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Online-Dating:Online-Dating als Chance für Berufstätige

Das ist aber auch gar kein Wunder, schließlich ist es bereits nach Schule und Ausbildung gar nicht mehr so einfach, auf paarungswillige Menschen zu treffen. "Online-Portale sind eine gute Chance für all die jungen Berufstätigen, die zum Beginn ihrer Karriere nur noch wenig Zeit für die Partnersuche im realen Leben haben", bilanziert Blossfeld. Als problematisch sieht er allenfalls, "dass auf Online-Märkten bewusster auf gewünschte Kennwerte geachtet wird". Die Zufallsliebe wird weniger wahrscheinlich, wenn Suchende bereits vor der ersten Begegnung nach Figur oder gar Haarfarbe selektieren.

Oder gibt es Alternativen zu diesem oberflächlichen Ansatz, wie jene Online-Agenturen versprechen, die einen wissenschaftlichen "Weg zur harmonischen Partnerschaft" gefunden haben wollen? So erstellt Parship, einer der Marktführer in Deutschland, aus 74 indirekten Fragen eine angeblich "objektive Analyse der Persönlichkeit". Dieses Persönlichkeitsprofil wird nach einem Algorithmus per Computer mit allen anderen Profilen in der Datenbank abgeglichen; dann wird ihm eine Matching-Punktzahl zugeordnet: Je mehr Punkte, desto besser die Chancen für eine harmonische Partnerschaft. Parship meldet eine Erfolgsquote von 38 Prozent. Es ist eine spannende Frage, ob eine solche Mathematik der Liebe tatsächlich funktioniert.

Der Berliner Sozialpsychologe Gebauer hält es zumindest für plausibel: "Gleich und Gleich gesellt sich gern, das gilt in den meisten Fällen noch immer", sagt Gebauer. Zwar sei die Forschungslage noch unbefriedigend, "aber auch bei der Persönlichkeit scheint zu gelten, dass eine Beziehung besser läuft, wenn die Menschen sich ähnlich sind" - mit einer Ausnahme: "Dominante Menschen kommen besser mit submissiven Partnern klar."

Ob Matching-Verfahren funktionieren, ist ungewiss

Gegen diesen Konsens der Partnerbörsen-Branche wendet sich allerdings ein Forscherteam um den Sozialpsychologen Eli Finkel von der Northwestern University in einem aktuellen Review-Artikel im Fachmagazin Psychological Science in the Public Interest (Bd. 13, S.3, 2012). Zwar seien die Partnerbörsen hilfreich bei der Vermittlung von Kontakten, aber "bislang fehlt ein überzeugender wissenschaftlicher Beweis, dass irgendeiner der Online-Dating-Matching-Algorithmen tatsächlich funktioniert", sagt Finkel, zumindest dann nicht, wenn es nicht nur um Anfangsattraktivität gehen soll, sondern um Beziehungsstabilität.

So habe 2008 eine Metaanalyse von 313 Studien ergeben, dass ähnliche Persönlichkeit und Einstellungen keinen Effekt auf die Qualität einer Beziehung hätten. Und 2010 habe eine Studie an 23.000 verheirateten Paaren gezeigt, dass Ähnlichkeit in den wesentlichen Persönlichkeitsdimensionen nur 0,5 Prozentpunkte zur Zufriedenheit beitrug. Entscheidend seien vielmehr Beziehungsdimensionen, die sich erst im Paarleben zeigten: Kommunikationsstrukturen, Problemlösungsfähigkeiten, sexuelle Kompatibilität.

Doch das ist ein Vorwurf, den etwa die Matchmaking-Expertin von Parship, Sandra Spreemann, nicht auf sich sitzen lassen will. Man erstelle bereits weit mehr als ein Persönlichkeitsprofil. "Tatsächlich versuchen wir die Beziehungspersönlichkeit zu erfassen, wir versuchen zum Beispiel zu verstehen, wie jemand mit Konflikten umgeht." Auch berücksichtige man die aus der Forschung bekannte Einsicht, dass der Neurotizismus eines Partners der größte Negativfaktor für eine Beziehung ist. Weil aber die zugehörigen Fragen "sehr seltsam" klingen würden, "messen wir deshalb so etwas wie den Gegenpart, das heißt die positive Grundeinstellung".

Dating-Portale veröffentlichen keine Daten

Und überhaupt, der Erfolg gäbe dem Matching-Verfahren recht. So hätten eigene Studien unter Mitwirkung des Paarpsychologen Guy Bodenmann von der Universität Zürich gezeigt, "dass Online-Paare mit ihrer Beziehung im Durchschnitt zufriedener sind als Offline-Paare". Sie gründeten schneller einen gemeinsamen Haushalt, heirateten eher und bekämen früher Kinder. Bodenmann bestätigt, dass seine Analyse der von Parship erhobenen Daten zeigten, "dass die Online-Partnerschaften in nahezu allen Variablen statistisch signifikant besser abschnitten". Dies heiße aber noch nicht, "dass sie auch längerfristig bessere Voraussetzungen oder eine niedrigere Scheidungsrate haben werden".

Klarheit wird es erst geben, wenn die Daten in den Fachzeitschriften diskutiert werden könnten. Dagegen sträuben sich aber Unternehmen wie Parship, denn das würde voraussetzen, "dass wir unsere Matching-Algorithmen veröffentlichen", sagt Spreemann. "Das Parship-Prinzip ist jedoch unser Geschäftsgeheimnis, das wir unseren Wettbewerbern natürlich nur ungern offenlegen."

Die Kunden der Singlebörsen wird es nicht stören. Schließlich trinken sie auch Coca-Cola, ohne das geheim gehaltene Rezept zu kennen.

Zeitvertreib im Netz

Lebt wohl, Internetgiganten