Neue Form der Raubkopie Chinesen fälschen Apple-Store

Schon lange kämpfen Unternehmen gegen illegale Kopien ihrer Produkte in China. Kleidung, Musik, Smartphones oder Fernseher: Fast alles lässt sich in gefälschter Form auf Märkten kaufen. Kopierte Computerläden waren bisher allerdings noch nicht bekannt.

Von Lukas Köhler

Das Kopieren an sich hat in China eine tief verankerte Tradition. Den Lehrmeister nachzuahmen, ja sogar zu übertreffen, versprach gesellschaftlichen Aufstieg. Doch seit die Marktwirtschaft auch in China Einzug hält, kämpfen vor allem westliche Firmen und die Industrie gegen die aus ihrer Sicht illegalen Kopien von Produkten im Land. So auch Apple.

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Die Begeisterung vieler Chinesen für die iPhones und iPads des kalifornischen Herstellers, der selbst seine Produkte dort produzieren lässt, lockt auch viele Betrüger an. Äußerlich dem Original sehr ähnliche Geräte sind in den vergangenen Jahren immer wieder auf dem chinesischen Markt erschienen. Doch bei der technischen Ausstattung haperte es meist: Die Geräte waren also leicht zu identifizieren.

Was eine 27-jährige Bloggerin in der Stadt Kunming im Südwesten des Landes nun aber entdeckte, scheint so selbst in China noch nicht da gewesen zu sein: Nicht die Geräte, sondern der gesamte Laden - der typische "Apple Store" - sei kopiert worden. Der Nachrichtenagentur AFP erklärte sie, dass auf den ersten Blick alles bestens scheine: Die Geräte sehen aus wie die von Apple, und die Verkäufer tragen alle ein offizielles T-Shirt von Apple sowie das typische Namensschild um den Hals.

Doch schon der Name des Ladens verrate die Fälschung: Echte Apple-Läden zeigen nur das Logo der Firma, den angebissenen Apfel. Auf ihren Bildern ist allerdings deutlich der Schriftzug "Apple Store" zu erkennen - sowohl auf Englisch, als auch auf Chinesisch.

Weiter schreibt die Bloggerin, wer sich die Ausstattung der Läden genau ansehe, die von der typischen Theke bis zur Auslage dem Original nachempfunden sei, entdecke schnell Ungereimtheiten: Auf den Namensschildern der Verkäufer stehe einfach nur "Mitarbeiter", kein Name. Auch die Wandfarbe sei unsauber aufgetragen.

Bei einem Spaziergang durch Kunming habe sie noch zwei weitere falsche Apple-Läden entdeckt, berichtete die Bloggerin - der eine heiße "Apple Stoer". Wohl ein Fehler, der beim Ankleben der Buchstaben passiert ist. Eine Sprecherin von Apple in China wollte die Entdeckungen gegenüber AFP nicht kommentieren. Auf der Unternehmensseite von Apple werden vier Läden in China aufgelistet - zwei in Peking und zwei in Shanghai.

Handelt es sich um Reseller?

Damit scheint klar zu sein: Um offizielle "Apple Retail Stores" kann es sich nicht handeln. Doch gibt es neben den offiziellen Geschäften auch die sogenannten "Reseller", also Vertriebspartner, die von Apple lizenziert sind, das aber auch deutlich kennzeichnen müssen. Zwar prangt auch an diesen Läden meist der angebissene Apfel, allerdings mit dem Zusatz "Authorized Reseller".

Auch in Deutschland ähneln diese Geschäfte häufig in Art und Aufmachung dem typisch puristischen Apple-Design. Auf der Apple-Store-Homepage lassen sich für Kunming mehrere solcher Reseller finden, allerdings befinde sich laut der Bloggerin keiner der fotografierten Läden an den angegebenen Adressen. Sie betont in einem Kommentar zu ihrem Blogeintrag: "Es handelt sich um Läden, die so tun, als wären sie echte Apple-Stores."

Ob auch die Produkte in den Läden Fälschungen waren, konnte die Bloggerin nicht sicher klären. Auf ihre Nachfrage stellte sich aber heraus, dass die Angestellten fest davon überzeugt seien, für das echte Apple-Unternehmen zu arbeiten.

Trotzdem erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass Apple, bekannt für rigide Vorschriften gegenüber Mitarbeitern, einen so schlampigen Umgang mit seinem Firmenimage akzeptieren würde. Firmenchef Steve Jobs dürften diese Bilder wohl nicht gefallen.