MemesLustige Internetphänomene

John Travolta, Aushänge zu Technikern und seltsame Pinguine gehören zu den bekanntesten Internetphänomenen.

Codewort "Verwirrter Travolta"

Die Szene ist über zwanzig Jahre alt und war bis vor Kurzem nur großen Fans des filmischen Werkes von Quentin Tarantino bekannt: John Travolta betritt in der Rolle des Vincent Vega die Wohnung von Mia Wallace (Uma Thurman) und schaut sich ratlos und verwirrt um. Sie beobachtet ihn über die Kameras in der Wohnung und spricht über ein Mikrofon zu ihm. Er - den Mantel noch über dem Arm - versucht, sich zu orientieren. Eine Drehung, eine Handbewegung, ein fragender Gesichtsausdruck. Aus der Sequenz aus dem Film "Pulp Fiction" aus dem Jahr 1994 hat sich in den vergangenen Wochen ein Running Gag im so genannten Gif-Format entwickelt.

Dieses Bildformat ist noch älter als Tarantinos "Pulp Fiction", erfreut sich als Container für kleine Internetwitze aber seit Jahren ungebrochener Popularität. Menschen speichern in dem antiquierten Format kurze Bildsequenzen und teilen sie. Seit ein paar Wochen spielt Facebook die animierten Kurzsequenzen direkt in seiner Timeline ab, was dem Gif-Format einen zusätzlichen Schub gegeben und den verwirrten Travolta und seine Abwandlungen beflügelt hat. Ein Nutzer des Portals Imgur hatte ihn Anfang November aus dem Kontext des Originalfilms gelöst und vor grünem Hintergrund freigestellt. In der Beteiligungskultur des Web muss das als klare Aufforderung verstanden werden, Vince Vega in andere Motive zu montieren. Genau das geschieht.

Seit wenigen Wochen wetteifern Netz-Nutzer in der Rekontextualisierung des "Confused Travolta" - unter diesem Schlagwort ist Vince Vega plötzlich in allerlei merkwürdigen Zusammenhängen zu sehen: Ratlos an einer europäischen Außengrenze, ratlos in einer neu eröffneten Wiener U-Bahn-Station, ratlos in einer leeren Geldbörse, ratlos in "Star Wars"-Sequenzen. Stets gibt es keinen erkennbaren inhaltlichen Bezug - außer dem geheimen Wissen um das "Confused Travolta"-Meme und seine vermeintliche Sinnlosigkeit. Es ist eine kontinuierliche Anspielung, die wie ein Geheimwort nur von denen verstanden wird, die den Code erkennen und sich daran freuen, dass er den anderen fremd bleibt. Sie tragen den Zauber - in Form des ratlosen Travolta - in immer neuen Kontexten weiter und formen so aus einem über zwanzig Jahre alten Filmschnipsel einen der populärsten Internetwitze des Jahres 2015. Von Dirk von Gehlen

Bild: oh 15. Dezember 2015, 10:012015-12-15 10:01:11 © SZ.de/mri