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Ortungsdienst im Netz:Facebook schluckt Gowalla

Noch vor einiger Zeit galt Gowalla als aussichtsreiches Start-up im zukunftsträchtigen Geschäft mit ortsbezogenen Online-Diensten. Jetzt übernimmt Facebook das Unternehmen. Warum gibt die hochgelobte Firma auf?

Am Wochenende hatte es erste Gerüchte gegeben, nun haben beide Unternehmen das Geschäft bestätigt: Das Freundschaftsnetzwerk Facebook verstärkt sich bei lokalen Diensten mit dem Team des bekannten Anbieters Gowalla.

Gowalla Logo

Logo des Geodienstes Gowalla: Schönes Design, schlechte Benutzerführung.

(Foto: Gowalla)

Für den Dienst selbst - zuletzt war es eine Art von Nutzern erstellter Reiseführer - kommt das Aus Ende Januar. Gestartet war die Firma vor drei Jahren als sogenannter Check-in-Service, also einem Online-Ortungsdienst, bei dem sich Nutzer an einem bestimmten Ort anmelden können und für ihre Freunde auf einer Karte sichtbar sind.

Gowalla konnte in diesem Bereich jedoch nicht mit Konkurrenten wie Foursquare mithalten, unter anderem kritisierten viele User die hübsche aber schwer zu verstehende Benutzeroberfläche. Ein anderer Grund, der in einer Analyse der IT-Seite Techcrunch genannt wird, hat mit dem Standort der Firma zu tun: Während Foursquare in New York schnell eine größere Masse an Kunden gewinnen konnte, nahm dies bei Gowalla längere Zeit in Anspruch - das Unternehmen sitzt in Austin, Texas.

Erhöhter Druck auf Foursquare

Wer dennoch Gowalla nutzte, wird seine Fotos und Daten exportieren müssen, denn Facebook übernehme sie nicht, schrieb Mitgründer und Chef Josh Williams in einem Blogeintrag.

Facebook zufolge werden Gründer und Mitarbeiter das Entwicklungsteam das weltgrößte Online-Netzwerk verstärken. Laut CNN-Informationen vom Wochenende sollen sie an der neuen Facebook-Funktion "Timeline" mitarbeiten, mit der das soziale Netzwerk alle Daten eines Nutzers als eine Lebensgeschichte an einem Ort zeigen will.

Ortsbezogene Angebote gelten als ein wichtiges Geschäftsmodell für die künftige Werbung vor allem auf mobilen Geräten: Kunden können zum Beispiel gezielt von Geschäften in ihrer Nähe angesprochen werden. Facebook hat bereits seit einiger Zeit eine eigene Check-In-Funktion, die in die Mobilversion der Seite integriert ist. Auch Konkurrenten wie Google experimentieren mit solchen Diensten.

Es wird bereits seit längerem erwartet, dass Facebook den eigenen Geodienst verbessert, um stärker ortsbasierte Werbung ausspielen zu können. Ob das Zuckerberg-Unternehmen mit der Übernahme den Druck auf den Konkurrenten Foursquare erhöht oder Facebook einzig an den talentierten Gowalla-Entwicklern interessiert war, wird sich allerdings erst in den kommenden Monaten zeigen.

© sueddeutsche.de/dpa/joku/wib

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