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Nordkorea:US-Forscher drohen 20 Jahre Gefängnis für Krypto-Nachhilfe

Kryptowährungen werden mit Hilfe riesiger Rechner "geschürft".

(Foto: Lars Hagberg/AFP)

Der US-Kryptowährungsexperte Virgil Griffith hat bei einer Konferenz in Nordkorea gezeigt, wie die Blockchaintechnologie dem Regime von Kim Jong-un helfen kann. Jetzt wurde Griffith in den USA festgenommen.

Das nordkoreanische Regime steht seit längerer Zeit im Verdacht, mit Hilfe sogenannter Kryptowährungen internationale Sanktionen zu umgehen. Jetzt haben amerikanische Strafverfolgungsbehörden den Digitalwährungsexperten Virgil Griffith festgenommen, der sensible Informationen über die Technologie an die nordkoreanische Regierung weitergegeben haben soll, teilte die Staatsanwaltschaft Manhattan mit.

Kryptowährungen, wie zum Beispiel Bitcoin, können unabhängig von Regierungen und Zentralbanken über das Internet gehandelt werden und entziehen sich dadurch der staatlichen Kontrolle.

Griffith ist ein 36-jähriger amerikanische Hacker, Wissenschaftler und Fachmann der sogenannten Blockchain-Technologie, auf der Kryptowährungen basieren. Er wurde vergangenen Donnerstag am Flughafen von Los Angeles festgenommen. In einer Mitteilung warf der zuständige New Yorker Staatsanwalt Geoffrey Berman dem US-Bürger vor, spezialisierte technische Informationen an das nordkoreanische Regime zur Verfügung gestellt zu haben - und zwar in dem Wissen, dass das Land damit Geldwäsche betreiben und Sanktionen umgehen könne. Griffith habe auf diesem Weg die vom amerikanischen Präsident und Kongress verhängten Sanktionen gefährdet, die dazu dienten, maximalen Druck auf das Regime auszuüben, so der Staatsanwalt.

Warnung des Außenministeriums

Griffith, den das New York Time Magazine 2008 als "Kult-Hacker" bezeichnet hatte, hat im April an einer Konferenz zum Thema Blockchain und Kryptowährung in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang teilgenommen - trotz expliziter Warnung des amerikanischen Außenministeriums.

Schon zuvor hatte sich Griffith über das diktatorische Regime um Machthaber Kim Jong-un geäußert. Bereits im vorigen Jahr hatte Griffith mehrfach über Nordkorea getwittert: Ende Juni dieses Jahres schrieb er, dass neue multinationale Standards für Kryptowährungen dem isolierten Regime "eine Marktchance" bieten würden und es eine eigene Börse aufbauen könnte. Im August twitterte Griffith dann ein Bild von seinem Visum für den Besuch in Nordkorea.

In jüngster Vergangenheit gab es Berichte der Vereinten Nationen, wonach Nordkorea Cyberangriffe auf Banken und Plattformen für Kryptowährungen nutzte, um Geld für sein Atom- und Raketenprogramm zu stehlen. Bei insgesamt 35 bekannten Attacken soll sich der Schaden auf bis zu zwei Milliarden Dollar belaufen.

Griffith ist in der Szene der Digital-Vordenker sehr bekannt. Zusammen mit Programmierer und Aktivist Aaron Swartz hatte er den "Tor2web"-Browser entwickelt, mit dem sich das Darknet wie über einen gängigen Internet-Browser ansteuern lässt. Im Darknet, einem nur schwer einsehbaren Teil des Internets, werden auf virtuellen Marktplätzen Transaktionen mit Kryptowährungen abgewickelt. Zuletzt war Griffith für die Plattform Ethereum tätig, die zu Blockchain- und Kryptowährungstechnologie forscht und die Digitalwährung Ether bereitstellt.

Griffith war 2015 nach Singapur gezogen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Amerikaner bis zu 20 Jahre Haft.

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