Open Data Index:Deutschland geizt mit Daten

Wie gehen Regierungen mit Daten zu Wahlergebnissen, Fahrplänen oder Gesetzen um? Großbritannien führt den Ländervergleich des Open Data Index an, Deutschland hingegen schneidet schlecht ab - schlechter als China.

Will ein deutscher Bürger genau wissen, wie viel Geld seine Regierung ausgibt, wird er nicht weit kommen. Das zumindest befindet die Open-Knowledge-Foundation. Die Stiftung hat ihren Open Data Index für 2013 veröffentlichtund befindet: Deutschland liegt beim freien Zugang zu staatlichen Daten für seine Bürger hinter Demokratien wie Großbritannien, Italien, Frankreich, Polen aber auch hinter der Parteidiktatur China.

Der Index gibt Aufschluss darüber, ob und in welchem Maße Staaten ihren Bürgern Daten zur Verfügung stellen. Daraufhin bewertet der Index die Länder in zehn unterschiedlichen Bereichen: Wie zugänglich sind Informationen zum Haushalt der Regierung, Wahlergebnissen, Fahrplänen von Bus und Bahn, Landkarten, nationalen Statistiken, Gesetzen, Postleitzahlen und Luftverschmutzung?

Deutschland stellt Daten dem Index zufolge über die Ausgaben der Regierung dem Index zufolgeweder öffentlich, online, kostenfrei oder etwa auf dem aktuellen Stand zur Verfügung. Dem Index zufolge reicht es nicht aus, wenn nur die geplanten Ausgaben aufgeführt werden, er fordert in seiner Prüfung die Zugänglichkeit der monatlichen, tatsächlichen Ausgaben. Die Bundesregierung veröffentlicht zwar tatsächliche Ausgaben im Haushaltsabschluss und detaireicher noch in der Haushaltsrechnung, eine Auflistung nach Monaten fehlt allerdings.

Ähnlich schlecht schneidet Deutschland auch bei der Zugänglichkeit seines Unternehmensregister ab. Die Deutsche Post, bemängeln die Autoren des Index, ermögliche zudem keinen freien Zugang zu Postleitzahlen. Der deutsche Staat veröffentlicht zudem keine Fahrpläne. In Großbritannien etwa werden öffentliche Verkehrsmittel von privaten Unternehmen betrieben, trotzdem bündelt der Staat Fahrpläne frei zugänglich auf einer Internetseite.

China rangiert im Gesamtvergleich auf Rang 35, Deutschland auf 39. Das vor allem, weil alle untersuchten Bereiche gleichwertig bewertet werden. Chinas knapper Vorsprung geht vor allem auf die bessere Bewertung in zwei Bereichen zurück: Das Unternehmensregister steht kostenlos im Internet, auch bei den Veröffentlichung der Fahrpläne seiner öffentlichen Verkehrsmittel ist das Land bürgerfreundlicher als Deutschland. Allerdings veröffentlicht der Staat keinerlei Informationen darüber, wie viel die Regierung ausgibt. Auch Wahlergebnisse stehen nicht zur Verfügung - was allerdings daran liegt, dass in China nationale Wahlen, wie sie der Index beachtet, nicht stattfinden. Auch Russland, Moldawien, Israel und Taiwan liegen vor Deutschland.

An der Spitze des Ländervergleichs stehen Großbritannien, die USA und Dänemark. Der Index bemängelt an den USA, dass der Staat das Unternehmensregister unter anderem nicht kostenlos und aktuell zur Verfügung stellt. Dänemark zeigt Mängel bei der Zugänglichkeit seiner Ausgaben und der Umweltverschmutzung.

Insgesamt fällt das Fazit der Stiftung eher negativ aus. Ihr Chef Rufus Pollock sagte: "In den vergangenen Jahren ist die Bereitschaft, Daten transparent zu machen, gestiegen. Der Index zeigt aber auch, dass zu viele der wertvollen Informationen immer noch nicht zugänglich sind."

© Süddeutsche.de/sana/jab/bavo
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