Online-Lauschangriff USA: Schlüsselloch für Google, Facebook und Skype

FBI und Obama-Regierung wollen die Internet-Kommunikation stärker überwachen. Doch ihr Vorhaben könnte die Sicherheit im Internet bedrohen.

Von Johannes Kuhn

Dass hohe US-Offizielle ins Silicon Valley reisen, um sich mit Vertretern von großen IT-Firmen zu treffen, ist nicht ungewöhnlich. Handelt es sich bei einem solchen Offiziellen allerdings um den FBI-Chef, wird so mancher hellhörig.

FBI-Direktor Mueller: Besuch im Silicon Valley.

(Foto: AFP)

Wie die New York Times berichtet, suchte eine Delegation um FBI-Direktor Robert Mueller Anfang dieser Woche mehrere Manager bekannter Internetfirmen wie Facebook und Google auf.

Ein Treffen wurde zumindest von einem Facebook-Pressesprecher bestätigt, über die Inhalte wurde offiziell allerdings nichts bekannt. Die Times weist darauf hin, dass Mueller sich derzeit für eine Neufassung des "Communications Assistance for Law Enforcement Act" von 1994 einsetzt: Das Gesetz regelt, welche Zugriffsrechte Sicherheitsbehörden auf die Kommunikation der Bürger haben.

Da das Internet 1994 keine Rolle spielte, wollen die Sicherheitsbehörden die Gesetze nun anpassen - und haben dabei offenbar die Unterstützung der Obama-Regierung, die einen entsprechenden Entwurf dem US-Kongress vorlegen möchte.

Dieser wurde vor einigen Wochen verschiedenen Medien zugespielt und enthält reichlich Zündstoff: Demnach müssen Unternehmen, deren Produkte "Internetkommunikation ermöglichen", künftig eine digitale Hintertür offenhalten, um den Strafverfolgungsbehörden eine richterlich angeordnete Überwachung zu ermöglichen oder Beweise sicherzustellen.

Auch ausländische Firmen betroffen

Davon wären soziale Netzwerke wie Facebook, aber auch Anbieter von verschlüsselter Kommunikation wie der Voice-over-IP-Dienst Skype oder RIM (Blackberry) betroffen, die zukünftig Werkzeuge zur Entschlüsselung gesendeter Nachrichten bieten müssten.

Auch ausländische Unternehmen, die US-Bürgern Kommunikationsdienste anbieten, aber den Datenverkehr im Ausland abwickeln, sollen nach Angaben der New York Times künftig verpflichtet werden, einen Server in den USA aufzustellen, um die Nutzer abhörbar zu machen.

In der IT-Branche und bei Internet-Rechtlern stößt die Idee auf strikte Ablehnung: Die Unternehmen argumentieren, dass beispielsweise Firmen wie Skype ihre komplette Software-Architektur verändern müssten.

Der Einbau einer digitalen Hintertür könnte außerdem dazu führen, dass auch Hacker und andere Unbefugte diese entdecken und die Kommunikation überwachen. "Künftig soll also der Typ, der in seiner Garage oder in seinem Wohnheimzimmer die nächste großartige Anwendung baut, eine Sicherheitslücke für das FBI einbauen?, fragt der Greg Nojeim vom Project on Freedom, Security and Technology im Gespräch mit dem Internetdienst Marketwatch, "ich glaube nicht, dass wir das von ihm verlangen sollten."

Telefongesetze für das Internet

Das FBI hingegen, das dieses Jahr neun Millionen Dollar für die Verbesserung der Online-Abhörtechnik ausgibt, beharrt auf dem Standpunkt, dass die Ablösung des Telefons durch neue Technologien auch neue Gesetze und Zugriffsmöglichkeiten erfordere. Eine richterliche Genehmigung sei weiterhin nötig. weshalb Missbrauch ausgeschlossen sei.

Bereits heute haben Strafverfolgungsbehörden bei konkreten Verdachtsfällen Zugriff auf gespeicherte Informationen, eine Abhörmöglichkeit für den Internetverkehr war allerdings bislang gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) bezweifelt, dass dies notwendig ist, um die Strafverfolgung im Internet zu verbessern. Sie hat deshalb das US-Justizministerium und das FBI aufgefordert, konkrete Beispiele für Fälle zu nennen, die wegen einer fehlenden Internetüberwachung nicht aufgeklärt werden konnten.

Bislang haben beide Behörden trotz gesetzlicher Verpflichtung diese Informationen noch nicht veröffentlicht. Die EFF hat deshalb angekündigt, die Antworten gerichtlich einzuklagen.

Der Kampf hat begonnen

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