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Microsoft kauft Minecraft-Entwickler Mojang:Lassen sich Minecraft-Fans in Microsoft-Kunden verwandeln?

Erfinder Notch hat mittlerweile die Firma Mojang gegründet und etwa 40 Mitarbeiter um sich geschart. Die Spieler-Community aber ist der eigentliche Wert, auf den es Microsoft abgesehen haben dürfte.

Hunderttausende Fans machen mit ihren Videos, Bildern, virtuellen Bauprojekten und den zugehörigen Anleitungen ständig kostenlos Werbung im Internet, sorgen dafür, dass Minecraft längst ein Selbstläufer ist. Ein Selbstläufer, den Microsoft, das endlich wieder Kunden in sein eigenes Ökosystem ziehen will, dringend brauchen kann.

Das sogenannte Microsoft-Konto ist ein plattformübergreifender Zugang, mit dem sich bislang etwa 250 Millionen Kunden für ihre Xbox-Spiele anmelden, den Microsoft-eigenen Cloud-Speicherdienst Onedrive verwenden oder ihren Hotmail-Posteingang abrufen. Wird es bald nötig sein, ein Microsoft-Konto zu erstellen, um Minecraft zu starten? Und lassen sich die Minecraft-Fans überhaupt zu Microsoft-Kunden konvertieren?

Microsoft muss sehr behutsam vorgehen. Denn einer der Gründe, warum das Spiel so beliebt ist, ist die unendliche Freiheit, die Mojang seinen Kunden einräumt. Man kann nicht nur im Spiel machen, was man will - beispielsweise jahrelang jeden Tag in dieselbe Richtung laufen, ohne an die Grenzen der Spielwelt zu stoßen. Sondern auch mit dem Spiel. Es gibt eine riesige Szene von Hobby-Programmierern, die das Spiel mit sogenannten Mods - selbstgeschriebenen Spielinhalten - ständig erweitern, umbauen, am Leben erhalten. Und von Mojang dabei nach Kräften unterstützt werden.

Radikal liberale Spiel-Idee

Zu diesem Freiheitsgefühl gehört auch der Mythos des unabhängigen Spieleentwicklers als unverkäuflicher Künstler. Gründer Notch wettert nicht selten in seinen Tweets gegen Großkonzerne wie Microsoft und betont hemdsärmelig seine Unabhängigkeit. Er ist kein genialer Programmierer, aber die Fans lieben ihn für seine anarchistische Schnauze und seine zur Schau gestellte Integrität.

Der ästhetische Stil von Minecraft mit den groben Texturen, den riesigen Pixelblöcken und der kantigen Blockschrift mag mittlerweile das Markenzeichen des Weltenbau-Simulators sein. Er begann aber als pragmatische Notwendigkeit für eine radikal liberale Spielidee.

Und die Sache mit der Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit? Als Notch im Dezember 2012 die ganzen Anfragen der großen Tech-Firmen zu bunt wurden, die ihn dafür gewinnen wollten, mit seiner Independent-Ausstrahlung für ihre Produkte zu werben, schrieb er auf Twitter: "Mein Preis ist zwei Milliarden Dollar. Dann könnte man eine Milliarde spenden und hätte immer noch eine Milliarde übrig für Bier."

Diesen Preis hat Microsoft jetzt überboten. Und Firmengründer Notch, so heißt es in der offiziellen Mitteilung des Unternehmens, wird Mojang verlassen.

© Süddeutsche.de/pauk

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