bedeckt München 21°

Neue Oberklasse-Smartphones:Schönheit, die ihren Preis hat

Das One dagegen ist aus einem "Guss" - fast jedenfalls, einige Kunststoffapplikationen lockern das Bild. Spaltmaße sind keine zu erkennen. Diese Schönheit hat ihren Preis. Zum einen will ich nicht wissen, wie das Gerät nach einem Aufprall am Boden aussieht. Aluminium verformt sich nun mal. Zum anderen erlaubt die Bauform nicht, dass sich der Akku wechseln lässt, und auch einen Einschub für Speichererweiterungen sucht man vergebens. Ein-Aus-Schalter und Lautstärketasten schließen bündig ab und lassen sich kaum ertasten. Die eingebaute Batterie hat bei mir problemlos einen Tag überstanden, mehr schafft auch ein S3 nicht. Mehr allerdings ist auch nicht drin.

Laut Battery Widget Reborn hält der Akku bei meiner durchschnittlichen Nutzung 17 Stunden, das entspricht ziemlich genau dem Wert, den das S3 anzeigt (wobei die Zeitreihe beim One nur wenige Tage, beim S3 einige Monate alt ist). Der "kleine" Speicher genügt mit 32 Gigabyte meinen Ansprüchen, 26 Gigabyte sind für den Anwender frei, den Rest belegt das System. Es soll noch eine Version mit dem doppelten Speicherplatz auf den Markt kommen. Für den Normalanwender spielen verbauter Akku und begrenzter Speicher keine Rolle. Beides reicht.

Der Eindruck, dass es sich beim One letzten Endes um ein Wegwerfhandy handelt, will aber nicht so ganz passen, weder zur Smartphone-Oberklasse, noch in eine Welt, in der Nachhaltigkeit zumindest wichtiger wird. Ist der Akku defekt, fällt das Gerät auf den Boden, reicht in einigen Jahren der Speicher nicht mehr - dann fliegt das Gerät auf den Müll. Laut iFixit ist es so gut wie irreparabel. Die Ingenieure der Web-Testseite geben dem One einen von zehn Punkten auf ihrer Reparaturskala - einer der schlechtesten Werte jemals.

Bei der Software hat sich HTC beim One erfreulich zurückgehalten. Die Oberfläche Sense ist in einer leicht aufpolierten Version vorinstalliert. Wichtigste Neuerung: Blinkfeed - ein kleines Programm, mit dem sich Nachrichten abrufen lassen, von Agenturen wie dpa, Internetseiten wie Engagdet ebenso wie von sozialen Netzen, beispielsweise Twitter oder Facebook. Blinkfeed ist hübscher als gedacht, aber auch unflexibel, etwa was das Hinzufügen neuer Quellen angeht. Außerdem ist es nicht möglich, die Nachrichtenanzeige zu löschen. Warum auch immer. Wen es stört: Im App Store von Google gibt es eine Reihe anderer Launcher, also Programme, mit denen sich das Android-System so wie Sense steuern lässt - und die meisten sind besser als der von HTC.

Laut wie eine Motorsäge

Die andere Neuerung: Zoe Share. Damit lassen sich kleine Filme machen und auf einfache Weise an Freunde, Bekannte und Familie verteilen. Brauche ich nicht. Die Kamera allerdings begeistert. Der Hersteller verbaut nur vier Megapixel, der Sensor allerdings sorgt für größere Pixel, damit eine höhere Lichtausbeute. Die Blende kommt auf maximal f2.0. Im Test brachte das hübsche Fotos, auch bei schlechtem Licht. Noch eine Besonderheit: Der Klang der Lautsprecher ist für ein Smartphone phänomenal. Die One-Lautsprecher bringen es auf 93 Dezibel. Das ist so laut wie eine Motorsäge. Da freue ich mich schon auf S-Bahn-Fahrten, bei der Jugendliche mich mit den neuesten Musiktrends beschallen.

Die inneren Werte passen: Moderner Prozessor, ausreichend Arbeitsspeicher. Da ruckelt nichts. Sogar Telefonieren lässt sich mit dem One, und das in guter Qualität. Das 4,7-Zoll-Display löst mit 1920 x 1080 Pixeln in Full HD auf. Das ergibt eine Pixeldichte von 468 ppi - im Vergleich zum Retina-Wert bei iPhone von "nur" 300 ppi.

So könnte das One für ein Comeback der angeschlagenen HTC sorgen - oder auch nicht. Spannend wird es, wenn das S4 erhältlich ist. Dann zeigt sich, ob das One wirklich das Zeug zum Galaxy-Killer hat oder nur eine Luftnummer ist. So wie auch der wahre iPhone-Killer noch geboren werden muss. Das iPhone ist in der Smartphone-Oberklasse nach wie vor ungeschlagen.

In einer früheren Version dieses Textes hieß es, das HTC One wiege nur drei Gramm mehr als das iPhone. Das stimmt nur, wenn man es mit dem iPhone 4S vergleicht (140 Gramm). Bei einem Vergleich mit dem iPhone 5 allerdings, um den es in diesem Text geht, fällt der Unterschied größer aus. Dieses wiegt nur 112 Gramm.