Smartphone-Test: 7 Pro Oneplus kommt in der absoluten Oberklasse an - auch beim Preis

Das Onplus 7 Pro hat eine ausfahrbare Kamera (rechts) - und es hat seinen Preis.

(Foto: OnePlus)
  • Das Oneplus 7 Pro ist das mit Abstand beste Smartphone, das Oneplus bislang gebaut hat.
  • Es ist auch das mit Abstand teuerste: Das 7 Pro kostet bis zu 830 Euro.
  • Dank der verbesserten Kamera und dem brillanten Display bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis gewohnt gut.
Von Simon Hurtz

Oneplus bricht mit seinen Prinzipien. In den vergangenen fünf Jahren wurden die Smartphones des chinesischen Herstellers größer, schneller und teurer, doch eines blieb immer gleich: Es gab nur ein neues Gerät, simpel durchnummeriert von 1 bis 6, Zwischenmodelle erhielten den Zusatz T. In der siebten Generation wird es etwas komplizierter: Neben dem Oneplus 7 erscheint das Oneplus 7 Pro.

Die ungewohnte Produktvielfalt ist die offensichtlichste Neuerung, aber nicht die wichtigste. Oneplus ändert seine komplette Ausrichtung. Bislang lautete das Marketing-Versprechen: das bestmögliche Smartphone zum konkurrenzlosen Preis. Nun fällt der zweite Teil des Versprechens weg. Das Oneplus 7 Pro will das beste Smartphone sein - selbst wenn Geld keine Rolle spielt.

Je nach Ausstattung kosten die Geräte zwischen 710 und 830 Euro. Das ist immer noch deutlich weniger, als etwa Samsung für seine Spitzenmodelle verlangt, aber knapp 200 Euro teurer als der Vorgänger. Ist der Aufschlag gerechtfertigt? Das Oneplus 7 Pro im Test:

Kamera

"Das 6T schießt gute Fotos - aber keine sehr guten", schrieb die SZ über den Vorgänger. Bei der Bildqualität konnte Oneplus nie ganz mit Huawei, Samsung und Google mithalten. Das 7 Pro soll keine Kompromisse mehr machen - und das klappt. Die Kamera ist die mit Abstand beste, die Oneplus bislang verbaut hat.

Auf der Rückseite sitzen drei Objektive: die Hauptkamera mit 48 Megapixel, ein Weitwinkelobjektiv mit 16 MP und ein Teleobjektiv mit acht MP. Damit deckt Oneplus die gängigsten Brennweiten ab und ermöglicht dreifachen optischen Zoom. Passend zum Namenszusatz gibt es einen Pro-Modus, der Nutzern mehr manuelle Einstellungsmöglichkeiten bietet. Damit lassen sich etwa Bilder im unkomprimierten Raw-Format aufnehmen.

Am offensichtlichsten fällt die Verbesserung bei schlechten Lichtverhältnissen aus. Das neue Kamerasystem ist lichtstärker und holt bei Dämmerung mehr aus den Fotos heraus. Der spezielle Nachtmodus von Google und Huawei funktioniert noch etwas besser, aber der Vorsprung ist geschrumpft.

Die Frontkamera liefert solide Bildqualität für Selfies, fällt aber durch ihre Bauart auf: Das Objektiv steckt in einem kleinen Slider, der automatisch ein- und ausfährt. Im Test macht die Mechanik keine Probleme, die Kamera ist in Sekundenbruchteilen einsatzbereit und genauso schnell wieder verschwunden. Angeblich soll das System für 300 000 Bedienungen ausgelegt sein, das wären mehr als 150 Selfies pro Tag, fünf Jahre lang. Doch ein zusätzliches Bauteil mit elektronischer Steuerung ist eine mögliche Sollbruchstelle. Wie resistent der Mechanismus gegen Schmutz, Staub und Feuchtigkeit ist, weiß vermutlich nicht einmal Oneplus selbst.

Display

Der Bildschirm ist das Prunkstück des 7 Pro: Dank des Sliders braucht es keine Einkerbung für die Frontkamera. Das 6,67-Zoll-Display mit Amoled-Technologie ist riesig und nahezu randlos. Es leuchtet hell, bietet hohe Kontraste und stabile Blickwinkel und stellt Farben satt und kräftig dar. Hobby-Fotografen sollten den Anzeigemodus von "lebendig" auf "natürlich" ändern. Dann knallen die Farben weniger, sind aber näher an der Realität.

Ein Alleinstellungsmerkmal ist die Bildwiederholrate von 90 Hertz. Wenn Apps sie unterstützen, wirken Animationen weicher als mit der üblichen 60-Hertz-Rate. Vor allem beim Scrollen ist der Unterschied sichtbar, schnelle Bewegungen sind deutlich flüssiger. Das kommt auch Gamern zugute, die gern auf ihrem Smartphone spielen. Allerdings sind 90-Hertz-Displays bislang sehr selten, sodass viele Entwickler ihre Spiele und Apps noch nicht angepasst haben. Sind die Programme nicht kompatibel, schaltet das 7 Pro automatisch auf die Standard-Frequenz um.

