Nackte US-Promis im Internet Vorhang zuziehen genügt nicht

Von mehr als 100 US-Prominenten, darunter auch Schauspielerin Jennifer Lawrence (l.) und Sängerin Rihanna, wurden Nacktbilder im Netz verbreitet.

(Foto: AFP)

Die Internet-Plattform 4Chan veröffentlicht Nacktfotos von US-Prominenten wie Jennifer Lawrence und Rihanna. Die Empörung ist groß - doch kaum etwas wird Täter auch in Zukunft davon abhalten. Die Technik macht es möglich.

Von Pascal Paukner und Roman Deininger

In Hollywood macht man sich aus strategischen Gründen ganz gern mal frei, allerdings legt man dabei schon Wert darauf, den Zeitpunkt und den Grad der Entblößung selbst zu bestimmen.

Mehr als 100 US-Prominente, fast ausschließlich Frauen, wurden offenbar Opfer eines großflächigen Hacker-Angriffs: Auf 4Chan, einer der Ecken im Internet, wo sich schon mal etwas ungemütliche Zeitgenossen herumtreiben, tauchten zahlreiche intime Fotos auf, unter anderem von Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence ("Silver Linings"), Model Kate Upton und Sängerin Rihanna.

Einige Betroffene dementierten die Echtheit der Bilder, andere bestätigten sie. Schauspielerin Mary E. Winstead ("Final Destination 3") twitterte: "An all jene, die sich die Fotos anschauen, die ich vor Jahren mit meinem Ehemann im Schutz unseres Zuhauses gemacht habe - ich hoffe, ihr kommt euch toll vor." Jennifer Lawrences Agent sprach von einer "entsetzlichen Verletzung der Privatsphäre". Er kündigte an, rechtlich gegen jeden vorzugehen, der die "gestohlenen Bilder" verbreite.

Die Frage ist freilich, wie die Bilder überhaupt von den Handys und Rechnern der Prominenten geklaut werden konnten. Noch lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wie der Großangriff abgelaufen ist. In den Internetforen, dort, wo sich die Experten rumtreiben, liest man immer wieder eine Erklärung: Die Schwachstelle liegt demnach wohl bei Apples Online-Speicherdienst iCloud.

Dazu muss man wissen: Smartphones, Tablets oder Computer von Apple sind in der Lage, automatische Sicherungskopien anzufertigen - auch von Fotos. Diese Technik ist kein Teufelszeug. Sie kann sehr nützlich sein. Wenn man etwa mal sein Handy zertrümmert, sind nicht gleich alle Bilder weg. Sie lagern noch auf den Servern von Apple, sind somit aber auch ein potenzielles Sicherheitsrisiko.

Apple reagierte schnell

Im aktuellen Fall ist womöglich genau das ein Problem. Am Montag wurde etwas überraschend bekannt, dass Apple bei dem iCloud-Dienst "Find my iPhone" keine Sicherung gegen Brachialangreifer eingebaut hat. Ein solcher Schutz ist üblicherweise Standard in der Technikindustrie und soll vor Angreifern schützen, die mittels einer speziellen Software alle möglichen Passwörter ausprobieren, so lange bis zufällig das richtige dabei ist.

Bei Apple gab es einen solchen Schutz bislang offensichtlich nicht, weshalb mancher Experte mutmaßte, dass sich die Angreifer über diese Lücke Zugang zu den Daten verschafft haben könnten. Im Lauf des Tages reagierte das Unternehmen ungewöhnlich schnell auf die Meldung und begann, das Problem zu beheben. Das verstärkte den Eindruck, dass die konkrete Sicherheitslücke in diesem Fall wohl entdeckt ist.

Weil die Opfer des Hacker-Angriffs so prominent sind, werden die Fotos sicher noch für Diskussionen sorgen. Es geht um eine substanzielle Herausforderung: Datenschutz im digitalen Zeitalter ist eine außerordentlich komplizierte Angelegenheit.

Es genügt nicht, einfach den Vorhang zuzuziehen und die Haustüre abzuschließen. Privatsphäre heute kostet Geld, Zeit, Nerven. Wer sein Leben über Smartphones und soziale Netzwerke so unbekümmert ausbreitet, wie die Anbieter das gerne hätten, geht fast immer ein Risiko ein. Diese Erfahrung machen längst nicht nur Prominente. Es kann jeden treffen, der solche Bilder von sich vorhält und sie zu lasch schützt. Offizielle Zahlen zum Klau pikanter Daten sind rar. Allein in Japan soll es aber zwischen 2008 und 2012 zu mehr als 27 000 ähnlichen Fällen gekommen sein.