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Neue Internetadressen:Amazon muss auf ".amazon" verzichten

Die globale Netzverwaltung Icann berät derzeit, welche neuen Domains es in Zukunft geben soll. Erste Entscheidungen sind bereits gefallen: Zwei US-Unternehmen müssen auf ihre Wunsch-Adressen verzichten. Die Begründung dafür liegt in der südamerikanischen Geografie.

Von Mirjam Hauck

Im südafrikanischen Durban wird gerade über die Zukunft des Internets verhandelt: Die Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), jene Organisation, die das Adresssystem im Internet verwaltet, berät dort, welche neuen Top-Level-Domains (TLD) zusätzlich eingeführt werden sollen. Gab es bei Internetadressen bislang vor allem länderspezifische Endungen wie ".de" oder die sogenannten generischen Endungen wie ".com" oder ".net", soll es künftig erheblich mehr Varianten geben.

Der Bedarf an neuen Adressen ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, kurze oder einprägsame Internetadressen sind so gut wie nicht mehr auf dem Markt. Deshalb startete die Icann im vergangenen Jahr eine Bewerbungsrunde für neue Adressen. Die Resonanz war groß, mehr als 1000 Anträge gingen ein.

Selbst der Vatikan hat sich daran beteiligt. Die Kirche möchte sich unter anderem die Endung ".katholisch" auf Mandarin (Hochchinesisch) und mit chinesischen Schriftzeichen sichern - ".天主教". Aber auch viele Firmen wie Google und Apple hätten gerne den eigenen Unternehmensnamen als Top-Level-Domain, um sich so Adressen wie beispielsweise "android.google" oder "iphone.apple" sichern zu können.

Südamerikanische Staaten gegen ".amazon"

Zu den Unternehmen, die ihren eigenen Namen als Adressendung haben möchten, gehört auch Amazon, das sich für ".amazon" beworben hatte. Doch das Governmental Advisory Committee der Icann hat nun beschlossen, Amazon seinen Wunsch nicht zu erfüllen. Zwar hat das Gremium, in dem Regierungsvertreter aller Staaten sitzen, nur beratenden Charakter. Bislang hat die Icann aber immer den Wünschen des Beirats entsprochen.

Vor allem südamerikanische Staaten, durch deren Staatsgebiet der Amazonas fließt, haben das Vorhaben des Online-Händlers verhindert. Sie argumentierten, dass es nicht fair sei, dass ein Konzern die alleinigen Namensrechte bekomme. Schließlich heißt der wasserreichste Fluss der Erde auf Englisch "Amazon River".

In einer ersten Reaktion hieß es von Amazon, dass man mit der Icann an einer zufriedenstellenden Lösung für alle Beteiligten arbeite. Das Unternehmen will sich auch noch weitere TLDs sichern, darunter ".kindle" oder ".shop".

Das Komitee der Icann hat aus ähnlichen Gründen noch einen weiteren Begriff abgelehnt. Die US-amerikanische Outdoor-Bekleidungsfirma Patagonia wollte sich die Top-Level-Domain ".patagonia" sichern - ein Name, der auch eine Landschaft in Argentinien und Chile bezeichnet.

Andere - unstrittige Internetadress-Endungen - hat die Icann mittlerweile genehmigt. Darunter das arabische Wort für "Web" (.شبكة) und die russische Bezeichnung für "Online" mit kyrillischen Buchstaben (.онлайн).

© Süddeutsche.de/sebi/leja

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