Online-Anzeigen So funktioniert Googles Werbegeschäft

  • Anzeigen ins Internet zu bringen, ist ein kompliziertes Verfahren - welche Werbung ausgespielt wird und wie viel sie kostet, entscheiden Algorithmen.
  • Händler haben vielfältige Einstellungsmöglichkeiten und zahlen nur, wenn Nutzer tatsächlich auf ihre Anzeigen klicken.
  • Klickbetrug ist deshalb ein großes Problem für Werbefirmen wie Google.
Von Helmut Martin-Jung

Werbeanzeigen seriöser Unternehmen, ja sogar der britischen Regierung, auf islamistischen Internetseiten, auf der Webpräsenz von Holocaust-Leugnern und anderen Extremisten, das hat das Internet-Unternehmen Google in jüngster Zeit Kritik eingebracht. Doch wie konnte es dazu kommen, wie funktioniert eigentlich das Anzeigengeschäft im Netz?

Google, der Marktführer bei Internetwerbung, verdient das meiste Geld mit den eigentlich recht unscheinbaren Textanzeigen, die auf seinen eigenen Seiten, aber auch auf beliebigen anderen Seiten eingeblendet werden können. In diesem zweiten Fall werden die Betreiber der Seiten an den Erlösen beteiligt.

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Wie aber kommen die Anzeigen dorthin? Dahinter steckt ein ziemlich kompliziertes Verfahren. Dazu ein Beispiel: Das (fiktive) Fahrradgeschäft Müller will im Internet werben. Aber Fahrrad Müller möchte am liebsten, dass nur Menschen die Werbung sehen, die sich auch für Fahrräder interessieren, am besten solche, die vorhaben, sich demnächst eines zu kaufen. Und gut wäre auch, wenn nur Internetnutzer angesprochen würden, die in der Nähe von Fahrrad Müller wohnen.

Der Händler muss angeben, wie viel ihm ein Klick auf seine Anzeige wert ist

Alle diese Kriterien und noch einige mehr kann der Fahrradhändler auswählen, wenn er eine Anzeige aufgibt. Dies ist auch der wichtigste Grund, warum Google und andere Webfirmen gerne so viele Daten wie möglich über ihre Kunden speichern möchten. Platziert aber ist die Anzeige damit noch längst nicht. Im Gegensatz zu einer Zeitung, bei der man bezahlt und sich damit einen festen Platz im Blatt kauft, läuft die Sache im Netz ganz anders ab.

Unser Händler muss zuerst einmal angeben, wie viel es ihm wert ist, wenn ein potenzieller Interessent auf seine Anzeige klickt. Außerdem muss er Schlüsselwörter vergeben, zu denen seine Anzeige erscheinen soll. In seinem Fall wären das etwa die Wörter Fahrrad, Angebot, Fahrradreparatur und ähnliches.

Damit und mit der Art, wie seine eigene Internetseite aufgebaut ist, tritt Fahrrad Müller nun in Konkurrenz zu anderen Fahrrad-Inserenten. Wäre Fahrrad Müller eine Firma, die das Reizwort Fahrrad nur benutzt, um Kunden auf seine Seite zu locken, würden ihre Chancen stark sinken - außer sie wäre bereit, viel mehr pro Klick zu bezahlen.