Neue Funktion:Telefonieren mit Whatsapp

Whatsapp Messenger

Whatsapp will nach Hause telefonieren

(Foto: dpa-tmn)

Whatsapp startet erste Tests für seine Telefon-Funktion. Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht. Die App gibt es nicht in Googles Play Store - und reibungslos läuft sie auch nicht.

Von Varinia Bernau

Whatsapp gehört zu den beliebtesten Apps überhaupt. Wohl auch, weil sich damit kostenlose Kurznachrichten verschicken lassen. So hat Jan Koum, der den Dienst vor sechs Jahren gründete, den Mobilfunkanbietern das Geschäft abgegraben. Bei seinem Auftritt vor einem knappen Jahr beim wichtigsten Branchentreff in Barcelona wurde er gefeiert wie ein Popstar. Nebenbei erwähnte er, dass er demnächst auch noch einen Telefondienst starten werde. Er könne es kaum erwarten, ins Flugzeug zu steigen und weiter daran zu tüfteln.

Nun folgen der Ankündigung Taten: Whatsapp hat mit ersten Tests der Telefonfunktion auf Smartphones des mobilen Betriebssystems Android begonnen, wie in dem Diskussionsforum Reddit berichtet wird. Um die Telefoniefunktion nutzen zu können, benötigt man die aktuelle Version von Whatsapp, die allerdings nicht in Googles Play Store zu finden ist, wo alle gängigen Apps für Android angeboten werden. Man muss sie direkt von der Internetseite von Whatsapp herunterladen - und selbst dann läuft das mit dem Telefonieren noch nicht unbedingt. Bei Reddit berichten einige Leute davon, dass sie die Option erst von jemandem aus ihrer Kontaktliste bestätigen lassen mussten, ehe sie telefonieren konnten. Bei anderen reichte es aus, die App zu schließen und wieder zu öffnen. Hilfreicher ist es wohl, sich noch etwas in Geduld zu üben.

Die Mobilfunkanbieter verlieren Milliarden. Dennoch wollen sie nicht von Konkurrenz sprechen

Damals in Barcelona hatte sich Koum noch großspurig gegeben: Bis zum Sommer wollte er die Telefonfunktion einführen. Aber bereits im Oktober musste er einräumen, dass die Sache technisch kniffliger sei als angenommen - und der Telefondienst erst in diesem Jahr verfügbar sein werde. Whatsapp, seit einem knappen Jahr unter dem Dach des Internetkonzerns Facebook, will seinen Telefondienst so zusammenzurren, dass er in Mobilfunknetzen mit schmalen Spuren für den Datenverkehr funktioniert. Das soll vor allem Menschen in Entwicklungsländern locken.

Derzeit nutzen 700 Millionen Menschen weltweit Whatsapp, um sich Kurznachrichten zu senden. Das Marktforschungsunternehmen Ovum hat berechnet, dass den Telekommunikationsanbietern durch internetbasierte Dienste wie Skype, Lync oder eben Whatsapp zwischen 2012 und 2018 Umsätze in Höhe von 386 Milliarden Dollar verloren gehen. Der entscheidende Grund: Viele nutzen diese Dienste über Landesgrenzen hinweg, um sich die hohen Roaminggebühren zu sparen.

Die hiesigen Mobilfunkanbieter wollen den Vorstoß von Whatsapp dennoch nicht als Bedrohung verstanden wissen. Auch die Analysten von Ovum betonen in ihrem Bericht, dass die Mobilfunker verlorenes Terrain kaum dadurch gutmachen könnten, dass sie die Dienste aus ihren Netzen verbannen oder eigene anbieten. Manche haben den einstigen Feind kurzerhand zum Freund erklärt: E-Plus bietet etwa eine spezielle Sim-Karte unter der Marke Whatsapp an. Damit lassen sich auch dann noch Whatsapp-Nachrichten verschicken, wenn das Guthaben für SMS bereits aufgebraucht ist. Bei E-Plus hofft man so Kunden zu locken, die ihr Smartphone auch zu anderen Zwecken nutzen - Whatsapp lässt sich am Umsatz des Mobilfunkanbieters beteiligen.

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