Oled-Technik Bildschirme von morgen

Der südkoreanische Hersteller LG gehört zu den führenden Anbietern von organischen Leuchtdioden, zum Beispiel wie hier für TV-Geräte.

(Foto: Kim Hong-Ji/Reuters)

Organische Leuchtdioden: Japan ist drauf und dran, bei der zukunftsträchtigen Technik ins Hintertreffen zu geraten - Innovation kommt vor allem aus Korea.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Ein Bildschirm, dünn wie Papier, der gerollt werden kann: Der koreanische Elektronikkonzern LG wird diese Woche bei der Konsum-Elektronik-Show CES in Las Vegas eine "digitale Zeitung" vorstellen. Um die Zeitungsbranche geht es den Koreanern damit freilich gar nicht, jedenfalls vorerst nicht. Viel eher soll der Prototyp zeigen, wie sehr die Technik der organischen Leuchtdioden (Oled) anderen Bildschirmtechniken überlegen ist. Erst sie nämlich macht flexible und gebogene Bildschirme erst möglich.

Einige LG-Smartphones und die meisten Modelle von Samsung haben schon seit längerem Oled-Anzeigen. Kürzlich wurde bekannt, Apple wolle seine iPhones ab 2018 ebenfalls mit Oled ausrüsten. Für Japans Bildschirm-Produzenten, "Japan-Display" und Sharp, ist dies ein herber Schlag.

In Oled-Bildschirmen leuchten Dioden aus organischen Chemikalien, in LCD-Anzeigen sind es Flüssigkristalle. Diese Anzeigen müssen von hinten beleuchtet werden, meist mit Leuchtdioden. Oled-Anzeigen dagegen leuchten selber. Sie verbrauchen weniger Strom, da bei der LCD-Anzeige auch die dunklen Bereiche hinterleuchtet werden - bei Oled dagegen nur jene Bildpunkte, die tatsächlich aufscheinen.

Flüssigkristalldioden müssen in Glas eingebettet sein, die Anzeigen mit organischen Leuchtdioden sind wesentlich dünner; es können auch weiche, biegbare Kunststoffe sein. Oled, von denen es in verschiedenen Technologien gibt, bilden größere Kontraste ab und haben schnellere Reaktionszeiten, sie gelten auch als farbechter. Andererseits sind Oled bisher teurer als LCD, ihre Herstellung ist komplexer, ihre Lebensdauer kürzer.

Andrerseits steckt die Technologie noch in einem frühen Stadium, sie dürfte sich verbessern und billiger werden, besonders auch der Produktionsprozess. Bisher stellen nur wenige Unternehmen Oled-Displays her, Samsung hatte vor einigen Jahren einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent. LG und Samsung haben als einzige bereits Oled-Fernseher für Verbraucher in den Handel gebracht.

Der chinesische Hersteller Lenovo kündigt Laptops mit Oled-Anzeigetechnik an

Bisher schien unklar, wann und ob Oled sich für Smartphones - jenseits von Samsung - durchsetzen würde. Nokia hatte einige Modelle schon vor sechs Jahren mit der Technologie ausgestattet. Es gibt Nexus-Handys von Google, Modelle von Sony, HTC und einiger weniger bekannter Marken wie Meizu und OnePlus mit Oled-Displays. Die meisten Smartphones jedoch und vor allem Apples iPhones blieben bei den herkömmlichen Displays mit Flüssigkristallen. Andrerseits bauen einige Hersteller bereits Tablets mit Oled, Lenovo hat diese Woche sogar Laptops mit Oled-Bildschirmen angekündigt.

In den letzten Jahren wurde immer wieder diskutiert, ob Oled-Anzeigen die etablierten LCD-Anzeigen verdrängen können. Skeptiker meinen, die deutlich teurere Herstellung von Oled zahle sich nicht aus, da die heutige LCD-Technik, optimiert mit Zusatztechnologien, die theoretische Überlegenheit von Oled wettmache. Mit der Ankündigung, das iPhone ab 2018 mit Oled auszurüsten, hat Apple diese Diskussionen nun quasi beendet.

Als Trendsetter macht der Branchenführer Oled zur ernsthaften Konkurrenz von LCD, vielleicht sogar zur Technologie der Zukunft. Zumal Apple angekündigt hat, mit Blick auf Oled in Taiwan ein Forschungsinstitut für die Weiterentwicklung von Displays zu übernehmen.

Sony brachte vor etwa zehn Jahren als erstes Unternehmen einen Oled-Fernseher auf den Verbraucher-Markt. 2012 ging die Firma als Pionier ein Joint-Venture mit Panasonic zur Massenproduktion großer Oled-Anzeigen ein. Schon anderthalb Jahre später aber wurden die gemeinsamen Pläne als wieder aufgegeben - weil zu teuer. Die Medien deuteten dies damals als Ende der Oled-Technologie. Oled-Endgeräte produziert Sony nur mehr für den Profi-Einsatz, Oled-Anzeigen lediglich als Komponenten.

Etwa seit der Jahrtausendwende hat Japan seine Führungsrolle in der Verbraucher-Elektronik Schritt für Schritt eingebüßt. In Tokio tröstete man sich meist mit dem Argument darüber hinweg, die wichtigsten und heikelsten Komponenten jedes iPhones würden in Japan oder von japanischen Firmen hergestellt. Allerdings zu äußerst knappen Margen, während Apple an jedem iPhone etwa 40 Prozent, am iPhone 6 nach Schätzungen sogar bis zu 69 Prozent verdient.

Sharp, einst neben Samsung Apples zweiter Display-Lieferant, ist dabei, die Herstellung kleiner Bildschirme abzustoßen. "Japan Display", eine Auffanggesellschaft, in der die Herstellung kleiner LCD-Anzeigen von Sony, Toshiba und Hitachi mit staatlicher Unterstützung weitergeführt wird, beginnt erst jetzt, viel zu spät, die Massenproduktion von Oleds zu entwickeln. Für Apples 2018er-Modelle kommen die Japaner damit zu spät. Und nun müssen sie auch um ihr übriges Geschäft fürchten. Japan-Display macht 80 Prozent ihres Umsatzes mit LCDs für Smartphones. Derweil bauen verschiedene Firmen in China neue Fabriken für kleine Oled-Anzeigen.