bedeckt München 17°
vgwortpixel

Orte für Instagram-Influencer:"Die Fotos sind nun Reklametafeln"

"Der signifikante Unterschied besteht darin, dass damals vor allem Leute angelockt werden sollten, die sich ohnehin in dieser Gegend befanden", sagt die Autorin Alexandra Lange, die sich in ihren Büchern und Essays mit der Wechselwirkung von Architektur und Gesellschaft auseinandersetzt. "Die Fotos von Instagram-Restaurants sind nun Reklametafeln, die sich überall auf der Welt verbreiten und Menschen aus fernen Orten zu diesem Laden führen sollen", sagt sie.

Das bleibt nicht ohne Folgen für den Tourismus: Los Angeles ist auch deshalb - neben London, Moskau und New York - die Metropole mit den meisten Instagram-Erwähnungen weltweit, weil die Stadt besonders viele fotogene Orte bietet. Die Leute kommen, um sich selbst im perfekten Rahmen darzustellen, und sie locken noch mehr Leute an, die sich im perfekten Rahmen darstellen wollen.

Die "Instagramisierung" von Los Angeles begann vor fünf Jahren, als der Stadtrat das Verbot von Wandgemälden aufhob unter der Auflage, dass es keine kommerzielle Malereien geben dürfe. Die "Engelsflügel" von Colette Miller, die "10 000 Buddhas" von Amanda Giacomini und die "Blutenden Herzen" von James Goldcrown lösten den Walk of Fame, den Rodeo Drive oder das Hollywood-Zeichen als Sehenswürdigkeiten dieser Stadt ab, und Unternehmen erkannten das Potenzial. Der Straßenkünstler Shepard Fairey, bekannt durch das "Hope"-Poster von Barack Obama, brachte am Line Hotel in Koreatown ein zehn Stockwerke hohes Kunstwerk an, Hotel-Manager Gabriel Ratner gibt offen zu: "Durch die Fotos bei Instagram kommen mehr Leute, und nicht wenige trinken dann einen Kaffee oder einen Cocktail an der Hotelbar."

Es gibt Instagram-Restaurants überall auf der Welt, das "Unicorn Café" in Bangkok zum Beispiel, das "Peggy Porschen" in London oder das "Café Organic" auf Bali. Und in München gibt es ein Café, das in Anlehnung an den Flughafen in Los Angeles "LAX Eatery" heißt und an dessen hellblauer Wand es nun auch Engelsflügel für Instagram-Fotos gibt.

Möglichst authentisch wirken

Man darf nicht den Fehler machen, diese Läden auf ihre Eignung als Fotomotiv zu reduzieren. Ein Influencer muss möglichst authentisch wirken, der Hintergrund sollte deshalb nicht nur ein sehenswürdiger Ort sein, sondern einer, der wirklich einen Besuch wert ist. "Es darf keinesfalls zu viel vom Gleichen oder nur für Instagram entworfen sein", sagt Lange: "Wenn es überall so aussieht wie überall, dann sieht sich das Auge auch schnell satt."

Wer einige dieser Cafés besucht, bemerkt: Ja, schick eingerichtet. Ja, die Mitarbeiter sind attraktiv und zuvorkommend. Ja, das Essen ist so angerichtet, dass man sogleich die Kamera zücken möchte. Es schmeckt aber meist auch außerordentlich lecker und ist zudem häufig gesund, umweltfreundlich und aus fair gehandelten Inhalten komponiert. Mal ehrlich: Erwarten wir nicht genau das von einem Café oder Restaurant?

Wer das nicht will, der kann sich in einer ranzigen Bude neben dem Walk of Fame von einem schlecht gelaunten Typen einen fettigen, labbrigen Burger auf einen nicht wirklich sauberen Teller klatschen lassen, während draußen ein Spiderman mit Bierbauch rumturnt und von einem Touristen fünf Dollar für ein gemeinsames Foto will. Auch diese Szene wiederholt sich übrigens mindestens drei Mal pro Stunde.

Social Media Bares für Unwahres

Instagram

Bares für Unwahres

Eine Milliarde Menschen nutzen mittlerweile Instagram. Der Dienst hat nicht nur maximalnarzistische Kommunikationsformen erschaffen, sondern auch einen neuen Wirtschaftszweig.   Von David Pfeifer