Maskulisten "Hausmann" - da kommt Werner Stahl das "kalte Kotzen"

"Unsere Bewegung fühlt sich ganz stark ausgegrenzt", sagt Hoffmann. "Bei Geschlechterdebatten sitzen immer nur Feministinnen auf den Podien." Damit hat er recht: Die Männerrechtsbewegung dringt mit ihren politischen Forderungen kaum durch, Gleichstellungsbeauftragte sind fast ausschließlich Frauen, die sich um die Förderung von Frauen kümmern - was auch damit zusammenhängen könnte, dass Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in den entscheidenden Funktionen immer noch von Männern dominiert werden.

Es sei eine Tatsache, dass Jungen mittlerweile deutlich schlechtere Bildungschancen hätten, sagt Hoffmann. Mädchen erhielten die besseren Noten und machten häufiger Abitur, auch der Anteil der Studentinnen sei höher. Die anderen Tatsachen - etwa, dass vier von fünf Professuren mit Männern besetzt sind, dass der Männeranteil in den Aufsichtsräten der 200 größten deutschen Unternehmen ebenfalls bei 80 Prozent liegt - lässt Hoffmann nicht gelten. Er sieht darin kein strukturelles Problem, sondern eine logische Konsequenz der Evolution: "Der Partnermarkt begünstigt gut verdienende Männer."

Seinen Maskulismus will Hoffmann nicht als Antifeminismus verstanden wissen. Im Gegenteil, er wünsche sich sogar eine starke Frauenbewegung - solange ihr eine ebenso einflussreiche Männerbewegung gegenüberstehe. "Mein Ziel ist es, dass alle Geschlechterrollen möglich sind. Männer müssen Machos sein dürfen, aber auch Hausmänner. Das ist mein Verständnis von Liberalität."

Echte Kerle, lila Pudel und Fotzenknechte

"Hausmann", bei so einem Wort kommt Werner Stahl "das kalte Kotzen", wie er sagt. Für ihn gibt es drei Arten von Männern: echte Kerle, so wie er selbst einer sei, "lila Pudel", wie die radikalen Männerrechtler Geschlechtsgenossen nennen, die Verständnis für Feminismus erkennen lassen, und "Fotzenknechte", die sich von Frauen auf der Nase herumtanzen ließen.

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"Fotzenknecht ist eine pejorative Bezeichnung für einen Mann, der sich radikal dem Willen derjenigen Frau unterordnet, mit der er gerade ein sexuelles Verhältnis pflegt", definiert die Wikimannia den Begriff. Männerrechtler haben die Wikimannia gegründet, um "der feministischen Verzerrung entgegenzuwirken, welche die Gesellschaft mit einem Weltbild durchsäuert, in dem es nur weibliche Opfer und männliche Täter gibt". Die Wikipedia dulde linksextreme Nutzer und diffamiere alle Nichtlinken, außerdem sei sie von Feministinnen unterwandert. Demgegenüber bilde die Wikimannia "die Antithese zur feministischen Opfer- und Hassideologie".

Tatsächlich beklagen sich viele Frauen über den aggressiven und frauenfeindlichen Tonfall in der Wikipedia-Gemeinschaft. Auf sechs Männer, die in Deutschland Wikipedia-Einträge verfassen, kommt Studien zufolge nur eine Frau, andere Erhebungen gehen von einem einstelligen Frauenanteil aus (PDF).

Im "gelben Forum" versammeln sich die radikalen Männerrechtler

Werner Stahl schreibt nicht selbst in der Wikimannia mit. Auch das andere Sammelbecken der radikalen Maskulisten beobachtet er nur passiv. Im "gelben Forum" bestätigen sich Männer in ihrer Überzeugung, von linksradikalen Feminazis unterjocht zu werden. Die Domain WGvdL steht für Wieviel "Gleichberechtigung" verträgt das Land?, die Witze der Nutzer sind nicht nur frauenverachtend, sondern auch rassistisch und schwulenfeindlich. Sie warnen vor "homo-perversen Blockwarten", beschweren sich über "grün-schwule Pädophile" und "gleichgeschaltete Justizverbrecher". Werner Stahl schaut dort jeden Tag vorbei, weil er dort "viele interessante Links findet", die "woanders alle wegzensiert würden".

Wikimannia und WGvdL werden beide von Rainer Hamprecht betrieben, der sich im Impressum als Rainer Luka ausgibt. Als Postanschrift findet man dort jeweils eine Briefkastenfirma in der Türkei, die Domains wurden auf den Seychellen registriert. Auf Anfrage heißt es nur: "Mit der Presse möchten wir nichts zu tun haben."