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Netzneutralität:Das Zwei-Klassen-Netz

Skype ist den Mobilfunkbetreibern als lästiger Wettbewerber zu ihren Sprachdiensten ein Dorn im Auge. Bei großem Zuspruch zu dem Kostenlos-Dienst müssten die Netzanbieter mehr Kapazitäten zur Verfügung stellen, ohne dafür mehr zu kassieren. Auch beim zweiten Beispiel, das Cawley nannte, spielt Skype eine Rolle.

Dabei geht es um die Blockierung von Mobilfunktelefonen bestimmter Dienste in Nokia-Telefonen durch Orange und Vodafone in England. Unter anderem galt die Attacke dem vorinstallierten Skype. "Wir behalten uns eine unterschiedliche Bepreisung von Diensten vor, und auch die Blockierung von Diensten, die wir nicht verstehen", kommentiert Richard Feasey, Director Public Policy bei Vodafone, die Haltung seines Unternehmens.

Im Prinzip findet die Bundesnetzagentur das nicht verwerflich. "Wenn der Kunde weiß, was er bekommt, dann kann er reagieren", sagt Henseler-Unger. Oft finden sich solche Beschränkungen zwar nur im Kleingedruckten der Verträge. Aber die Kunden lassen auch nicht alles mit sich machen. So wehrten sich deutsche Kunden bei den ersten Versuchen, ihren mobilen Internetzugang zu beschränken, wie sich Henseler-Unger erinnert. Die WAP-basierten Angebote hatten lediglich zu einigen wenigen von den Netzbetreibern ausgewählten Inhalteangeboten geführt. "Das wollten die Konsumenten nicht", sagt Henseler-Unger. Die Anbieter mussten reagieren.

Offen für Extra-Gebühren

Warum aber wollen die Netzanbieter überhaupt die Neutralität im Internet abschaffen? Bei der Deutschen Telekom etwa denkt man spätestens seit dem Streit um das VDSL-Netz für Turbo-Internetanschlüsse neu über Neutralität nach. Es müsse sich lohnen, in neue Netze zu investieren, sagt Klaus Müller, Vice President Regulatory Policy der Telekom. Der Trabbi für alle habe sich schließlich auch nicht bewährt, argumentiert Müller. Während die EU-Kommission auf Neutralität pocht, gibt sich die deutsche Netzagentur offen für Extra-Gebühren. Die öffentliche Hand müsse abwägen, ob es sich volkswirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich eher positiv oder negativ auswirke, wenn die Neutralität im Netz eingeschränkt werde.

Experten wie der Bostoner Wirtschaftswissenschaftler Ingo Vogelsang schließen nicht aus, dass eine Einschränkung der Offenheit auch positiv für den Endnutzer sein könne, weil er zwischen mehreren Netzen wählen könne. Auch Vogelsang ist aber skeptisch, wenn es darum geht, Premiuminhalte wie etwa die Fußball-Übertragungen an Netze eines Anbieters zu koppeln. "Für Wettbewerber wäre das eine Katastrophe." Selbst zwei oder drei Zugangsmöglichkeiten zum Netz sind dabei auch noch zu wenig, warnen Experten.

Welche Geschäftsmodelle und Preisgestaltungen aber die neuen Netze einmal bringen werden, ist noch gar nicht abzusehen. So warnt Iris Henseler-Unger zwar einerseits davor, jede Neuerung im Keim zu ersticken, droht aber auch den Netzanbietern. Wenn der Kunde am Ende ein gutes Internetangebot nur noch im Bündel mit einem schlechten TV-Angebot und interessante TV-Inhalte nur in Verbindung mit einem miesen Internet bekomme, dann sei der Regulierer aufgerufen, etwas zu tun.

© SZ vom 29.1.2008/mri
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