Musikstreaming:Das sind die Tricks der Spotify-Betrüger

Inside The South By Southwest (SXSW) Interactive Festival

Mehr als 30 Millionen Spotify-Nutzer zahlen für ein Abonnement. Dafür erwarten sie ungestörten Musikgenuss - ohne Tricks.

(Foto: David Paul Morris/Bloomberg)
  • Betrüger verdienen viel Geld an Musikstreamingdiensten.
  • Bei Spotify kopieren sie bekannte Hits oder programmieren Bots, die Musik in Endlosschleife anhören.
  • Spotify wehrt sich mit Software, die solche Tricksereien aufdecken soll. Doch längst nicht alle Methoden werden erkannt.
  • Letztendlich leiden vor allem die Künstler, an die weniger Geld ausgeschüttet wird.

Von Sara Weber

Nicht jedes Lied auf Streamingdiensten wie Spotify ist, was es vorgibt zu sein. Und nicht jedes abgespielte Lied wird tatsächlich von einem Menschen gehört. Auf dem Dienst wird betrogen: bei der Musik, die eingestellt wird und bei der Musik, die abgespielt wird. Ein Problem, gegen das Spotify ankämpft. Aber wann ist Betrug eigentlich Betrug?

Ziel der Trickser ist immer das Geld, das Spotify an die Rechteinhaber ausschüttet. Die Summe errechnet sich aus verschiedenen Variablen, etwa dem Anteil der Spotify-Nutzer, die für ein Abonnement zahlen und den monatlichen Gesamteinnahmen von Spotify. Im Schnitt zahlt Spotify pro Stream zwischen 0,6 und 0,84 US-Cent aus, sagt das Unternehmen. Ein einzelner Stream zählt, wenn er mindestens 30 Sekunden lang abgespielt wird.

Schlecht kopiert ist halb verdient

Mit diesem Wissen stellen Trickser gefälschte Musik auf Spotify ein. Wird sie angehört, bekommen sie Geld ausgezahlt. So werden etwa beliebte Songs, die von Millionen Nutzern gehört werden, einfach kopiert: Sogenannte "Kloner" nehmen eigene Versionen der Hits auf und veröffentlichen sie unter einem Namen, der von Nutzern häufig gesucht wird.

Das kann der Name des Songs sein oder ein bekannter Textausschnitt. Die Namen der Bands, wie "The Hit Crew", erinnern an Namen von Playlists. Nutzer, die auf der Suche nach dem Song sind und nicht wissen, wie der Künstler heißt, klicken dann darauf. Eine schnelle Suche bei Spotify zeigt: Zu so gut wie jedem aktuellen Erfolgstitel finden sich auch (oft erschreckend schlechte) Kopien.

Es gibt noch andere Tricks: Kopierte Songs, deren Namen geschrieben sind wie große Hits, nur mit einem kleinen Tippfehler. Lieder, die unter verschiedenen Namen immer wieder hochgeladen werden. "Künstler", die "Lieder" einstellen, die nur aus weißem Rauschen bestehen und angeblich die Konzentration anregen sollen. Geld wird über die pure Masse an Beiträgen eingenommen. Wer genug gefälschte Lieder einstellt, für den lohnt es sich irgendwann.

Nutzer und Roboter halten den Streamingdienst sauber

Spotify geht gegen diese Art von Spam vor. 2014 hat das Unternehmen Echo Nest gekauft, eine Plattform, die den Zusammenhang zwischen Tönen und Text in Musikaufnahmen untersucht. Sie hat verschiedene Arten von Musikbetrug ausfindig gemacht und Methoden gefunden, dagegen vorzugehen: Etwa Audio-Fingerabdrücke, anhand derer Kopien von Liedern erkannt werden können, auch wenn diese unter anderen Namen hochgeladen werden.

Spotify-Sprecher Marcel Grobe zufolge gibt es heute aber nur "wenige Möglichkeiten, Inhalte anzuliefern, die wir nicht schon gehört haben oder mit deren Label oder Distributor wir nicht in direktem Kontakt stehen". Wenn Spotify merke, dass jemand versuche, Lieder anzuliefern, die "eine ähnliche Schreibweise, aber keine Copyrights" hätten, würden diese innerhalb kurzer Zeit heruntergenommen. "Unsere Nutzer weisen auf unrechtmäßige Inhalte hin", sagt Grobe. "Außerdem haben wir interne Software-Programme, die Auffälligkeiten bemerken, etwa wenn ein Track auf drei unterschiedliche Arten geschrieben wird."

Den ehrlichen Musikern - beziehungsweise denen, die die Rechte an ihren Liedern halten - kommt das zugute: Wird weniger Geld an Spammer ausbezahlt, bleibt mehr für sie übrig. Davon profitieren am Ende auch die Nutzer, denn nur, wenn Streamingdienste genug Einnahmen bringen, werden Musiker und Labels weiter ihre Alben dort online stellen. Viele von ihnen stehen dem Streaming-Modell auch ohne die Tricksereien schon skeptisch gegenüber.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB