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Neue Regeln:Telefonieren in der EU wird günstiger

A concert ticket vendor dressed in a historic costume sits on a bench while making a phone call in Vienna, Austria

Auch Anrufe aus Österreich werden billiger. (Symbolbild aus Salzburg)

(Foto: Heinz-Peter Bader/Reuters)

Bisher kostete ein Anruf aus dem deutschen Netz in ein EU-Land bis zu zwei Euro. Ab Mitte Juli sind es 19 Cent. Dem Verbraucherzentrale Bundesverband geht die Regelung nicht weit genug.

Für Anrufe und SMS ins europäische Ausland gibt es ab Mittwoch eine Preisobergrenze. Dann kosten Telefonate in andere EU-Länder nur noch maximal 19 Cent pro Minute, SMS maximal 6 Cent. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer. Darauf hatten sich das Europaparlament und die EU-Staaten vergangenen Juni geeinigt. Die automatische Umstellung auf den neuen Tarif erfolgt nun Mitte Juli 2019. Verbraucher, die bereits vorher günstiger telefonieren möchten, müssen die Tarifumstellung bei ihrem Telefonanbieter veranlassen.

Nachzuhören, wie es den Bekannten im Spanienurlaub geht, konnte bislang teuer werden. Laut dem Europäischen Verbraucherverband kosteten Auslandsgespräche mit dem Handy in Deutschland bis zu 1,99 Euro pro Minute. Anstatt also im schlimmsten Fall über 200 Euro, müsste man bei einem zweistündigen Telefonat nach Spanien mit der neuen Regelung maximal 27 Euro bezahlen.

Bereits vor knapp zwei Jahren entfielen die Extragebühren für Gespräche und Kurznachrichten aus fremden EU-Netzen, das sogenannte Roaming. Seitdem kann man sich mit einem deutschen Mobilfunkvertrag etwa aus Frankreich bei den Eltern melden, ohne eine Änderung der Konditionen fürchten zu müssen. Nun werden die Gebühren für Sprachanrufe und SMS vom einheimischen Netz ins Ausland gedeckelt. Ob dabei Handy oder Festnetztelefon verwendet wird, spielt keine Rolle.

Verbraucherzentrale sieht noch Luft nach oben

Susanne Blohm von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt den Schritt: "Preise sollten nicht davon abhängen, ob ein Dienst im Inland erbracht wird, oder eine Grenze überschreitet", sagt sie. Trotzdem sehe sie bei der Regelung noch "Luft nach oben". Der Beschluss sei ein Kompromiss, da die Gesprächskosten innerhalb eines Landes immer noch günstiger sein könnten. Blohm fordert gleiche Preise für Gespräche, unabhängig vom Ziel des Anrufs, sofern sich dieses innerhalb der EU befindet. Grundsätzlich sei die Regelung für Verbraucher aufgrund der Kostenersparnis positiv zu bewerten.

In einer europaweiten Umfrage im Auftrag der EU-Kommission gaben 20 Prozent der Befragten an, Freunde im Ausland per SMS oder Anruf künftig häufiger kontaktieren zu wollen. Neben den 28 EU-Ländern gelten die neuen Vorschriften bald auch in Norwegen, Island und Liechtenstein. Die Bundesregierung erarbeitet derzeit nationale Sanktionsmöglichkeiten für Anbieter, die gegen die neuen Regeln verstoßen.