Leistung

Ein 90-Hertz-Display lohnt sich nur, wenn dahinter leistungsstarke Hardware steckt, die es nicht ausbremst. Geschwindigkeit ist beim 7 Pro kein Problem. Wie in fast allen Premium-Smartphones kommt als Prozessor ein Snapdragon 855 zum Einsatz, der bei normaler Nutzung nie an seine Grenzen stößt. Das 7 Pro ist das erste Smartphone mit dem besonders schnellen UFS-3.0-Speicher. Dadurch starten fast alle Apps unmittelbar nach dem Tipp aufs Icon. Auch sonst lässt sich das Gerät ohne Verzögerung bedienen und hängt die restliche Android-Oberklasse nochmal ein Stück ab.

Haptik

Mit mehr als 200 Gramm ist das 7 Pro vergleichsweise schwer. Die Verarbeitung wirkt hochwertig, die Konstruktion aus Glas und Metall fühlt sich edel an. Das Material ist allerdings relativ rutschig, sodass sich eine Hülle empfiehlt. Die schicken Farbtöne auf der Rückseite sind eher eine Spielerei. Etwas nervig ist das gekrümmte Display. Das mag hübsch aussehen, führt aber gelegentlich zu ungewollten Eingaben, wenn man das Smartphone in der Hand hält. Von der Optik abgesehen bieten die gebogenen Glasränder keinen Vorteil.

Neue Technik

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Der Fingerabdruck-Sensor versteckt sich auf der Vorderseite unterhalb des Displays. Das Gerät lässt sich damit zuverlässiger und schneller entsperren als der Vorgänger. Die Platzierung des Sensors ist Geschmackssache: Wer das Smartphone häufig neben sich auf dem Tisch liegen hat, wird sich freuen. Wer es oft unterwegs aus der Tasche zieht, tut sich anderen Geräten leichter, die den Sensor auf der Rückseite haben. Alternativ lässt sich das 7 Pro auch über die Frontkamera aktivieren. Diese Gesichtserkennung ist aber weniger sicher als der Fingerabdruck und lässt sich von Kriminellen mit ausgedruckten Fotos oder 3D-Modellen überlisten.

Akkulaufzeit

Das 7 Pro ist kein Ausdauerwunder, hält bei normaler Nutzung aber locker einen Tag durch. Wer längere Laufzeiten braucht, kann Auflösung und Helligkeit des Displays reduzieren oder die Bildwiederholfrequenz auf 60 Hertz drosseln. Oneplus hat eine eigene Ladetechnologie namens Warp-Charge entwickelt. Der Vorteil: Das Smartphone wird schnell und vor allem ohne Hitzeentwicklung geladen, weil die Technik im Netzteil sitzt. Der Nachteil: Warp-Charge funktioniert nur mit Original-Ladegerät, bedeutet: noch ein Netzteil und noch ein Kabel mehr. Auch auf drahtloses Laden verzichtet Oneplus.

Software

Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern verzichtet Oneplus darauf, das Standard-Android allzu tiefgreifend zu verändern. Gut so, denn meist verschlimmbessern diese Eingriffe das Betriebssystem. Es gibt kaum Bloatware und vorinstallierte Apps. Oneplus nennt seine Oberfläche OxygenOS. Optisch ähnelt es dem nackten Android, das Google auf seinen Pixel-Smartphones installiert.

Die wenigen Zusatzfunktionen bieten dafür echten Mehrwert. Dazu zählen ein systemweiter Dark-Mode, ein Screen-Recorder und eine brauchbare Gestensteuerung. Leider bietet Oneplus immer noch kein Always-On-Display an, auf dem Uhrzeit und eingehende Benachrichtigungen angezeigt werden. Angeblich frisst das zu viel Strom - andere Hersteller schaffen es aber auch, ohne dass die Akkulaufzeit spürbar leidet.

Wer garantierte Updates will, hat nach wie vor nur zwei Möglichkeiten: Apple oder Google. Unter den Android-Herstellern zählt die Update-Politik von Oneplus immerhin zu den zuverlässigeren. Alle zwei Monaten erscheinen Sicherheitsupdates. Neue Android-Versionen werden meist ohne große Verzögerung für Oneplus-Geräte angepasst und veröffentlicht. Gerade erst hat das drei Jahre alte Oneplus 3 ein Update auf Android 9 erhalten. Derart langfristiger Support ist ungewöhnlich und erfreulich.

Pro

  • das beste Display aller Smartphones
  • verbesserte Kamera
  • sehr gute Leistung

Contra

  • keine IP-Zertifizierung für Wasserresistenz
  • kein Wireless Charging
  • kein SD-Karten-Slot
  • keine Klinkenbuchse

Fazit

Beim Oneplus 7 Pro bekommt der Käufer immer noch viel Smartphone fürs Geld. Nur das Verhältnis hat sich verschoben: Das 7 Pro bietet mehr Leistung für mehr Geld als frühere Oneplus-Geräte. Mit dem Pixel 3a wildert Google in der Mittelklasse, dafür drängt Oneplus mit dem 7 Pro in die Oberklasse. Das Smartphone ist immer noch etwas günstiger als die Konkurrenz, die Hardware mindestens genauso gut.

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