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Suse-Chefin Melissa Di Donato:Mit Open Source an die Börse

SUSE CEO Melissa Di Donato is seen in this handout picture taken in Aynhoe Park

Suse-Chefin Melissa Di Donato

(Foto: Reuters)

Melissa Di Donato ist eine der wenigen Chefinnen in der IT-Branche. Jetzt will sie mit ihrem Nürnberger Softwareunternehmen Suse an den Kapitalmarkt.

Von Mirjam Hauck

Dass sie einmal eine der führenden Frauen in der IT-Branche wird, war eigentlich nicht der Karriereplan von Melissa Di Donato, 47, die jetzt als Chefin das Nürnberger Open-Source-Softwareunternehmen Suse an die Frankfurter Börse bringen will.

In New York, Washington und Sankt Petersburg hat die US-Amerikanerin mit italienischen Vorfahren in den 90er-Jahren Politik, Russisch und Wirtschaft studiert. Nach ihrem Masterabschluss wollte sie eigentlich US-Botschafterin in Russland werden. Aber weil Di Donato fürchtete, mit einem Regierungsjob ihren Studienkredit nicht zurückzahlen zu können, folgte sie dem Rat ihres Studiendekans und machte zunächst ein Praktikum beim US-Computerkonzern Hewlett-Packard.

Dort lernte sie SAP-Software kennen und bildete sich als Programmiererin und Entwicklerin weiter. Es folgten Stellen mit Führungspositionen bei US-Softwareunternehmen wie Oracle und Salesforce; 2016 wechselte sie zum Walldorfer Softwarekonzern SAP. Dort war sie zuletzt als Chief Operating Officer und Chief Revenue Officer für den weltweiten Umsatz, den Gewinn und die Kundenzufriedenheit verantwortlich.

Im Sommer 2019 übernahm Di Donato, die seit vielen Jahren mit ihrem Mann und drei Kindern in Großbritannien lebt, den Chefposten beim deutschen Mittelständler Suse. Im Geschäftsjahr 2019/2020 machte das Unternehmen mit mehr als 1700 Mitarbeitenden einen Jahresumsatz von 503 Millionen US-Dollar. Suse will mit dem Börsengang und der Ausgabe neuer Aktien 500 Millionen US-Dollar einnehmen.

"Eine unglaubliche Gemeinschaft."

Das Besondere an Open-Source-Unternehmen wie Suse ist, dass sie den Programmcode ihrer Software kostenlos zur Verfügung stellen. Geld verdient Suse mit Diensten wie dem Anwendungssupport. Viele Firmen setzen mittlerweile auf Linux und Open-Source-Software, weil sie oft flexibler als proprietäre Software ist und dank der weltweit vernetzten Open-Source-Community Fehler wie Sicherheitslücken schneller gefunden werden. "Wenn man eine Open-Source-Firma führt, geht es darum, eine unglaubliche Gemeinschaft zu stärken und darum, gemeinsam Probleme für unsere Kunden zu lösen", beschreibt Di Donato ihre Führungsrolle bei Suse.

Zu den Kunden von Suse gehört unter anderem auch SAP, auch mit dem Konkurrenten Microsoft arbeitet Suse mittlerweile zusammen. Der ehemalige Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte Linux vor Jahren noch als "Krebsgeschwür" bezeichnet.

Melissa Di Donato ist aber nicht nur eine erfolgreiche Managerin. Sie sieht sich auch als Vorbild für Mädchen und setzt sich dafür ein, dass mehr Mädchen und junge Frauen programmieren lernen und den Weg in die männlich dominierte IT- Branche finden. Sie sollen sehen, welche "erstaunlichen Karrieren sie in der Technologiebranche machen können". Damit das gelingt, hat sie im Sommer 2020 die Stiftung "Inner Wings" gegründet. Auch mit einem Kinderbuch, das bislang nur auf Englisch erschienen ist ("How Do Mermaids Poo", auf Deutsch etwa: "Wie Merjungfrauen kacken"), will Di Donato gegen Rollenklischees ankämpfen.

Die Suse-Chefin ist auch Vorsitzende des Technologie-Ausschusses des "30-Prozent-Clubs". Diese Organisation will unter anderem durchsetzen, dass 30 Prozent der obersten Führungspositionen in großen Firmen von Frauen besetzt werden. "Wenn mich ein Unternehmen in seinem Vorstand haben will, verlange ich immer, dass 50 Prozent der Kandidaten Frauen sein müssen", sagt Di Donato. Mit dem Börsengang von Suse arbeitet Di Donato weiter an ihrer Karriere und an ihrem Rollenvorbild: Sie ist dann eine der ersten Frauen, die ein deutsches Unternehmen mit einem Milliardenumsatz an die Börse bringt.

© SZ/kö
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