem Erstschlag vor Gericht fühlt sich Apple als Sieger: Eine Jury im Silicon Valley verdonnerte Samsung nun zu einer Strafzahlung von mehr als einer Milliarde Dollar. In fast allen Punkten gaben die Geschworenen Apple recht. Samsung habe abgekupfert - hemmungslos, befanden sie. Allerdings wird der Triumph für Apple nur von kurzer Dauer sein. Atomkonflikte kennen nur Verlierer. Jobs hätte das wissen müssen: Seine Jugend war geprägt von Hare Krishna, von Friedensmärschen und der Gegenkultur der 70er-Jahre. Der Apple-Chef war einst ein Hippie. Die Rolle des Patentkriegstreibers passt nicht zu ihm. Und doch hat er sich für sie entschieden.

Android ist noch nicht besiegt

Der Ausgang des Konflikts ist völlig ungewiss. Googles Android ist lange nicht besiegt, Samsung schon gar nicht. Die Koreaner haben das Gericht aufgefordert, das Votum der Geschworenen zurückzunehmen. Geschieht dies nicht, gehen sie in Berufung. "Zweitschlagskapazität" heißt das im Militärjargon. Der Patentkrieg wird global mit äußerster Härte geführt. Nicht überall werden die Gerichte dem Apple-Konzern so ergeben sein wie die Jury im Silicon Valley, wo Jobs verehrt wird wie ein Heiliger. Auch Apple hat das iPhone nicht aus dem Nichts erschaffen; Innovation setzt Imitation genauso voraus wie Kreativität. Ein Ideen-Vakuum gebiert nur Leere.

Als sich die Konzerne noch mit Produkten bekriegten, nicht mit Klagen und Verkaufsverboten, profitierten die Verbraucher. Die Auswahl an Smartphones wuchs, die Preise fielen. Doch der Patentkrieg macht die Gewinner zu Verlierern. Wenn das Geschworenen-Verdikt Bestand hat, könnten in Amerika bald viele Samsung-Handys aus den Regalen verschwinden. In anderen Ländern wird es Apple treffen.

Schon heute darf das iPhone 4 in Südkorea nicht offeriert werden. Die Auswahl wird schrumpfen, die Intervalle zwischen den Einführungen neuer Modelle vergrößern sich. Nur die Patentanwälte können sich die Hände reiben. Jobs Nuklearstrategie füllt ihnen die Taschen, auch wenn sie den Smartphone-Markt verwüstet.

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