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LTE-Ausbau in Deutschland:Vodafone sieht Festnetz als Auslaufmodell

Immerhin, die Zeit, in der aus der technischen Entwicklung konkrete Angebote wurden, sie ist bei LTE um ein Vielfaches kürzer als beim vorigen Mobilfunkstandard UMTS. Nun hoffen die Mobilfunkanbieter, dass auch die Erträge folgen. Schließlich haben sie bereites einiges in die neue Technologie investiert: Allein für die Funkfrequenzen im Bereich von 800 Megahertz haben alle drei erfolgreichen Bieter bei der Auktion 2010 jeweils mehr als eine Milliarde Euro auf den Tisch gelegt. Hinzu kommen die Kosten für den Aufbau der Netze. Vodafone und Telefónica setzen diese mit einem dreistelligen Millionenbetrag an. Und die Telekom rechnet vor, was allein nötig war, um das Stadtgebiet von Köln mit seinen 150 Quadratkilometern mit LTE zu versorgen: Dort mussten 100 Basisstationen errichtet und 120 Kilometer Glasfaserkabel zur Anbindung verlegt werden. Kosten: fünf Millionen Euro.

Das größte Interesse an einem zügigen LTE-Ausbau hat Vodafone. Während man bei Telekom und O2 aufs Festnetz setzt und LTE somit eher für Konkurrenz im eigenen Haus sorgt, hält man in Düsseldorf das Festnetz zumindest für den Privatmann für ein Auslaufmodell. Und je schneller Vodafone der Wechsel von Kabel zu Funk gelingt, desto früher wird auch die Miete wegfallen, die der Konzern zahlt, um die Leitungen der Telekom mit zu nutzen. Bislang muss Vodafone dafür jährlich 500 Millionen Euro nach Bonn überweisen. Deshalb hat Vodafone seit Jahresbeginn auch als erster Anbieter LTE-fähige Smartphones sowie ein Tablet im Angebot. 02 verspricht Ähnliches, wenn auch eine kleinere Auswahl, für Ende Juli.

Sicherlich ist es auch für Smartphones ein gutes Verkaufsargument, wenn sich etwa Videos schneller herunterladen lassen", sagt Roman Friedrich, Partner der Beratungsgesellschaft Booz. "Um damit aber eine breite Masse zu erreichen, sind sowohl die in Deutschland angebotenen Geräte als auch die Netze noch zu schwach." Zumindest technisch bietet der neue LTE-Standard die Möglichkeit, den stetig steigenden Datenhunger von Mobilfunkkunden zu stillen. Eine Garantie für steigende Einnahmen aber sei er nicht. "Wenn die Mobilfunkanbieter auch für LTE eine Flatrate einführen, werden sie ihre Umsätze mit der neuen Technologie nicht sonderlich steigern", sagt Friedrich. Klüger wäre es seiner Einschätzung nach, für eine schnellere Datenübertragung auch einen höheren Tarif anzusetzen - ähnlich dem teuren Flugticket in der Business Class. "Es muss sich erst noch zeigen, ob die Kunden bereit sind, auch im Mobilfunk Business Class zu nutzen oder ob sie sich mit der Economy begnügen."

© SZ vom 21.06.2012/pauk
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