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Micropayment: Flattr und Co:Bezahlrevolution mit Hindernissen

Lässt sich mit Artikeln und Blogbeiträgen im Internet doch Geld verdienen? Dienste wie Flattr und Kachingle sollen Nutzer zum Bezahlen für kostenlose Inhalte bewegen - die Hürden sind hoch.

Beim Geld hörte im Internet bislang der Spaß auf: Nur wenige Nutzer, so der Eindruck, wollen im Netz für Inhalte wie Nachrichten oder schlaue Blogbeiträge Geld bezahlen. Doch ein aktueller Blick in die deutschsprachige Blogosphäre zeigt: Beim Geld soll der Spaß erst anfangen.

Social Payments, Flattr und Kachingle

Flattr und Kachingle sollen es Bloggern und andere Seitenbetreibern ermöglichen, Geld mit kostenlosen Inhalten zu verdienen.

(Foto: Fotos: dpa / Grafik: sueddeutsche.de, Büch)

Immer häufiger finden sich in den Blogs die Logos der Social-Payment-Dienste Flattr und Kachingle. Sie ermöglichen es Nutzern, gute Blogs mit Zahlungen von Kleinstbeträgen zu honorieren. Das funktioniert so: Wie bei einer Prepaidkarte können Internetnutzer einen Betrag auf ihr Konto buchen und per Klick Seiten (Kachingle) oder auch Beiträge (Flattr) belohnen, die den entsprechenden Dienst integrieren.

Wie viel eine Seite erhält, errechnet sich bei Flattr aus der Zahl der Klicks, bei Kachingle verteilt das System das Geld aufgrund der Häufigkeit der Besuche auf den Plattformen, die ein Nutzer per Kachingle "abonniert" hat. Ein Beispiel: Wer auf sein Flattr-Konto 20 Euro eingezahlt hat und im Laufe eines Monats zwei Beiträgen einen Sympathieklick zukommen lässt, schenkt diesen so jeweils zehn Euro. Klickt er auf 200 Seiten, erhält jede davon nur zehn Cent. Bei Flattr liegt der Durchschnittsbetrag für einen Klick nach Angaben des Unternehmens derzeit zwischen zehn und 15 Cent.

Bezahlen, was kostenlos ist

Beide Dienste existieren erst seit kurzer Zeit und haben erstaunlicherweise vor allem im deutschsprachigen Bereich Nutzer gefunden. "Die deutsche Blogosphäre hat offenbar seit längerem nach so einer Möglichkeit gesucht", sagt Flattr-Gründer Peter Sunde. Von den etwa 6000 bis 8000 Nutzern, erklärt der Schwede, stammten etwa 40 Prozent aus dem deutschsprachigen Raum.

Tatsächlich geisterte die Monetarisierungsdebatte in den vergangenen Jahren immer wieder durch Kleinbloggersdorf. Doch während in den USA viele Blogger zu kleinen Medienunternehmern wurden oder ihre Beiträge nun für renommierte Seiten wie den Atlantic Monthly, die New York Times oder Time Magazine schreiben, bleibt der Traum vom Profi-Bloggen hierzulande unerfüllt.

Naht nun also die Rettung? Ob Micropayment-Dienste sich jemals durchsetzen werden und ein fundiertes Geschäftsmodell bilden, wird bereits seit Jahren diskutiert. "Die größte Hürde ist, dass wir Menschen darum bitten, für etwas zu bezahlen, das es kostenlos gibt", beschreibt Kachingle-Gründerin Cynthia Typaldos das Grundproblem.

Dieses Mal soll es klappen, weil die Vernetzung über Facebook und Co als Katalysator wirken soll: "Es hat enormen Einfluss auf mich, wenn ich sehe, dass ein Freund für eine Seite zahlt, die er mag", sagt Typaldos.