Nach jahrelangem Zwist Apple siegt gegen die Beatles

Ein Gericht entscheidet den langen Streit um das Apfel-Logo.

Von Von Jürgen Schmieder

25 Jahre stritten die beiden Apples schon miteinander: Der eine, Apple Computer Incorporated, ist die bekannte Computerfirma von Steve Jobs; der andere, Apple Corps, die Plattenfirma der Beatles. Nun ist es vorbei: Der Londoner High Court beendete den Zwist mit einem überraschenden Urteil.

Der Zankapfel

(Foto: Foto: Reuters)

Es geht um das Logo der beiden Unternehmen. Die Beatles gründeten ihr Label 1968 und wählten als Markenzeichen einen knackigen grünen Apfel. Steve Jobs entschied sich beim Start seiner Computerfirma im Jahr 1976 für einen stilisierten Apfel in Regenbogenfarben, der auf der rechten Seite angeknabbert ist. Dagegen klagten die Ex-Beatles 1981, worauf Jobs 80 000 US-Dollar Abfindung überwies und versprechen musste, die Finger vom Musikmarkt zu lassen.

Apfel in einfarbigem Design

1989 allerdings wollte Jobs von seinem Verzicht nichts mehr wissen und veröffentlichte ein Musikprogramm. Wieder wurde er von Apple Corps verklagt - und diesmal wurde es richtig teuer. 26 Millionen Dollar musste Jobs im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung zahlen. In diesem Abkommen wurde festgelegt, dass die Plattenfirma Apple Corps die Rechte auf kreative Werke bekommt, "deren prinzipieller Inhalt Musik ist". Die Computerfirma darf seitdem Güter und Dienste anbieten, "die dazu dienen, diesen Inhalt zu reproduzieren, abzuspielen, oder sonstwie zu übertragen."

Mittlerweile sind die Regenbogenfarben verschwunden. Seit 1998 hat der Apfel ein einfarbiges Design, das die einfache Bedienung der Apple-Produkte symbolisieren soll. Meist ist es in Silbergrau oder Weiß gehalten, einzelne Produkte wie Software-Lösungen sind mit einem roten Apfel versehen, im Betriebssystem Mac OS X ist er blau. Das Markenzeichen von Apple gehört einer Studie amerikanischer Universitäten zufolge zu den zehn bekanntesten Logos weltweit.

2,8 Millionen Dollar gefordert

Wohl auch aus diesem Grund brachte Steve Jobs seinen MP3-Player iPod unter dem Apple-Logo auf den Markt, obwohl ihm von Analysten zur Gründung eines neuen Unternehmens mit anderem Namen geraten wurde. Im Oktober 2001 stellte der ins Straucheln geratene Riese das kostenlose Programm iTunes und den tragbaren MP3-Player iPod vor. Von den verschiedenen Versionen des iPod wurden weltweit über 40 Millionen Exemplare verkauft, am 23. Februar 2006 lud sich der Amerikaner Alex Ostrovsky über den iTunes Music Store das Lied "Speed of Sound" der britischen Band Coldplay herunter - damit war die Marke von einer Milliarde verkaufter Songs geknackt. Apple Computers ist ein "Big Player" auf dem Musikmarkt, iTunes ist Marktführer. Von reiner Reproduktion kann keine Rede mehr sein.

So jedenfalls sahen es die Besitzer der Plattenfirma Apple Corps - Paul McCartney, Ringo Starr, Yoko Ono und die Erben von George Harrison - und klagten erneut. Sie sahen die Abmachung von 1991 verletzt und argumentierten, dass Apple Computers sehr wohl kreativ mit musikalischen Werken umgeht. 2,8 Millionen Dollar wollten sie diesmal von Steve Jobs haben. Viele Prozessbeobachter sahen die Plattenfirma im Vorteil: zum einen, weil iTunes tatsächlich viel Raum für kreative Spielereien lässt; zum anderen, weil der Prozess vor einem britischen Gericht stattfand und die einheimische Firma bevorzugte Behandlung bekäme.

Richter Edward Mann vom Londoner High Court jedoch wies die Klage zurück: "Die Verwendung des Apfel-Logos geschieht offensichtlich nicht in einem relevanten Zusammenhang mit kreativer Arbeit", sagte er bei der Verkündung des Urteils am Montag. Das Logo würde lediglich im Zusammenhang mit dem iTunes Music Store stehen, nicht aber mit der Musik, die dort verkauft werde. Deshalb nutze Apple Computers den Apfel "angemessen und zumutbar". Apple darf also weiterhin Songs - auch Lieder der Beatles - unter dem Logo des Apfels verkaufen.