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Mobiles Internet:Behörde macht bereits Druck auf DSL-Anbieter

Im Festnetz hat sie das bereits getan: Die Behörde hatte die Verbraucher testen lassen, wie schnell das Internet wirklich ist, das über das Kabel aus der Wand kommt. Das Ergebnis war desaströs: Nur jeder fünfte kann hierzulande so schnell surfen wie bestellt. Jeder dritte kommt dagegen gerade einmal auf die Hälfte der versprochenen Bandbreite. Und in den Abendstunden, wenn die Menschen im Wohnzimmer die Videostreams anschalten und es eng wird auf der Datenautobahn, sinkt die Leistung weiter - um bis zu 15 Prozent, hieß es im Abschlussbericht (hier als PDF).

Wenig später bestellte die Behörde die Anbieter ein. Sie sollten erklären, wie sie für mehr Transparenz sorgen wollen. Einige gestalteten ihre Verträge klarer. Andere, wenn auch noch wenige, rechnen inzwischen nach der tatsächlichen statt der versprochenen Übertragungsrate ab: 1&1 etwa lässt Kunden schon lange in einen billigeren Vertrag wechseln oder ganz stornieren, wenn der Konzern nicht leisten kann, was bestellt war.

Doch ob die Anbieter daraus auch Lehren für den Mobilfunk ziehen, bleibt abzuwarten. O2 bietet immerhin eine virtuelle Landkarte, auf der man nachsehen kann, wie schnell man wo surfen kann. Vodafone plant fürs nächste Jahr etwas Ähnliches. "Die Karte soll den zu erwartenden Datendurchsatz bei optimalen Bedingungen sowie bei mittlerer und hoher Netzlast anzeigen", verspricht Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum.

Abrechnen nach echter Bandbreite? Die Provider winken ab

Aus Sicht der Anbieter reicht das zur Aufklärung. Nach der tatsächlichen statt der möglichen Geschwindigkeit abzurechnen, halten sie für schwierig. Schließlich bleibt, anders als beim Festnetzanschluss, mit seinem Smartphone kaum einer immer nur an einem Ort. Die Anbieter müssten also ständig nachmessen - und immer wieder aufs Neue abrechnen. Das wäre in etwa so, als gäbe es an der Mautstation auch eine Geld-zurück-Garantie für den Fall, dass man mal im Stau steht.

Dass die Mobilfunkanbieter zögern, hat aber auch noch einen anderen Grund: Nachdem die Preise für Telefonate und SMS stetig gesunken sind, setzen sie nun alle Hoffnung auf das Geschäft mit dem Surfen unterwegs: Bei der Telekom unterstützt jedes dritte verkaufte Smartphone den LTE-Standard, bei O2 und Vodafone sogar jedes zweite. Und damit entdeckt eine immer größere Kundschaft das schnelle Surfen - und auch einen etwas teureren Tarif. Tim Höttges, der bei der Telekom zum Jahreswechsel vom Finanzchef zum Konzernchef aufsteigt, verwies kürzlich stolz darauf, dass der Umsatz mit den Datentarifen im jüngsten Quartal um mehr als 30 Prozent zugelegt hat.

Und dieses Geld brauchen die Konzerne auch, um den stockenden Netzausbau in Deutschland voranzubringen - zumindest so lange, bis die neue Regierung in Berlin nicht doch noch anderswo etwas Geld dafür auftut.

© SZ vom 18.11.2013

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