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Musikplayer Pono von Neil Young:Toblerone für Altrocker

Pono-Musikplayer

Wie eine Kreuzung aus iPod und Toblerone: Der Musikplayer Pono von Neil Young.

MP3s machen das Musikerlebnis kaputt, sagt Altrocker Neil Young. Deshalb setzt das von ihm mitentwickelte Abspielgerät Pono auf ein verlustfreies Dateiformat und hochwertige Hardware. Doch wie groß ist der Unterschied wirklich?

Bits, Bytes - ach was, dummes Zeug! Es geht um Gänsehaut, Mann. "Es geht darum", sagt der alte Mann mit den zotteligen Haaren und dem karierten Flanellhemd, "wovon wir Künstler geträumt haben". Diesen Traum will Neil Young den Hörern seiner Musik und der vieler anderer wieder zurückbringen. Und deshalb steht er nun auf der Bühne vor den Besuchern der Messe Dreamforce in San Francisco und preist ein Gerät an, das es in mehreren leuchtenden Farben gibt und das phänotypisch eine Kreuzung aus iPod und Toblerone darstellt - ein dreieckiger Musikspieler also, Pono sein Name.

Leute wie Neil Young, 68, nennt man gerne Altrocker. Wenn man ihn so sieht, merkt man, dass er ganz einfach auch ein ziemlich alter Rocker ist. Der Zorn des jungen Mannes ist zwar noch in ihm, aber das reifere Alter hat ihn auch gelehrt, dass die Liebe das wichtigere Gefühl ist. Und so schimpft er nur sehr verhalten auf die Musikindustrie, die mit ihren komprimierten Musikformaten den Hörern das wahre Feeling genommen, die Musik zum Hintergrundgeräusch degradiert habe.

Er braucht sie ja auch noch, die Plattenfirmen, denn sie müssen ihm die Original-Masterbänder überlassen, damit er seine verlustfreien Kopien davon ziehen kann. Auf seiner Website Ponoworldtimes.com läuft ein Zähler, der angibt, wie viele Lieder bereits verfügbar sind. Auch wenn Neil Young sich nicht äußert zu Bits und Bytes. Ohne geht es auch bei ihm und seinem Service Pono nicht. Nur dass eben die verwendeten Formate (vor allem Flac) die Musik weniger stark beschneiden - mindestens so gut wie CDs, das ist der Anspruch.

Der Unterschied ist größer als gedacht

Aber ist er zu halten? Anders gefragt: Lohnt es sich, die ganzen Alben, die man erst auf Vinyl, dann auf CD oder MP3 gekauft hat, jetzt noch einmal zu kaufen? Ein kleiner Hörtest. Natürlich auch mit Musik von Neil Young - nicht schlecht. Und von den Stones. "Brown Sugar" kommt sehr luftig und detailreich rüber über die Kopfhörer, aber ist es wirklich besser als die MP3 auf dem Handy? Schnell den Hörer umgesteckt - und tatsächlich: Der Unterschied ist größer als gedacht.

Die Frage ist allerdings, woran das liegt. Die Original-Tapes noch mal zu digitalisieren schadet sicher nicht, allerdings dürften auch die besseren Digital-Analog-Wandler-Bausteine im Pono-Player viel ausmachen. Um das zu testen, hätte man die MP3 auf den Pono spielen müssen, was aber auf der Messe nicht ging. Wäre es so, dann wären die 400 Euro für den Player und die Alben für je 15 bis 25 Dollar eher vergebliche Liebesmüh. Gute Wandler, die man an den USB-Ausgang von Smartphones hängen kann, gibt es beispielsweise von Beyerdynamic für 300 Euro.

Dass Young und seine Mitstreiter die Musikwelt revolutionieren, wie sie behaupten, ist eher nicht zu erwarten. Für die, die stets das Beste haben wollen und bei digitaler Musik keine Kompromisse eingehen wollen, ist der Pono-Player und der dazugehörige Store für hochwertig digitalisierte Musik aber einen Blick wert.