Nach Kritik an der Namensregelung Facebook reagiert auf Ellos Erfolg

So erfolgreich, dass Facebook reagiert hat.

(Foto: AFP)
  • Facebook entschuldigt sich für das Ignorieren der Bedenken aus der schwul-lesbischen Community - und kündigt an, die Namensregelung anzupassen.
  • "Menschen sollen den Namen nutzen dürfen, mit dem sie sich identifizieren", heißt es in einem Beitrag des Unternehmens.
  • In den vergangenen Wochen haben sich mehr als 50 000 Menschen pro Stunde bei der Facebook-Alternative "Ello" angemeldet.
Von Hakan Tanriverdi

Facebook: "Wir wollen uns entschuldigen"

Nach mehreren Wochen hat Facebook eingesehen, zu bedenkenlos über die Einwände aus der schwul-lesbischen Community hinweggegangen zu sein. "Wir wollen uns entschuldigen", schreibt Chris Cox, der sich um die Produkt-Entwicklung bei Facebook kümmert.

Zuvor hatten sich Menschen innerhalb dieser Community über die Klarnamen-Regelung auf Facebook beschwert. Diese erfordert es, dass Nutzer des Netzwerks so heißen, wie im echten Leben auch. Geprüft wurde das im Einzelfall über Identitäts-Nachweise, also über offizielle Dokumente wie Führerscheine.

In Zukunft soll das Verfahren angepasst werden, mit dem Facebook die Nutzernamen prüft. "Wir sehen, dass es viel Raum für Verbesserung gibt", schreibt Cox nun.

Reaktion auf alternatives Netzwerk Ello

Dieser Reaktion war eine lange Phase des Ignorierens vorausgegangen. Facebook traf sich zwar mit Vertretern aus der Community, änderte aber nichts an seiner Regelung.

Daraufhin suchten diese nach einem Netzwerk, das ihnen erlaubte, ihren Künstler-Namen zu verwenden. Dieses Netzwerk heißt Ello und ist mittlerweile auch im Mainstream angekommen. Pro Stunde sollen sich aktuell bis zu 50 000 Nutzer anmelden.

Das aktuelle Statement von Facebook ist also eine direkte Reaktion auf den Erfolg von Ello. Facebook kämpft dagegen an, als zu bürokratischer Ort wahrgenommen zu werden, der sich nicht um die Interessen seiner Nutzer kümmert.

Ab sofort sind auch Künstler-Namen erlaubt

Das soll sich nun ändern, schreibt Cox: "Unsere Regelung hatte nie den Zweck, dass Menschen auf Facebook ihren echten Namen angeben müssen". Stattdessen sei es um den authentischen Namen gegangen. Der Unterschied liegt darin, dass der eine Name auf dem Führerschein steht, der andere zum Beispiel auf Eintrittskarten (bei Künstlern). Eine Drag Queen, die "Sister Roma" heißt, solle auch weiterhin auf Facebook "Sister Roma" heißen dürfen.

Der Hintergrund des massiven Vorgehens gegen Accounts von Drag Queens in den vergangenen Monaten sei auf eine Einzelperson zurückzuführen. Diese habe in den vergangenen Monaten "hunderte Accounts" als unecht gemeldet. In der Folge wurden einige der Accounts gelöscht.

Echte Namen sollen Nutzer schützen

Mit der Klarnamen-Regelung wolle Facebook seine Nutzer schützen: "Es ist der primäre Mechanismus, mit dem wir jeden Tag Hunderte Millionen Menschen weltweit vor echten Gefahren beschützen", schreibt Cox.

Warum diese Regelung bittere Konsequenzen haben kann, hat die Künstlerin Jade Sylvan in der Washington Post ausgeführt. Sie schreibt, dass sie mit zwei Identitäten aufgewachsen sei - der einer queeren Künstlerin und der einer Frau im katholischen Mittleren Westen der USA. Beide Personae seien gleich wichtig für sie gewesen: "Es hat immer Leute gegeben, die uns für unsere Identität bestrafen, sie für ungültig erklären, uns wegnehmen wollten." Menschen, denen es so gehe, hätten ein Recht darauf, mit ihrer Community in ihrer jeweiligen Identität zu interagieren, schreibt Sylvan. Das sei kein Mangel an Integrität, sondern viel mehr: Ehrlichkeit.